Kirche an OÖ-Politik: Fokus auf Gemeinwohl und respektvollem Wahlkampf
Im Herbst 2027 stehen in Oberösterreich Landtags-, Gemeinderats- und Bürgermeisterwahlen an. Da die Katholische Kirche im Land bereits jetzt einen beginnenden Wahlkampf ortet, hat der Pastoralrat der Diözese Linz eine Erklärung verabschiedet, in der u. a. der Einsatz aller politischen Parteien für das Gemeinwohl und ein respektvoller Umgang miteinander auch in Zeiten des Wahlkampfs eingemahnt wird. Die Stellungnahme wurde von Bischof Manfred Scheuer, der geschäftsführenden Pastoralratsvorsitzenden Brigitte Gruber-Eichberger und der Präsidentin der Katholischen Aktion OÖ, Gabriele Hofer-Stelzhammer, dieser Tage an die im Landtag vertretenen Parteien gesandt. Die Linzer Kirchenzeitung dokumentiert in ihrer aktuellen Ausgabe den Wortlaut.
Aus kirchlicher Sicht sei es die Aufgabe der politischen Verantwortungsträgerinnen und -träger, durch ihre Arbeit zum Wohl aller in der Gesellschaft beizutragen, heißt es in der Erklärung und weiter wörtlich: "Zu den relevanten politischen Zielen zählen wir unter anderem ein friedvolles und sicheres Zusammenleben, ein Leben ohne Armut und Gewalt sowie eine zeitgemäße Gesundheitsversorgung bis ins Alter." Aufgabe der gegenwärtigen Generation sei es, "die Schöpfung für uns und kommende Generationen zu bewahren". Auch in Zeiten gesellschaftlicher Verunsicherung und weltweiter Krisen sollten zudem nicht falsche Behauptungen, sondern überprüfbare Fakten Grundlage vernünftiger Entscheidungen gerade auch in Politik, Medien und Bildung sein.
Der Pastoralrat hält weiters fest: "Das christliche Menschenbild hält an der Würde jedes Menschen und an seinem Recht auf Leben unverhandelbar fest. Besonders in den Debatten um Migration und Integration erwarten wir uns daher eine menschengerechte, sachliche und differenzierte Auseinandersetzung."
In der Bergpredigt fordere Jesus auf: "Alles, was ihr wollt, dass euch die Menschen tun, das tut auch ihnen!" - Diese Worte Jesu seien "die Richtschnur für unser Zusammenleben und daher auch für die politische Diskussion und den Wahlkampf". Diese sogenannte "Goldene Regel" erfordere einen respektvollen Umgang miteinander und schließe Auseinandersetzungen aus, die auf dem Rücken und zu Lasten anderer ausgetragen werden - insbesondere jener, deren Stimmen kaum gehört werden, so der Pastoralrat. Im eigenen Bemühen um eine synodale Kirche habe man die Erfahrung gemacht, "dass respektvolles Zuhören nicht immer einfach ist, jedoch das Finden tragfähiger Lösungen voranbringt".
Die Katholische Kirche mache zwar keine Parteipolitik, gleichwohl trage sie Mitverantwortung für das gesellschaftliche Zusammenleben in Oberösterreich. Daher halten es die Mitglieder des Pastoralrats der Diözese Linz für wichtig, "dass sich Christinnen und Christen ihrer Verantwortung für das Gemeinwohl bewusst sind und sich aktiv am politischen Diskurs beteiligen". Ebenso begrüße man es, wenn sie sich für politische Funktionen als Vertreterinnen und Vertreter verschiedener Parteien zur Verfügung stellen. Jenen, die bereits in der Vergangenheit Verantwortung übernommen haben, danke man für ihren Einsatz und ihr Engagement.
Abschließend ruft der Pastoralrat alle Christinnen und Christen zur Teilnahme an der politischen Diskussion sowie zur Beteiligung an den kommenden Gemeinderats-, Bürgermeister- und Landtagswahlen auf.
Quelle: kathpress
