
Bischof Krautwaschl: Klöster sind eine "Schule des Daseins"
Auf die Bedeutung der Benediktinerklöster für das Miteinander in der Gesellschaft - insbesondere für die persönliche Gottsuche und für den Umgang mit Konflikten - hat der Grazer Bischof Wilhelm Krautwaschl verwiesen. Beim Festgottesdienst zum Kirchweihsonntag am Sonntag im Stift St. Lambrecht anlässlich des 950-jährigen Bestehens des Klosters bezeichnete er das monastische Leben als "eine wirkliche 'Schule des Daseins'".
Angesichts zunehmender Vereinzelung brauche es gemeinschaftliche Lebensformen, betonte Krautwaschl. Moderne Medien vermittelten vielen Menschen den Eindruck, miteinander unterwegs zu sein, ohne dass daraus tatsächlich Begegnung entstehe. "Eine Konsequenz aus dem Fehlen wirklicher Kommunikation und echten Miteinanders ist daher, dass sich Menschen immer mehr zurückziehen." Dadurch nähmen auch gesellschaftliche Polarisierungen zu, weil das notwendige Zu- und Füreinander weniger gelebt werde.
Mehr als bloßes Kulturgut
Das Klosterleben zeige dagegen, wie Gemeinschaft über lange Zeit gestaltet werden könne. Krautwaschl dankte den Benediktinern für ihren Beitrag zur Region und ihre jahrhundertelange religiöse Präsenz. Menschen, die aus benediktinischem Geist lebten, betrachteten sich zeitlebens als "Gottsucher". Die Klostermauern seien deshalb mehr als bloßes Kulturgut: "Auch deshalb kann den Mönchen nicht oft genug gedankt werden."
Mit Blick auf das benediktinische Leitmotiv "ora, labora et lege" - bete, arbeite und lies - verwies der Bischof auf die Zusammenhänge zwischen Glauben, Arbeit und Verantwortung. "Keiner von uns lebt aus sich selbst. Wir alle wissen unser Leben verdankt", sagte er. Durch Arbeit beteiligten sich Menschen an der Gestaltung der Welt, durch Gebet vertrauten sie ihr Leben Gott an und durch Lesen, Studieren und Nachdenken setzten sie sich mit den Geheimnissen der Welt auseinander. Dabei gelte: "Jeder und jede von uns ist wichtig, aber letztlich sind wir beim ewigen Gott geborgen."
Krautwaschl sprach sich zudem für einen Lebensstil aus, der auf Vergebung und Versöhnung setzt. Er zitierte dazu Papst Leo XIV., der den Weg über "Vergebung, Barmherzigkeit und Großmut" als Alternative zu Gewalt, Manipulation und Überheblichkeit beschrieben habe. Diese Haltung sei für das gesellschaftliche Zusammenleben äußerst bedeutsam: "Es ist nicht wahr, dass derjenige, der Rache übt, stärker ist als derjenige, der vergibt. Es ist nicht wahr, dass derjenige, der nicht nachgibt, stärker ist als derjenige, der Versöhnung sucht."
"Geist voll leben"
Das steirische Benediktinerstift St. Lambrecht begeht 2026 sein 950-jähriges Bestehen. Als Gründungsjahr gilt 1076, als Markward von Eppenstein mit dem Aufbau des Klosters begann. Das Jubiläumsjahr steht unter dem Leitwort "Geist voll leben - seit 950 Jahren". Neben dem Jubiläum erinnert das Stift heuer auch an die Rückkehr des Konvents vor 80 Jahren: Die Nationalsozialisten hatten das Kloster 1938 beschlagnahmt; 1946 kehrten die Mönche nach St. Lambrecht zurück.
Mit seinem Predigt-Verweis auf die "Schule des Daseins" knüpfte Krautwaschl auch an ein gleichnamiges Angebot des Stiftes an. Das 2006 gegründete Seminar- und Begegnungszentrum umfasst eine geistliche Schule, eine Kreativitätsschule und eine Managementschule und bietet Kurse zu Spiritualität, persönlicher Entwicklung, Kunst und Führung an. Im Jubiläumsjahr 2026 lädt die "Schule des Daseins" zudem dazu ein, das benediktinische Leben durch Gebet, Stille und Begegnungen mit den Mönchen kennenzulernen. (Infos: www.stift-stlambrecht.at bzw. https://www.stift-stlambrecht.at/schule-des-daseins)
Quelle: kathpress