
Missio-Projekte in Äthiopien geben Frauen und Jugendlichen Zukunft
Äthiopien steht im Mittelpunkt des diesjährigen Weltmissionssonntags am 18. Oktober. Anhand von zwei Reportagen im von den Päpstlichen Missionswerken herausgegebenen Magazin "Alle Welt" (aktuelle Ausgabe) wird deutlich, wie kirchliche Partner in dem ostafrikanischen Land Menschen unterstützen, die unter den Folgen von Krieg, Armut und Ausbeutung leiden. Protagonisten sind der aus Vietnam stammende Salesianerpater Luan, der sich für Kriegsopfer engagiert, und die Äthiopierin Akeza, die nach acht Jahren schwerer Ausbeutung in Saudi-Arabien in ihre Heimat zurückgekehrt ist und dort Unterstützung findet.
Pater Luan leitet in der Stadt Adwa ein Ausbildungs- und Sozialzentrum der Salesianer Don Boscos. Jugendliche erhalten dort unter anderem in den Bereichen Schneiderei, Elektrotechnik und Schweißen berufliche Qualifikationen. Ein geplantes Ausbildungszentrum für Solarenergie soll das Angebot erweitern. Auf dem Gelände arbeiten laut der Reportage von "Alle Welt"-Chefredakteur Christoph Lehermayr 78 Mitarbeiter.
Ein zentraler Bestandteil der Arbeit ist eine Bäckerei, in der täglich rund 5.000 Brote hergestellt werden. 35 Frauen, die während des Tigray-Krieges sexualisierte Gewalt erlebt haben und teilweise von ihren Familien verstoßen wurden, erhalten dort Beschäftigung und Einkommen. Ein Teil der Brote wird an Vertriebene ausgegeben. Psychologinnen unterstützen Betroffene bei der Verarbeitung ihrer traumatischen Erlebnisse. Auch die Betreuung ihrer Kinder gehört zum Angebot.
"Ich musste etwas für sie tun", erklärt Luan in der Reportage. Er habe versucht, "all das Schlimme in deren Leben in etwas Gutes zu verwandeln". Neben der Bäckerei entstehen weitere Projekte, darunter ein Restaurant, das fünf Frauen eine berufliche Perspektive bieten soll. Mit Ausbildung und Arbeitsmöglichkeiten will der Priester verhindern, dass junge Menschen aus Mangel an Perspektiven ihre Heimat verlassen müssen. "Man soll den Menschen ja nicht den Fisch liefern, sondern ihnen das Fischen beibringen", so der aus dem Vietnam stammende Priester.
Pater Luan blieb auch während des Tigray-Krieges, der 2020 begann und im November 2022 durch ein Friedensabkommen offiziell beendet wurde, bei den Menschen in Adwa. Die Region leidet weiterhin unter den Folgen von Gewalt, Vertreibung und wirtschaftlicher Zerstörung. Für den Ordensmann ist sein Glaube die Grundlage seines Engagements: "Der Herr hätte nicht gewollt, dass wir verzagen, uns fürchten und verkriechen. Er ist es, der mir die Kraft gibt, weiterzumachen."
Nach acht Jahren Ausbeutung zurück in der Heimat
Die zweite Reportage erzählt die Geschichte der heute 34-jährigen Akeza aus Tigray. In der Hoffnung auf ein besseres Leben machte sie sich auf den gefährlichen Weg nach Saudi-Arabien. Ihre Flucht führte über die Wüste, das Rote Meer und den Jemen. Nach ihrer Ankunft wurde sie als Hausangestellte ausgebeutet, durfte das Haus kaum verlassen und war sexuellen Übergriffen ausgesetzt. Ihr Schlepper gab ihr einen anderen Namen: Aus Akeza wurde Semira. Nach acht Jahren wurde sie 2022 nach Äthiopien abgeschoben. Auch dort wurde sie zunächst monatelang inhaftiert. In ihrer Heimatregion musste sie schließlich feststellen, dass das mit ihren Ersparnissen finanzierte Haus verkauft worden war.
In Addis Abeba begann Akeza erneut, sich eine Existenz aufzubauen. Sie arbeitet als Friseurin und kümmert sich um ihren kleinen Sohn. Ihren Glauben hat sie trotz der erlittenen Gewalt nicht verloren. "Jesus hat mich nie im Stich gelassen", sagt sie in der ebenfalls von Lehermayr verfassten Reportage. "Er war mein Beistand. Mein Beschützer." Akezas Geschichte steht zugleich für die Gefahren irregulärer Migration vom Horn von Afrika auf die Arabische Halbinsel. Viele Menschen nehmen lebensgefährliche Fluchtrouten in Kauf, weil sie in ihrer Heimat keine ausreichenden Einkommensmöglichkeiten sehen.
Äthiopien und insbesondere die Krisenregion Tigray ist das Beispielland von Missio Österreich beim diesjährigen Weltmissionssonntag am 18. Oktober. Die Unterstützung kirchlicher Partner soll Menschen in Not helfen, Einkommen schaffen und Alternativen zu gefährlichen Migrationswegen eröffnen.
(Die "Alle Welt"-Reportagen sind auch online unter https://allewelt.at/der-taifun-aus-tigray/ bzw. https://allewelt.at/ich-war-eine-sklavin-der-saudis abrufbar)