
Wien: Akademie am Dom startet mit politischen Themen in den Herbst
Mit einem politischen Schwerpunkt startet die Wiener "Akademie am Dom" in diesen Tagen in den Herbst. Der Bogen spannt sich dabei von Veranstaltungen mit historischen Perspektiven auf Kirchenreformen und die Aufarbeitung des Holocaust bis hin zu aktuellen Debatten über Apokalypse, Technologieglauben und die Rolle der russisch-orthodoxen Kirche im Krieg gegen die Ukraine, teilte die Wiener Erwachsenenbildungseinrichtung am Donnerstag in einer Aussendung mit.
Mit gleich zwei Veranstaltungen wird Anfang November etwa der renommierte Münsteraner Kirchenhistoriker Hubert Wolf in Wien vertreten sein: Am 4. November wirft er unter dem Titel "Es war halt (nicht) immer schon so!" einen kritischen Blick auf die Geschichte der katholischen Kirche und ihre Reformpotenziale. Wolf wird dabei daran erinnern, dass viele heute als unveränderlich geltende Strukturen historisch keineswegs selbstverständlich waren. So seien Päpste einst kontrolliert worden, Bischöfe gewählt und Frauen mit weitreichenderen kirchlichen Aufgaben betraut gewesen. Das Vergessene der Kirchengeschichte könne wichtige Impulse für gegenwärtige Reformdebatten liefern.
Einen Tag später, am 5. November, steht die Erinnerung an die Shoah im Mittelpunkt. Gemeinsam mit Schülerinnen und Schülern des Wiener Schottengymnasiums präsentiert Wolf das Projekt "Asking the Pope for Help - Jüdische Bittbriefe an Pius XII.". Ausgangspunkt sind rund 10.000 Schreiben jüdischer Verfolgter an den Vatikan, in denen sie während der NS-Zeit um Hilfe und Unterstützung baten: unter ihnen Stefan Herz-Kestranek, dessen Sohn Miguel Herz-Kestranek an dieser Veranstaltung mitwirken wird.
Peter Thiel und der Antichrist
Auf großes Interesse dürfte auch die Veranstaltung "Die neue Aktualität von Apokalypse und Antichrist" am 6. November mit dem Innsbrucker Sozialethiker Wolfgang Palaver stoßen. Eine Teilnahme ist aufgrund der Nachfrage an dieser Veranstaltung nur noch online bzw. per Videoübertragung möglich. Zur Vertiefung des Themas bieten die "Theologischen Kurse" außerdem am 6./7. November den Spezialkurs "Apokalypse und Antichrist: Peter Thiel - Joachim von Fiore - Neues Testament" an.
Den Schlusspunkt des Schwerpunkts setzt am 25. November die Soziologin Kristina Stoeckl von der LUISS-Universität in Rom. Unter dem Titel "Der Krieg hat alles verändert" analysiert sie die Entwicklung der russisch-orthodoxen Kirche seit dem russischen Angriff auf die Ukraine. Nach Stoeckls Einschätzung habe sich die Kirche zu einer tragenden Säule der russischen Staatsideologie entwickelt und ihre geistige Unabhängigkeit weitgehend eingebüßt. Die enge Verbindung zwischen Patriarchat und Kreml werfe grundlegende Fragen nach Demokratie- und Dialogfähigkeit der heutigen russischen Orthodoxie auf. (Infos und Anmeldung: www.akademie-am-dom.at)
Quelle: kathpress