
Zweitstärkstes Jahr an Erwachsenentaufen in Erzdiözese Wien
Die Erzdiözese Wien steuert auf ihr zweitstärkstes Jahr bei den Erwachsenentaufen zu. Insgesamt wurden heuer 142 Kandidatinnen und Kandidaten (Katechumenen) im Frühjahr und weitere 64 am Donnerstagabend bei der Herbstzulassungsfeier in der Wiener Canisiuskirche zur Taufe zugelassen. Hinzu kommen mehr als 20 Sonderzulassungen, darunter auch für Menschen in Pflegeeinrichtungen oder Gefängnissen, womit die Gesamtzahl bei knapp 230 liegt. Auch für das nächste Jahr zeichne sich schon ein weiterer Anstieg ab, erklärte Daniel Vychytil, Verantwortlicher für das Erwachsenenkatechumenat in der Erzdiözese Wien und auch bei der Österreichischen Bischofskonferenz, am Freitag gegenüber Kathpress.
Die Feier am Donnerstag leitete Pastoralamtsleiter Markus Beranek, in Vertretung für den krankheitsbedingt verhinderten Erzbischof Josef Grünwidl. In seiner Predigt zeigte sich Beranek von den verlesenen Glaubenszeugnissen der Katechumenen beeindruckt. Alle hätten eine Gotteserfahrung hinter sich, die sich verschieden geäußert habe - etwa in einem Gefühl tiefen inneren Friedens oder in der Erfahrung einer Gemeinschaft von Menschen, die sie trage. "Gott schenkt inneren Frieden, auch in schwierigen und herausfordernden Situationen", fasste Beranek zusammen.
Das Christentum biete keine schnellen Antworten auf alle Fragen und sei keine einfache Lösung für alle Probleme, räumte der Pastoralamtsleiter ein. Wohl aber bezeuge der christliche Glaube Gottes Liebe für jeden Menschen. "Dieser Gott kennt dich, mag dich und wir sind ihm wichtig" - so sehr, dass er in Jesus von Nazareth das menschliche Leben geteilt habe und Vergebung schenke, so Beranek. "Gottes Vision" sei der für alle Menschen offene Himmel, in dem kulturelle und sprachliche Unterschiede keine Grenzen mehr seien. Gott brauche den Menschen trotz dessen Begrenztheit, um Frieden zu stiften und Brücken zu bauen.
Österreicher und Iraner größte Gruppen
Das bisher stärkste Jahr bei den Erwachsenentaufen ab 14 Jahren war in der Erzdiözese Wien 2017 mit 294 Taufen. Dazu trugen insbesondere die damaligen Migrationsbewegungen bei. 2018 wurden 220 Menschen ab 14 Jahren getauft, 2019 waren es 204. Während der Corona-Pandemie gingen die Zahlen auf rund 100 pro Jahr zurück. Zuletzt zeigte sich wieder ein deutlicher Aufwärtstrend: 2025 wurden 189 Menschen ab 14 Jahren getauft, heuer werden es rund 20 Prozent mehr sein.
Unter den 2026 in Wien zur Taufe zugelassenen Personen bildeten die Österreicher mit 73 Katechumenen knapp vor Iranern mit 72 die größten Gruppen. Auch die Herbstgruppe war international zusammengesetzt: Unter den 64 Bewerbern stammten 34 aus dem Iran und 14 aus Österreich; insgesamt waren 14 Nationen vertreten. Blickt man auf das Alter, bilden übers ganze Jahr junge Erwachsene zwischen 21 und 30 Jahren sowie Menschen zwischen 31 und 50 Jahren die größten Gruppen, 50 waren zwischen 14 und 20 Jahre alt. Männer hatten mit 56 Prozent leichten Überhang gegenüber den 44 Prozent Frauen. Die Katechumenen kamen aus 27 Pfarrgemeinden der Erzdiözese, wobei der Großteil im Wiener Stadtgebiet lebte.
Anstieg auch in den Bundesländern
Die Aufwärtsentwicklung bei den Erwachsenentaufen dürfte sich nach Einschätzung des Katechumenats-Zuständigen Vychytils fortsetzen. Die bisherigen Anmeldungen in Wien von Taufbewerbern für 2027 deuteten auf einen weiteren Zuwachs hin, dessen genaues Ausmaß derzeit noch schwer einzuschätzen sei. Auch in anderen österreichischen Diözesen nehme das Interesse an der Erwachsenentaufe zu. In Graz werde bei der nächsten Zulassungsfeier im Frühjahr 2027 bereits mit einer Verdoppelung der Teilnehmerzahl gerechnet.
Die Erzdiözese Wien ist laut Vychytil insofern europaweit besonders, als sie neben der Zulassungsfeier im Frühjahr auch im Herbst einen solchen Gottesdienst anbietet. Die zusätzliche Feier sei ein pastoraler Schritt, um Menschen mit unterschiedlichen Lebenswegen individuell zu begleiten, so der Theologe. Die Zahl der Zulassungen ist daher jedoch nicht unbedingt mit jener der Taufen im selben Kalenderjahr gleichzusetzen: Einige der jüngst zugelassenen Kandidatinnen und Kandidaten empfangen das Sakrament nicht zum Christkönigsfest Ende November, sondern erst zu Jahresbeginn 2027 zum Kirchenfest "Taufe des Herrn".
Junges Phänomen
In der katholischen Kirche ist die traditionelle Initiationsform weiterhin die Säuglingstaufe, wobei die Erwachsenentaufe - hinzu werden Taufen ab dem 14. Lebensjahr gerechnet - seit etwa 20 Jahren häufiger wird, wenngleich auf weit niedrigerem Niveau. Das Sakrament wird in diesem Fall nach einem intensiven, mindestens einjährigen Glaubenskurs gespendet, als dessen abschließender Höhepunkt es in vielen Diözesen die gemeinsame Zulassungsfeier gibt. Mit der Taufe empfangen erwachsene Kandidaten in der Regel auch die Firmung und die Erstkommunion. Es ist Aufgabe der Pfarrgemeinden, die Neugetauften anschließend zu begleiten und ihnen helfen, in das kirchliche Leben hineinzuwachsen, betonte Vychytil.
Quelle: kathpress