Salzburg: Zentrum Theologie Interkulturell feiert 20-Jahre-Jubiläum
Mit einem zweitägigen Symposion feiert das Salzburger "Zentrum Theologie Interkulturell und Studium der Religionen" (ZTKR) am 28. und 29. September sein 20-jähriges Bestehen. Die Tagung steht unter dem Titel "Paradoxe Beziehungen? Individuelle Spiritualität und politisierte Religion" und wolle die Gleichzeitigkeit des beobachtbaren "Rückzug von Religion ins Private" und einer "engagierten Spiritualität, etwa im Kontext der Klimakrise" beleuchten, wie es in der Einladung heißt. Außerdem würden vermehrt "rechtskonservative, fundamentalistische und radikale Formen von Religion sichtbar", die wiederum Rückwirkungen auf gelebte Spiritualität hätten. Diese Phänomene gelte es, theologisch in den Blick zu nehmen.
Eröffnet wird das Jubiläum am Montag, 28. September, mit Grußworten von Zentrumsleiter Martin Rötting, dem Dekan der Katholisch-Theologischen Fakultät, Dietmar Winkler, und Uni-Rektor Bernhard Fügenschuh. Fachbereichsleiter Franz Gmainer-Pranzl zeichnet danach Geschichte und Gegenwart des Zentrums als Antwort auf die "Zeichen der Zeit" nach; zudem wird ein Publikationsprojekt "In Memoriam Ulrich Winkler" vorgestellt.
Am Nachmittag sprechen die Religionswissenschaftlerin Claudia Jahnel (Hamburg) über religiöses Trauma, Erinnerungspolitik und Restitution sowie der Jesuit Rodrigue Naortangar über Spiritualität und politisches Engagement im Sahel. Nach Panels folgt um 19 Uhr eine Podiumsdiskussion unter der Leitung des Theologen Martin Dürnberger. Diese soll außerdem im Anschluss an die Tagung im Podcast "Diesseits von Eden" veröffentlicht werden.
Am 29. September sprechen die Religionswissenschaftler Lukas Pokorny (Wien) über Millenarismus und Franz Winter (Graz) über religionsgeschichtliche "Überreichweiten" zwischen Christentum, Hindu-Religionen und Islam. Nach Panels stehen die Zukunft der Interkulturellen Theologie und das "Crossculture Religious Studies Project" auf dem Programm. Den Abschluss bildet um 15.30 Uhr das Podium "ZTKR - quo vadis?" mit Rötting, Gmainer-Pranzl und dem SP-Politiker Tarik Mete.
Religionsforschung "am Schnittpunkt von innen und außen"
Das Salzburger "Zentrum Theologie Interkulturell und Studium der Religionen" besteht seit 1. September 2006. Sein Auftrag liegt in Forschung und Lehre zum Zusammenhang von Kulturen, Religionen und Identitäten in einer globalen und zunehmend von Religionskonflikten durchzogenen Welt. Damit stehe es "am Schnittpunkt von innen und außen und im Spannungsfeld zwischen der Identität des Evangeliums und der Pluralität der Kulturen", heißt es in einem Grundlagentext des inzwischen verstorbenen Theologen und Mitbegründers Ulrich Winkler.
Verdankt sei dieser interkulturelle und dialogische Ansatz dem Zweiten Vatikanischen Konzil und der Aufforderung, die "Zeichen der Zeit" zu deuten: "Diese Zeichen der Zeit verpflichten das Zentrum zum Auftrag, die Zumutung des kulturell und religiös Fremden theologisch zu erschließen, die Differenz der Kulturen und Religionen für die Innovation des eigenen Diskurses valent zu machen und einen problemorientierten Fokus zu wählen", so Winkler.
Das Profil des Zentrums und des damit verbundenen Studiengangs verbindet Interkulturelle Theologie und Religionswissenschaft und ist interdisziplinär ausgerichtet. Zu den Themen zählen kontextuelle Theologien, interreligiöse und komparative Ansätze, postkoloniale Perspektiven und Spiritualitätsforschung. Seit 2016/17 ergänzt ein Master in Religious Studies die religionstheologische Perspektive um eine religions- und kulturwissenschaftliche Ausrichtung.
Quelle: Kathpress