
Kirche trauert um Pionierin der systemischen Familientherapie
Die Erzdiözese Wien trauert um Margarete Scholze, eine Vorreiterin der systemischen Familientherapie in Österreich. Scholze starb am 1. Oktober im 85. Lebensjahr. Gemeinsam mit Harry Merl und weiteren Fachleuten entwickelte sie Anfang der 1980er Jahre das Konzept für die Lehranstalt für systemische Familientherapie (la:sf), die sie von 1983 bis 1999 als Direktorin leitete. Weihbischof Franz Scharl würdigte als Zuständiger für die Kategoriale Seelsorge die Verstorbene am Mittwoch gegenüber Kathpress als "Pionierin", die bleibende Spuren hinterlassen habe.
Ausgangspunkt für die Gründung war die Erfahrung in kirchlichen Ehe- und Familienberatungsstellen, dass komplexe Probleme häufig nicht allein im Gespräch mit einer einzelnen Person bearbeitet werden können. Scholze suchte deshalb nach Ansätzen, um mehrere Beteiligte und ihre Beziehungen in die Beratung einzubeziehen. Daraus entwickelten sie und ihr Team ein Ausbildungskonzept für die Vermittlung der systemischen Familientherapie.
Die Lehranstalt zählt heute zu den wichtigen Ausbildungsstätten für systemische Therapie in Österreich. Nach Angaben der derzeitigen Institutsdirektorin Ruth Krumböck wurden dort bisher rund 750 Menschen ausgebildet. Derzeit umfasst ein Lehrgang etwa 22 bis 24 Teilnehmende, insgesamt befinden sich rund 120 Personen in Ausbildung. Die systemische Familientherapie hat sich seit ihren Anfängen zu einer vom Bundesministerium für Gesundheit anerkannten Behandlungsmethode entwickelt. Neben Familien werden heute vielfach auch Einzelpersonen und Gruppen therapeutisch begleitet.
Kirchliche Trägerschaft endet voraussichtlich 2030
Die Lehranstalt gehört bislang zur kategorialen Seelsorge der Erzdiözese Wien und ist dort in den Bereich Familienpastoral eingebunden. Wegen veränderter gesetzlicher und struktureller Rahmenbedingungen soll die Ausbildung künftig von einem eigenständigen Verein weitergeführt werden. Der letzte Ausbildungslehrgang unter kirchlichem Dach hat bereits begonnen und läuft bis Juni 2030.
Bischof Scharl sieht in der Entwicklung auch Risiken für den Zugang zu psychotherapeutischer Hilfe. Er befürchte, dass Menschen mit geringem Einkommen künftig schwerer geeignete Angebote finden könnten, sagte er. Die Lehranstalt ermöglichte bisher auch Therapien für Menschen, die sich diese nicht leisten können. In der eigenen Ambulanz können Studierende Therapien beobachten und unter Supervision erste praktische Erfahrungen sammeln, während Betroffene Unterstützung erhalten. Dieses Modell soll nach Angaben Krumböcks auch künftig erhalten bleiben.
Margarete Scholze sei der Einrichtung bis zuletzt herzlich verbunden geblieben, berichtete Krumböck. Sie habe sich durch besondere Offenheit und eine konsequente Wertschätzung der Menschen ausgezeichnet. Ihr Anliegen sei gewesen, Menschen in ihren Beziehungen zu sehen und Lösungen in dysfunktionalen Dynamiken zwischen Menschen zu suchen. Von ihrem Weitblick profitiere die Lehranstalt bis heute. (Info: www.lasf.at)
Quelle: kathpress