
Außenministerium zeichnet interreligiöse Dialogprojekte aus
Das österreichische Außenministerium hat am Montag zivilgesellschaftliche Projekte aus Österreich und sechs weiteren Ländern ausgezeichnet, die den interkulturellen und interreligiösen Dialog fördern. Zu den Preisträgern des "Intercultural Achievement Award 2026" (IAA) zählen Initiativen aus Kolumbien, Indonesien, Montenegro, Jordanien, Nigeria und Albanien sowie ein österreichisches Projekt. Im Mittelpunkt stehen unter anderem Religionsfreiheit, Friedensarbeit, der Kampf gegen Desinformation und die Integration benachteiligter Kinder. Mit 575 Einreichungen aus 102 Ländern verzeichnete der seit 2014 vergebene Preis heuer einen Rekord.
Staatssekretär Sepp Schellhorn sprach angesichts der zahlreichen eingereichten Projekte von einem "großartigen Zeichen angesichts des Voranschreitens von KI und des alleinigen Fokus auf der Technik". Die Preisträger seien wichtige Förderer des Gesprächs, des Dialogs und der Verständigung in ihren jeweiligen Gesellschaften: "Sie bauen Brücken und unterstützen das zivilgesellschaftliche Engagement." Der Preis - die insgesamt rund 50.000 Euro Preisgelder kommen vom Bundeskanzleramt, dem Zukunftsfonds, der Austrian Development Agency und dem Integrationsfonds - würdige diesen Einsatz, mache ihn sichtbar und fördere den Erfahrungsaustausch sowie die Übernahme erfolgreicher Ansätze. Die Website des IAA dokumentiert Projekte aus den vergangenen Jahren und bildet damit eine internationale Sammlung bewährter Praktiken im interkulturellen und interreligiösen Dialog.
Interreligiöse Bildung gegen strukturelle Ungerechtigkeit
In der Kategorie Religionsfreiheit wurde die indonesische Organisation "Yayasan Lembaga Bantuan Hukum Kalimantan Barat" (LBH Kalbar) für ihr Projekt "Kalabahu" ausgezeichnet. Das Programm verbindet interkulturellen und interreligiösen Dialog mit juristischer Unterstützung für benachteiligte Gemeinschaften in Westkalimantan."In unserer Region gibt es große Spannungen zwischen den drei größten ethnischen Gruppen - den christlichen Dayak, den muslimischen Malaien und den konfuzianischen oder buddhistischen Chinesen. Dazu kommen weitere kleinere Gruppen und indigene Gemeinschaften", erklärte Projektleiter Ivan Wagner im Interview mit Kathpress. Spaltende Identitätspolitik werde durch Landstreitigkeiten, Machtkämpfe und gewaltsame Konflikte bis hin zu Massakern in der Vergangenheit weiter angeheizt.
"Wir sind die zweite Generation und wollen es besser machen", sagte Wagner. Im Rahmen des Kalabahu-Projekts werden junge Menschen mit unterschiedlichen ethnischen, religiösen und sozialen Hintergründen in Menschenrechten, Armutsanalyse und der Untersuchung struktureller Ungleichheit ausgebildet. Während eines fünftägigen Aufenthalts lernen sie betroffene Gemeinschaften kennen, hören deren Erfahrungen und erarbeiten gemeinsam Lösungsansätze. "Besonders wichtig ist, selbst in die Dörfer zu gehen, mit den Opfern zu sprechen und Empathie zu entwickeln", so Wagner. Die Erfahrungen würden anschließend gemeinsam reflektiert. Zudem unterstütze LBH Kalbar die rechtliche und politische Interessenvertretung der betroffenen Menschen. In zwei Durchgängen seien bisher 33 junge Menschen ausgebildet worden, von denen sich einige inzwischen selbst in ihren Gemeinden engagierten.
Frieden, Ernährung und Jugendbeteiligung
Die kolumbianische Fundación Alpina erhielt den Preis in der Kategorie Nachhaltigkeit für das Projekt "Cooking Country". "Wir bringen indigene Gemeinschaften und Frauen aus ländlichen Regionen zusammen, um durch gemeinsames Kochen, den Austausch von Rezepten und Saatgut sowie Erzählrunden kulturelle Verständigung und Ernährungssicherheit zu stärken", erklärte Camila Aguilar, die den Preis entgegennahm, gegenüber Kathpress. Das Projekt wolle auch der weit verbreiteten Ernährungsarmut in Kolumbien entgegenwirken. Rund 15 Millionen Menschen seien davon betroffen. Zugleich sollten bewährte Lösungsansätze dokumentiert und weitergegeben werden. Beteiligt sind unter anderem die Wayuu in La Guajira, indigene Gruppen in Vichada sowie von Frauen geführte ländliche Gemeinschaften in Cauca.
In Albanien stärkt das Institute of Romani Culture in Albania (IRCA) mit "Voices of Change" die digitale Sichtbarkeit von Roma und bekämpft diskriminierende Darstellungen in den Medien. "Roma werden häufig als die anderen dargestellt oder mit Kriminalität in Verbindung gebracht. Es ist dringend notwendig, solche Erzählungen zu verändern und positive Vorbilder von Roma sichtbar zu machen - auch in der Berichterstattung", erklärte IRCA-Projektmanagerin Tana Aliaj gegenüber Kathpress. Unter anderem wurde eine Meldestelle für diskriminierende Inhalte eingerichtet und ein Podcast gestartet.
In Montenegro wurde die Civic Alliance (Gradanska alijansa) für "Youth Promise for Peace" ausgezeichnet. Die seit 2011 etablierte Menschenrechts-NGO schafft Begegnungsräume für Jugendliche unterschiedlicher ethnischer, religiöser und regionaler Herkunft. "Wir wollen junge Menschen befähigen, selbst Lösungen für die anstehenden Probleme zu finden. Außerdem wollen wir sie direkt mit Politikern zusammenbringen, damit sie in die politischen Prozesse des Landes eingebunden werden", erklärte Projektreferentin Kristina Gojcay im Gespräch mit Kathpress. Kulturelle Austauschprogramme, politische Bildungsangebote und ein Jugendfriedensforum sollen Vorurteile abbauen und die Beteiligung junger Menschen an Friedensprozessen fördern.
Medien, Kunst und Integration
Das 2022 gestartete jordanische Sozialunternehmen MADRAJ wurde in der Kategorie Technologie für "Against Disinformation for Coexistence" prämiert. "Wir unterstützen junge Medienschaffende, Frauen und Gründer mit unterschiedlichem religiösem und sozialem Hintergrund beim Aufbau nachhaltiger digitaler Medienangebote. Es geht auch darum, unabhängigen Journalismus zu fördern und den Beteiligten zu ermöglichen, davon zu leben, statt sich bloß als Content Creator zu betätigen", erklärte Sprecherin Rawan Jayousi. Nach ihren Angaben hat MADRAJ bereits 60 Medien-Start-ups begleitet - von App-Entwicklern bis zu Podcast-Betreibern - und mit seinen Angeboten mehr als 1.000 Journalisten erreicht. Im Mittelpunkt stehen Desinformation und deren Auswirkungen auf das friedliche Zusammenleben.
Aus Nigeria war Ezenwa Okoro angereist, um den Preis für die Street Project Foundation entgegenzunehmen. Die Initiative "ARTvocacy" setzt Kunst gegen Fremdenfeindlichkeit, ethnische Konflikte und gewaltbereiten Extremismus ein. Junge Künstler unterschiedlicher Glaubensrichtungen entwickeln dafür unter anderem Theaterstücke, Musik, Filme und Podcasts. "Rund 70 Prozent der etwa 200 Millionen Einwohner Nigerias sind jünger als 30 Jahre. Trotzdem haben junge Menschen kaum eine Stimme in der Politik. Zugleich scheint es dort wenig Interesse zu geben, Lösungen für die Konflikte zwischen den verschiedenen ethnischen Gruppen zu finden", erklärte Okoro. Das Kunstprojekt habe bereits rund 300.000 Jugendliche erreicht. Zudem strebe die Street Project Foundation eine Zusammenarbeit mit Initiativen aus Österreich an.
Der österreichische Preis in der Kategorie "Integration in Österreich" ging schließlich an "younus Mentoring". Das Wiener Schulmentoring-Programm vermittelt benachteiligten Kindern zwischen acht und zehn Jahren ehrenamtliche Bezugspersonen, die sie während des Schuljahres regelmäßig begleiten. Die persönlichen Begegnungen sollen Selbstvertrauen, emotionale Stabilität und gesellschaftliche Teilhabe stärken.
(Website des Intercultural Achievement Awards mit Best Practice-Projektsammlung: https://www.bmeia.gv.at/en/european-foreign-policy/international-cultural-policy/intercultural-achievement-award)
Quelle: kathpress