
Ordensfrau fordert Gesetz gegen sexuelle Ausbeutung
Die Linzer Ordensfrau Sr. Maria Schlackl hat einmal mehr gesetzliche Schritte für die Bekämpfung sexueller Ausbeutung gefordert. Seit Jahren setzt sich die Salvatorianerin dafür ein, das Thema zu enttabuisieren und sichtbar zu machen. Das meiste spiele sich im Dunkelfeld ab und es sei höchste Zeit, einzugreifen. Es brauche Stimmen, die dieses ausbeuterische System zur Sprache bringen, betonte die Ordensfrau im Interview mit der Kronenzeitung am Mittwoch. "In anderen EU-Ländern passiert das schon auf Gesetzesebene!" Schlackl wünscht sich für Österreich rechtlich das nordische Modell, das auf Entkriminalisierung der Opfer, staatliche Ausstiegshilfen, Aufklärungsarbeit und Bewusstseinsbildung sowie ein Sexkaufverbot beruht.
2014 hat Schlackl die Initiative "Aktiv gegen Menschenhandel - aktiv für Menschenwürde in Oberösterreich" gegründet, die auch vom Verein SOLWODI (Solidarity with women in distress) getragen wird. Die Initiative macht immer wieder durch Vorträge, Diskussionsrunden und persönliche Gespräche den Zusammenhang von Sexkauf und Menschenhandel deutlich und weist darauf hin, dass Menschenhandel nicht nur in fernen Ländern, sondern hier in Österreich geschieht. Auch hier gebe es einen Markt für die "Ware Mensch", so Schlackl - "gesteuert und betrieben von globalen und lokalen kriminellen Netzwerken".
Österreich Transit- und Zielland für Menschenhandel
Österreich ist durch seine Lage im Zentrum Europas vom Menschenhandel als Transit- und Zielland betroffen. In Österreich ist der Menschenhandel in Form von sexueller Ausbeutung, Ausbeutung der Arbeitskraft, Bettelei und Kinderhandel verbreitet, bestätigt auch ein Lagebericht des Bundeskriminalamts (2024). Zunehmend nutzen Kriminelle Online-Rekrutierungsmethoden, insbesondere bei den Formen der sexuellen Ausbeutung und Ausbeutung der Arbeitskraft.
"Am Anfang steht die Täuschung", erklärte Schlackl. Die Methoden seien verschieden und reichten von vorgespielter Liebe bis zum vermeintlich guten Jobangebot. Dahinter stehe aber stets dasselbe Muster: "Arme Menschen haben wenig Wahlmöglichkeiten, so sind sie ausbeutbar." Schlackls Hilfsinitiative berät betroffene Frauen und stellt im Bedarfsfall eine Schutzwohnung zur Verfügung. Viele Frauen könnten nur schwer über das grausam Erlebte sprechen. "Eine Frau sagte einmal, ich sei die Erste, die sie menschlich behandelt. Da musste ich schlucken." Sie müsse den Frauen immer wieder sagen, wie wertvoll sie seien. Denn das hätten sie längst vergessen.
Infoabend zu "verletzter Menschenwürde"
Am Europäischen Tag gegen Menschenhandel am 18. Oktober laden die SOLWODI-Initiative Linz und die Katholische Aktion OÖ in Kooperation mit dem ORF Oberösterreich zu einem Informations- und Diskussionsabend unter dem Titel "Tiefe Einblicke in verletzte Menschenwürde" in die Räumlichkeiten des ORF ein. Es diskutieren u. a. der Theologe und Sozialethiker Clemens Sedmak und die deutsche Psychotherapeutin und Traumaexpertin Ingeborg Kraus, die seit Jahren mit Tätern und Opfern arbeitet.
"Wir wollen aufmerksam machen und Bewusstsein schaffen. Wir geben tiefe Einblicke in verletzte Menschenwürde und wollen aufzeigen, was oftmals im Untergrund passiert und keiner sieht. Wir möchten auch dieses Jahr wieder einen Impuls setzen zum Nachdenken, Umdenken und Verändern", so Schlackl in einer der Kathpress übermittelten Stellungnahme. (Info: https://salvatorianerinnen.at/veranstaltungen/tiefe-einblicke-verletzte-menschenwuerde/)
Quelle: kathpress