
Impuls für Körper und Geist: Kirchensportler empfehlen das Jesus-Gebet
Für alle Sportler, die beim Laufen, Krafttraining oder anderen körperlichen Betätigungen genug haben von vermeintlich motivierender Musik oder Podcasts, haben die heimischen Kirchensportler nun eine Alternative: das bis in die Anfänge des Christentums zurückreichende Jesus-Gebet. Dieses basiert auf dem Prinzip der ständigen Wiederholung kurzer, gläubiger Anrufungen. Der Name Jesu wird dabei mit kurzen Attributen oder Bitten verbunden, die entweder ganz leise gemurmelt oder völlig lautlos im Geist gesprochen werden. Diese jahrhundertealte meditative Praxis lasse sich gut in den modernen, aktiven Lebensstil integrieren, so die Diözesansportgemeinschaft Österreichs (DSGÖ), die in einer Aussendung von einem Impuls für Körper und Geist spricht.
Der Kremser Sportpfarrer Franz Richter und der DSGÖ-Vorsitzende Sepp Eppensteiner sehen in dieser Praxis eine wunderbare Brücke für Menschen von heute: Sie ermöglicht es, die körperliche Anstrengung und das Naturerlebnis mit einer geistlichen Besinnung zu verknüpfen - das Gebet eignet sich aber auch für einfache Spaziergänge.
Das Jesus-Gebet (oft auch als "Herzensgebet" bezeichnet) hat seine stärkste Tradition in den orthodoxen Ostkirchen, seine Wurzeln reichen jedoch weiter zurück. Der historische und theologische Kern dieser Gebetspraxis geht auf eine bekannte Heilungsgeschichte des Neuen Testaments zurück. Im Markusevangelium ruft der blinde Bartimäus am Straßenrand verzweifelt aus: "Jesus, Sohn Davids, erbarme dich meiner!" - Dieser klassische Satz bildet das Fundament. Der biblische Hilferuf kann beim Gehen oder Laufen aber ganz an die eigenen Lebensumstände und die persönliche Verfassung angepasst werden. Die Worte orientieren sich am Atem- oder Schrittrhythmus.
Einige Vorschläge der DSGÖ: Für Vertrauen und Gegenwart: "Jesus, Du bist da." Die klassische Bitte: "Jesus, erbarme Dich meiner." Für Geborgenheit: "Jesus, Du liebst mich." Für Orientierung: "Jesus, Du berufst mich." Für die Welt und das Umfeld: "Jesus, schenke Frieden." Für schwere Phasen: "Jesus, gib mir Kraft."
Das Gebet passt sich laut Aussendung wie von selbst an die Schritte oder das Ein- und Ausatmen an. Nach einer gewissen Zeit der Wiederholung verlagere sich das Gebet vom Kopf in das "Herz" - es werde zu einem "automatischen, beruhigenden Begleiter". Der Geist komme zur Ruhe, das Gedankenkarussell des Alltags stoppe und die Wahrnehmung der Natur werde intensiver.
Richter und Eppensteiner zeigen sich in der Aussendung von der Wirkung des Gebets überzeugt und laden dazu ein, es einfach selbst auszuprobieren: "Es ist eine zutiefst meditative Praxis. Sie eignet sich für die Bewegung im Freien und in der Natur wirklich hervorragend, um die eigene Mitte wiederzufinden und Gott im Hier und Jetzt zu begegnen."
Quelle: kathpress