
"Trompete von Jericho" ehrt Einsatz für Frauen in Kirchenämtern
Für ihren Einsatz für die Gleichberechtigung von Frauen in der katholischen Kirche sind die deutsche Benediktinerin Philippa Rath und elf Theologiestudentinnen der Universität Freiburg im Breisgau mit der "Trompete von Jericho" ausgezeichnet worden. Die österreichischen Kirchenreformbewegungen verliehen den Preis am Freitag zum sechsten Mal. Die Auszeichnung würdigt Menschen, die sich gegen aus ihrer Sicht überholte kirchliche Regeln einsetzen.
Rath, Ordensfrau der Abtei St. Hildegard in Rüdesheim-Eibingen, engagiert sich seit Jahren für die Öffnung kirchlicher Weiheämter für Frauen. Mit ihren Büchern über Frauen, die sich zur Diakonin oder Priesterin berufen fühlen, hat sie die Debatte über Gleichberechtigung in der Kirche mitgeprägt. In Deutschland setzt sie sich unter anderem im Synodalen Weg und im Zentralkomitee der deutschen Katholiken für Reformen ein. Die Laudatio hielt der Jesuit Andreas Batlogg, der Rath dafür würdigte, dass sie ihre Stimme auch dann erhebe, wenn ihre Positionen auf Widerstand stießen.
Die zweite Auszeichnung ging an elf Theologiestudentinnen, von denen drei den Preis stellvertretend entgegennahmen. Sie hatten sich im Frühjahr 2025 offiziell um Aufnahme in das Priesterseminar der Universität Freiburg beworben, um ihre Berufung zum Priestertum öffentlich zu machen. Ihre Bewerbung wurde abgelehnt, löste aber eine breite öffentliche Debatte aus. Die Schweizer Seelsorgerin Monika Schmid würdigte in ihrer Laudatio den Mut der Studentinnen, sich für ihre Überzeugung einzusetzen.
Kirchenreformkonferenz zur Ämterfrage
Die Preisverleihung war Teil eines deutschsprachigen Treffens der Kirchenreform-Bewegungen, das am 16. und 17. Oktober in Enns (Bezirk Linz-Land) stattfand. Knapp 100 Beteiligte aus Österreich, Deutschland und der Schweiz diskutierten über die Zukunft kirchlicher Ämter. Im Mittelpunkt der "Kirchenvolkskonferenz" stand die Frage, wie das Priesteramt neu gedacht und gestaltet werden könnte. Die Teilnehmer sprachen sich für eine stärkere Beteiligung von Frauen und eine Weiterentwicklung kirchlicher Ämter aus.
Der Dortmunder Dogmatiker Thomas Ruster plädierte dafür, die bisherige Verbindung verschiedener kirchlicher Aufgaben in einer Person zu überdenken. Unter Bezug auf das Zweite Vatikanische Konzil und dessen Verständnis von Kirche als Gemeinschaft sprach er sich dafür aus, unterschiedliche Ämter stärker voneinander zu trennen. Gemeinden sollten demnach geeignete Personen für drei Aufgabenbereiche vorschlagen, die vom Bischof zeitlich begrenzt mit diesen Ämtern betraut würden.
In Arbeitsgruppen und Plenumsdiskussionen erörterten die Teilnehmer die theologischen und praktischen Konsequenzen des Vorschlags. Erfahrungsberichte aus Pfarren zeigten zudem, wie Seelsorge und Gemeindeleben auch ohne einen Pfarrer im klassischen Sinn organisiert werden können.
Das Treffen wurde von den österreichischen Reformgruppen Wir sind Kirche, Pfarrer-Initiative, Laieninitiative und Priester ohne Amt getragen. Eine Fotoausstellung der Frauenkommission der Diözese Linz unter dem Titel "Die Kirche ist weiblich" begleitete die Veranstaltung. Präsentiert wurde bei dem Treffen auch die neugestaltete Website kirchenreform.at, auf der den Ankündigungen zufolge täglich ein neuer Beitrag zu Kirche und Kirchenreform erscheinen soll. (Infos: www.wir-sind-kirche.at, www.kirchenreform.at)
Quelle: kathpress