
Bischof Marketz: Mission beginnt im eigenen Leben
Christliche Mission beginnt im Alltag und wird durch das eigene Handeln glaubwürdig: Das hat der Kärntner Bischof Josef Marketz in seiner Predigt zum Weltmissionssonntag im Klagenfurter Dom betont. Christen seien aufgerufen, ihren Glauben nicht nur mit Worten zu verkünden, sondern durch ihren Umgang mit anderen Menschen Zeugnis von Gottes Liebe zu geben. Zugleich warnte Marketz davor, Gottes Wirken auf die eigene Kirche oder Religion zu begrenzen.
Ausgehend vom Jesus-Satz "Gebt dem Kaiser, was des Kaisers ist, und Gott, was Gott gehört", stellte Marketz die Frage: "Wem gehört unser Leben?" Der Glaube sei keine Flucht aus der Welt, sondern ein Auftrag, diese im Geist Christi mitzugestalten. Christen sollten Verantwortung für die Gesellschaft übernehmen. Zugleich gelte: "Keine politische Macht, keine Ideologie, kein wirtschaftliches Interesse darf den Anspruch erheben, über alles zu bestimmen."
Mission bedeute nicht in erster Linie, anderen Menschen etwas über Gott zu erzählen, sondern die eigene Glaubenserfahrung mit ihnen zu teilen. "Manchmal ist es besser, man sagt gar nichts, verkündet aber trotzdem", sagte der Bischof. Entscheidend sei, dass die Botschaft im Leben sichtbar werde. "Worte allein reichen nicht. Wir können von Gottes Liebe sprechen, aber wenn wir lieblos miteinander umgehen, werden unsere Worte unglaubwürdig."
Mission beginne deshalb im unmittelbaren Lebensumfeld, in Familien, Pfarren, am Arbeitsplatz und in der Nachbarschaft. Sie zeige sich beispielsweise darin, anderen zuzuhören, Einsamen Zeit zu schenken, Ausgrenzung entgegenzutreten und sich für andere einzusetzen, so Bischof Marketz, der den Festgottesdienst gemeinsam mit Dompfarrer Peter Allmaier und Pfarrer Sylvere Buzingo zelebrierte. Musikalisch wurde die Messe mit der "Misa Criolla" des argentinischen Komponisten Ariel Ramírez umrahmt, dargeboten vom Vokal- und Instrumentalensemble der Dommusik unter Thomas Wasserfaller.
Gott nicht vorschreiben, wo er wirken darf
Marketz rief auch dazu auf, Gottes Gegenwart nicht auf Kirchen, Traditionen und vertraute religiöse Ausdrucksformen zu beschränken. Gott könne auch dort wirken, wo Menschen sich für Gerechtigkeit einsetzen, Frieden stiften, Leid lindern und die Würde anderer verteidigen. Das bedeute nicht, dass Unterschiede zwischen Religionen bedeutungslos seien. Christen sollten sich jedoch davor hüten, Gott vorzuschreiben, wo er wirken dürfe.
Mission sei zudem keine Einbahnstraße. Christen könnten anderen von ihrem Glauben erzählen und zugleich von ihnen lernen. Marketz verwies in diesem Zusammenhang auf Priester aus Afrika und Asien, die in Österreich tätig sind und sich selbst als Missionare verstehen. Auch sei die Kirche nicht für sich selbst da, sondern gesandt, Menschen zu vermitteln, dass sie von Gott geliebt seien und Würde besäßen. Entscheidend sei, ob Christen Hoffnung verbreiteten, Brücken bauten, teilten, vergäben und für andere einträten. So werde im Alltag etwas von einem Gott sichtbar, dessen Liebe allen Menschen gelte.
Der jährlich am vorletzten Sonntag im Oktober gefeierte Weltmissionssonntag wurde 1926 von Papst Pius XI. eingeführt und beging somit heuer sein 100-jähriges Jubiläum. Er stellt die weltweite missionarische Tätigkeit der katholischen Kirche sowie die Unterstützung der Ortskirchen in ärmeren Regionen in den Mittelpunkt.
Quelle: kathpress