Familienverband für Perspektivwechsel bei Familienpolitik
Die Politik sollte Familien nicht immer neue Aufgaben übertragen, sondern stärker danach fragen, "was die Gesellschaft tun kann, damit Familien gut leben können": Das fordert Peter Mender, Präsident des Katholischen Familienverbandes Österreich, in einem Gastbeitrag in der "Kleinen Zeitung" (Mittwoch). Der Unternehmensberater und Autor warnt vor einem wachsenden Erwartungsdruck auf Eltern, in dessen Zuge die Familie zunehmend Defizite der Gesellschaft ausgleichen müsse.
Mender reagiert einerseits auf die aktuelle Debatte über die Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Wirtschaftskammerpräsidentin Martha Schultz habe ein "verkrustetes Familienbild" kritisiert und Investitionen in die Vereinbarkeit gefordert, damit Mütter schneller wieder Vollzeit arbeiten könnten. Dabei werde aus Sicht Menders übersehen, dass sich viele Eltern bewusst für Teilzeit entschieden, "um mehr Zeit mit ihren Kindern verbringen zu können".
Weiters greift Mender auch eine Aussage von Bundeskanzler Christian Stocker auf, der erklärt hatte, er würde Kinderbetreuung "nicht als Arbeit sehen". Der Kanzler hatte sich infolge der anschließenden Kritik entschuldigt, bemerkenswert sei laut Mender aber auch, dass sich in der Debatte auch politische Lager empört hätten, die Forderungen nach einer stärkeren finanziellen Anerkennung von Care-Arbeit sonst als "Herdprämie" bezeichneten. Plötzlich sei auch dort der Wert unbezahlter Familienarbeit entdeckt worden, stellte der Familienverbands-Präsident fest.
Hoher gesellschaftlicher Erwartungsdruck
Grundsätzliche Kritik äußerte Mender an den Erwartungen, die heute an Eltern gerichtet würden. "Ohnehin scheint die Familie zunehmend zur Reparaturwerkstatt der Gesellschaft zu werden", so der Familienverbands-Präsident. Eltern sollten Defizite des Bildungssystems ausgleichen, Integrationsaufgaben übernehmen und zugleich ihren Kindern Alternativen zu "immer aggressiver werbenden Online-Angeboten" bieten.
Damit entstehe ein widersprüchliches Anforderungsprofil: Eltern sollen betreuen, bilden und den Medienkonsum ihrer Kinder kontrollieren, zugleich aber möglichst umfassend dem Arbeitsmarkt zur Verfügung stehen. Somit ergebe sich das Bild von Familie als "eierlegende Wollmilchsau".
Diese Entwicklung stelle auch die Frage nach den gesellschaftlichen Bedingungen für Familiengründungen. Mender verweist darauf, dass die durchschnittliche Kinderzahl in Österreich 2025 auf 1,30 Kinder je Frau gesunken sei. Fraglich sei, "wie einladend eine Gesellschaft auf junge Leute wirkt", wenn ihnen schon vor dem ersten Kind vermittelt werde, "was sie danach alles leisten sollen und worauf sie verzichten müssen". Familienpolitik sollte jedoch nicht primär danach fragen, "welchen Beitrag Familien noch für die Gesellschaft leisten könnten", sondern viel eher, welche Unterstützung Familien heute von der Gesellschaft benötigten, um gut zu leben.
Quelle: Kathpress
