Umweltschutz: Theologe mit bisheriger kirchlicher Bilanz unzufrieden
Der Linzer Moraltheologe Michael Rosenberger hat an die Verantwortlichen in der Kirche appelliert, das Thema Schöpfungsverantwortung noch viel ernster zu nehmen als bisher. Im Interview in der neuen Ausgabe des Magazins "Himmel & Erde" verwies Rosenberger auf Papst Franziskus und seine Enzyklika Laudato si, mit der ein sehr klares Signal ausgesandt wurde. "Ich würde mir wünschen, dass Bischöfe, dass Priester, Pastoralassistentinnen und -assistenten und so weiter sich noch viel stärker darauf beziehen würden", so Rosenberger wörtlich.
Grundsätzlich merke man in der Kirche zwar allmählich, "dass wir da etwas zu tun haben und dass wir in eine neue Richtung gehen müssen in unserer Verkündigung". Zugleich müssten nun aber auch Taten folgen, so der Moraltheologe: "Damit schaut es derzeit noch schlechter aus." Es gebe zwar Ordensgemeinschaften, die schon Beeindruckendes leisteten, "aber es muss noch viel mehr getan werden".
Gerade für religiöse Wesen sei der engagierte Schutz der Umwelt alternativlos. Rosenberger: "Dass es wichtig ist, die Biodiversität - also die Vielfalt an Tieren und Pflanzen - zu schützen und zu fördern, das ist etwas, was man auch ohne christlichen Glauben einsehen kann. Das, was der Glaube dazu bringt und was mit dem Begriff Schöpfungsverantwortung angesprochen ist, ist noch ein weiterer Aspekt, nämlich: Wenn wir als Christinnen und Christen sagen, wir glauben, dass die Natur Schöpfung ist, also von einem Schöpfergott erschaffen ist und uns aus Liebe gegeben und anvertraut wurde und wir als Menschen aus Liebe dieses Schöpfergottes da hineingestellt worden sind, dann heißt das natürlich auch, dass die Schöpfung ein Geschenk ist."
Mit Geschenken gehe man aber besonders sorgsam um. "Sobald uns bewusst ist, dass der Schöpfer uns in dieses große Lebensnetz hineingestellt und hineingewoben hat, müssen wir geradezu ein Mehr an Dankbarkeit empfinden und ein Mehr an Achtsamkeit walten lassen, als wenn wir diesen Glauben nicht haben", so der Theologe.
Zur Frage, welche Botschaft der Hoffnung der Glaube angesichts der großen Umweltprobleme hab, bemerkte Rosenberger, dass man Hoffnung nicht mit Optimismus verwechseln dürfe: "Optimismus ist eine Prognose, dass es morgen besser wird als heute, dass sich die Probleme lösen lassen. Hoffnung ist keine Prognose auf die Zukunft, sondern Hoffnung ist eine innere Kraft, die ich habe und die mir sagt: Das, was du tust, ist richtig, ist sinnvoll, egal, ob es Erfolg hat oder keinen Erfolg hat."
Hoffnung sei vom Erfolgsdenken unabhängig, was freilich in einer vom Leistungs- und Erfolgsdenken geprägten Welt und Gesellschaft nur schwer zu vermitteln sei. Dennoch hielt Rosenberger fest: "Wir werden uns in unserem eigensten Interesse darum bemühen müssen, nicht alles über Erfolg und Leistung zu definieren, sondern auch wieder Ruhe und Frieden zu finden. In uns."
Papst Franziskus spreche in seiner Enzyklika ausdrücklich von einem kontemplativen Lebensstil, den es brauche. Kontemplativ meine dabei "ein achtsames und bewusstes Sein im Hier und Jetzt". Mit anderen Worten, so Rosenberger: "Ein Lebensstil, in dem wir der Natur Zeit lassen, sich zu zeigen, um in diese tiefe Verbundenheit mit der Schöpfung rund um uns herum zu kommen."
Für gläubige oder Gott-suchende Menschen zugleich bedeutsam: "Kontemplation ist immer auch ein Schlüssel zur Gotteserfahrung. Also Kontemplation mitten in der Natur erfahren und im Naturerleben dann den Schöpfer selber wahrnehmen", so Rosenberger.
Das 80 Seiten starke Magazin "Himmel & Erde" der Erzdiözese Wien erscheint vierteljährlich, bietet einen niederschwelligen Zugang zu Lebens- und Glaubensfragen und will damit eine breite Leserschaft ansprechen. Ein "Himmel & Erde"-Jahresabo kostet 26 Euro. Das Magazin ist darüber hinaus im ausgewählten Handel zum Einzelpreis von 6,50 Euro erhältlich.
Infos: www.dersonntag.at/himmel-und-erde
Quelle: Kathpress
