
Schakfeh-Preise 2026 für Häupl, Moser, Mayrhofer und Nußbaumer
Diakonie-Direktorin Maria Katharina Moser, der frühere Wiener Bürgermeister Michael Häupl und Maria Mayrhofer von der zivilgesellschaftlichen Kampagnenorganisation "#aufstehn" sind Träger der "Anas Schakfeh Preise 2026". Die Auszeichnung für Persönlichkeiten, die sich um Menschenrechte, Demokratie, Gleichheit und das friedliche Zusammenleben Verdienste erworben haben, wurde am Montagabend im Wiener Rathaus zum zweiten Mal von der "Anas Schakfeh Stiftung" vergeben. Einen Sonderpreis verlieh die Jury posthum im Gedenken an den im Oktober 2025 verstorbenen Journalisten, Publizisten und Mitinitiator der "Plattform Christen und Muslime", Prof. Heinz Nußbaumer (1943-2025).
Jury-Mitglied Paul Michael Zulehner würdigte beim Festakt Nußbaumers Beitrag zum Brückenbau zwischen den Religionen, der Stärkung des Vertrauens in die Demokratie und zur Förderung der "geistig-religiösen Grundlagen einer freien und dialogbereiten Gesellschaft". Nußbaumers Vermächtnis wirke weiter und verpflichte, sagte Carla Amina Baghajati, Leiterin des Schulamtes der Islamischen Glaubensgemeinschaft in Österreich (IGGÖ): "Menschen miteinander ins Gespräch bringen, auch dann, wenn es schwierig ist, Brücken bauen statt Gräben vertiefen und den Glauben an die Kraft des Dialogs und an die menschliche Erkenntnisfähigkeit bewahren: Das war die große Stärke von Heinz Nußbaumer." Das mit dem Sonderpreis verbundene Preisgeld kommt der Initiativgruppe Alpbach Wien zugute.
Diakonie-Direktorin Moser wurde in der Preiskategorie "Verdienste um Förderung von Frauen und ihrer Beteiligung an der Gesellschaft" ausgezeichnet. Mayrhofer erhielt die Ehrung für "Verdienste im Bereich der Menschenrechte, der Demokratie und der Förderung der Rechtsstaatlichkeit". An Häupl, der SPÖ-Politiker war von 1994 bis 2018 Bürgermeister von Wien, ging die Auszeichnung in der Kategorie "Verdienste um den Islam und die Partizipation von Musliminnen und Muslimen in Österreich und Europa".
Der SPÖ-Landtagsabgeordnete Omar Al-Rawi würdigte in seiner Laudatio Häupls jahrzehntelangen Einsatz für die muslimische Community Wiens, von der Einrichtung eines islamischen Friedhofs 2008 bis zur Öffnung des Wiener Rathauses für den interreligiösen Dialog, darunter die Einladung zu einem Iftar-Mahl anlässlich des islamischen Fastenmonats Ramadan ab dem Jahr 2002. Die Auszeichnung gebühre auch den vielen Menschen unterschiedlich Glaubens, die Wien zu ihrer Heimat gemacht haben und "Tag für Tag den Beweis antreten, dass Zugehörigkeit und ein Miteinander nicht an der Herkunft hängen, sondern am gemeinsamen Gestalten und dem Willen dazu", betonte Häupl selbst in seiner Dankesrede. "Wer hier lebt, wer hier seine Kinder großzieht, wer hier Steuern zahlt und die Gesetze achtet, der ist Wienerin oder Wiener - ganz egal in welche Richtung er betet", so der ehemalige Bürgermeister.
Anas Schakfeh, von 1997 bis 2011 Präsident der Islamischen Glaubensgemeinschaft in Österreich (IGGÖ), betonte in seinen Worten bei dem Festakt die Bedeutung einer "offenen, toleranten und menschenfreundlichen" Gesellschaft, in der verschiedene Meinungen, Ansichten, Überzeugungen und kulturelle Prägungen als Bereicherung und nicht als Belastung oder gar als Bedrohung betrachtet werden. "Wir stehen für einen Rechtsstaat, der seine demokratisch verfasste Rechtsordnung für alle seine Bürgerinnen und Bürger offen hält und gerecht anwendet. Wir stehen für Menschenrechte und Menschenwürde", sagte der 83-Jährige.
Moser-Appell für Gleichberechtigung von Frauen
Diakonie-Direktorin Moser gab ihr Preisgeld an ein Projekt des Flüchtlingsdienstes der evangelischen Diakonie für Frauen mit Migrations- und Armutserfahrung weiter. "Wenn wir wollen, dass Frauen ein freies und gutes Leben leben können, braucht jede Kirche, jede Religionsgemeinschaft, jede Community, jede Weltanschauung einen kritischen Blick auf die eigene Tradition", forderte sie zum Einsatz für Gleichberechtigung auf. Welche Chancen und Wahlmöglichkeiten Frauen hätten und wie es um ihre Rechte und ihre Freiheit bestellt sei, entscheide sich an Schnittstellen wie Geschlecht, ökonomischem Status, Herkunft, oder Religionszugehörigkeit, erklärte Moser. Sie sei daher überzeugt: "Wer über Frauenrechte reden will, darf zu Armut, sozialer Benachteiligung, Rassismus und Diskriminierung von religiösen Minderheiten nicht schweigen."
Unter den zahlreichen Gästen aus Wissenschaft, Politik, Kultur, Religion und Zivilgesellschaft beim Festakt waren auch der Präsident der Islamischen Glaubensgemeinschaft in Österreich, Ümit Vural, die evangelische Oberkirchenrätin Ingrid Bachler, die lutherischen Altbischöfe Michael Bünker und Michael Chalupka, der ehemalige Nationalratspräsident Wolfgang Sobotka und die früheren Bundesminister Werner Fasslabend und Maria Rauch-Kallat. Auch die Migrationsforscherin Judith Kohlenberger, "Initiative Weltethos Österreich"-Präsident Pfarrer Helmut Schüller und die Vorsitzende der Katholischen Jugend Österreich, Elisabeth Wanek, nahmen an der Feier teil.
Quelle: Kathpress