
Grünwidl: Echter Glaube führt zu Frieden, Versöhnung und Respekt
Anlässlich des anstehenden internationalen Friedenstreffens in Assisi (25. bis 27. Oktober) hat sich der Wiener Erzbischof Josef Grünwidl mit einer Friedensbotschaft eingestellt. Papst Johannes Paul II. habe mit dem ersten Friedenstreffen vor 40 Jahren ein "Zeichen von weltweiter Bedeutung" gesetzt. Die seither abgehaltenen internationalen Treffen hätten gezeigt, "dass religiöse Überzeugungen nicht trennen müssen, sondern zu Brüdern und Schwestern machen können". Die Teilnehmenden seien nicht zusammengekommen, um Unterschiede zu verwischen oder religiöse Identitäten aufzugeben. "Sie kamen zusammen, um Zeugnis abzulegen für die Überzeugung, dass echter Glaube den Menschen zum Frieden, zur Versöhnung und zum Respekt vor der Würde jedes Menschen führt", so der Erzbischof.
Vier Jahrzehnte nach dem ersten Friedenstreffen habe die Botschaft von Assisi nichts von ihrer Aktualität verloren: "Kriege, Terrorismus, gesellschaftliche Polarisierung und neue Formen von Hass und Ausgrenzung bedrohen den Zusammenhalt unserer Gesellschaften. Zugleich wächst die Sehnsucht nach Verständigung, nach respektvollem Miteinander und nach Wegen zu einem gerechten und dauerhaften Frieden."
Der Geist von Assisi erinnere daran, dass Frieden nicht allein durch politische Entscheidungen oder wirtschaftliche Maßnahmen entstehen kann. "Frieden beginnt im Herzen der Menschen", so Grünwidl: "Er wächst dort, wo Menschen beten, einander zuhören, Vorurteile überwinden und gemeinsam Verantwortung für das Gemeinwohl übernehmen." Der Geist von Assisi lade dazu ein, "die anderen nicht als Gegner, sondern als Mitmenschen zu sehen; nicht das Trennende in den Mittelpunkt zu stellen, sondern gemeinsam nach Wegen des Friedens zu suchen."
Als Erzbischof von Wien wolle er daher das 40-jährige Jubiläum des Treffens von Assisi zum Anlass nehmen, "diesen Geist neu lebendig werden zu lassen". Er lade die Gläubigen der Erzdiözese Wien sowie alle Menschen guten Willens ein, sich in den kommenden Wochen und Monaten an Initiativen zu beteiligen, die dem Frieden, dem Dialog und der Begegnung dienen. "Gerade in einer Zeit weltweiter Unsicherheit können solche Begegnungen Hoffnung schenken und Brücken bauen", so der Erzbischof.
Das lebendige Vermächtnis von Assisi könne auch heute Menschen inspirieren, zeigte sich Grünwidl überzeugt: "Bitten wir Gott um Frieden für unsere Welt, für Europa, für unser Land und für alle Regionen, die von Krieg, Gewalt und Ungerechtigkeit geprägt sind. Werden wir selbst zu Werkzeugen dieses Friedens, damit Versöhnung, Gerechtigkeit und Geschwisterlichkeit wachsen können." Der Friede beginne dort, "wo Menschen einander mit Respekt begegnen und gemeinsam den Mut haben, Hoffnung zu stiften".
Internationale Friedenstreffen
Vor 40 Jahren, am 27. Oktober 1986, lud Papst Johannes Paul II. Vertreterinnen und Vertreter der verschiedenen Weltreligionen zum ersten interreligiösen Friedenstreffen nach Assisi. Die Gemeinschaft Sant'Egidio hat seitdem in jährlichem Turnus an verschiedenen Orten der Welt die in Assisi begonnene Tradition fortgesetzt und den Kreis der Mitwirkenden beständig ausgeweitet. Neben Vertreterinnen und Vertretern der großen Religionen gehören inzwischen auch Repräsentantinnen und Repräsentanten aus Kultur, Zivilgesellschaft und Politik aus zahlreichen Ländern zu den Teilnehmenden der internationalen Friedenstreffen, in denen über drängende aktuelle Herausforderungen im "Geist von Assisi" miteinander diskutiert und um Frieden gebetet wird.
Heuer findet das internationale Friedenstreffen vom 25. bis 27. Oktober erneut in Assisi statt. Es steht unter dem Motto "Entwaffneter und entwaffnender Frieden". In den kommenden Tagen werden fast 400 Vertreterinnen und Vertreter aus Religionen, Kulturen, Zivilgesellschaft und Politik aus über 50 Ländern zusammenkommen, darunter mehr als 150 Referentinnen und Referenten in 24 thematischen Foren. Insgesamt werden voraussichtlich rund 5.000 Menschen an dem Treffen teilnehmen. Auch Papst Leo XIV. und der Ökumenische Patriarch von Konstantinopel, Bartholomaios I., werden zum Abschluss des Treffens in Assisi erwartet.
Quelle: kathpress