
Trauerräume: Trost und Gedenken rund um Allerheiligen
Trauerräume in der Erzdiözese Salzburg, Trauerbegleitung der Caritas St. Pölten, ein offenes Trauercafé im Linzer Domcenter und eine Mitmach-Aktion der Wiener Gesprächsinsel: Rund um Allerheiligen und Allerseelen rückt für viele Menschen die Erinnerung an verstorbene Angehörige und die eigene Vergänglichkeit in den Vordergrund. Zahlreiche Pfarrgemeinden und kirchliche Einrichtungen in Österreich weiten deshalb in den kommenden Tagen ihre Angebote zur Trauerbewältigung aus.
Die Caritas St. Pölten bietet unterschiedliche Formen der Trauerbegleitung an, darunter Trauergruppen und Gesprächsmöglichkeiten. Die Angebote richten sich an Trauernde unabhängig von Religionszugehörigkeit und Nationalität. Von 30. Oktober bis 2. November bietet die Hilfsorganisation zudem einen "TrauerRaum" am Städtischen Friedhof St. Pölten (10 bis 19 Uhr) sowie in einigen Pfarren - etwa in den Pfarrkirchen Niedernondorf, Groß Gerungs und Mank - an. Wer keine Gelegenheit hat, einen der TrauerRäume persönlich zu besuchen, könne dies auch mittels virtuellen Rundgangs unter www.trauer-info.at nachholen, hieß es.
Im Linzer Domcenter findet am 23. Oktober von 16 bis 18 Uhr ein offenes Trauercafé statt. Bei Kaffee und Tee können Menschen, die einen geliebten Menschen vermissen, Erinnerungen teilen, zuhören oder einfach in Gesellschaft sein. Begleitet wird das Treffen von Nicole Leitenmüller, Referentin für Trauerpastoral der Diözese Linz. Das Angebot steht allen offen, unabhängig davon, wie lange der Verlust zurückliegt. Das Angebot ist Teil des Kunstprojekts "Griefyards", das Trauer im öffentlichen Raum sichtbar machen will, und steht im Zusammenhang mit der Ausstellung "Death Positive. Gestorben wird immer" im Nordico Stadtmuseum. Eine Anmeldung ist nicht erforderlich.
Gedenken und Innehalten
In der Erzdiözese Salzburg laden Trauerräume an rund 20 Orten zum Innehalten ein. In Kirchen, Friedhofskapellen und anderen Räumen schaffen Kerzen, ruhige Musik und Stationen zum Thema Abschied Möglichkeiten, Erinnerungen Raum zu geben. Auf Wunsch können Besucherinnen und Besucher mit Seelsorgerinnen und Seelsorgern sprechen. Die Trauerräume befinden sich u. a. in Salzburg-Maxglan (Kleine Kirche), Elixhausen, der Pfarrkirche Golling, der Friedhofskapelle Bad Hofgastein und der Pfarrkirche Maishofen.
"Trauer braucht Zeit, Aufmerksamkeit und manchmal einfach einen geschützten Raum. Denn Trauer ist kein Zeichen von Schwäche, sondern Ausdruck unserer Fähigkeit zu lieben", erklärte Dominik Elmer, Leiter des Fachbereichs Gemeinde und Innovation der Erzdiözese Salzburg, die Notwendigkeit der Trauerräume.
Was wirklich wichtig ist
Auch die Wiener Gesprächsinsel lädt von 1. bis 6. November auf der Freyung zur Mitmach-Aktion "Bevor ich sterbe ..." ein. Zwei Tafelwände mit diesem Satzanfang regen dazu an, über persönliche Wünsche, die eigene Endlichkeit und die Frage nachzudenken, wie man in Erinnerung bleiben möchte. Passantinnen und Passanten können ihre Gedanken mit Kreide festhalten. Die Aktion greift das internationale Kunstprojekt "Before I die" der Künstlerin Candy Chang auf.
Am Allerseelentag, 2. November, können zwischen 11 und 17 Uhr in der Kapelle der Gesprächsinsel Kerzen zum Gedenken an Verstorbene angezündet werden. "Mit dieser Mitmach-Aktion wollen wir dazu einladen, darüber nachzudenken, was uns im Leben wirklich wichtig ist, was wir noch verwirklichen möchten und wie wir in Erinnerung bleiben wollen", so Verena Osanna, Leiterin der Gesprächsinsel.
In der besonderen Atmosphäre der historischen Gewölbe der Sala terrena bieten das Hospiz St. Martin und das Stift Klosterneuburg einen Trauerraum mit Stationen, an denen u. a. weiße Bänder als Zeichen der Versöhnung an einen Olivenbaum gebunden, an der Klagemauer Wut und Kummer losgelassen oder zerbrochene Scherben zu einem neuen Muster zusammengesetzt werden können. Ehrenamtliche Trauerbegleiterinnen und -begleiter stehen vor Ort für Gespräche bereit.
Trauercafés
Auch Trauercafés bieten Gelegenheit, mit anderen Betroffenen ins Gespräch zu kommen und sich in geschütztem Rahmen auszutauschen. Die Kontaktstelle Trauer der Caritas Hospiz lädt dazu jeweils mittwochs von 16 bis 17.30 Uhr am Stephansplatz 6, Stiege 1, in Wien ein. Die nächsten Termine sind der 4. November, 2. Dezember und 13. Jänner. Auch im Kardinal König Haus am Kardinal-König-Platz 3 in Wien-Hietzing findet monatlich mittwochs von 16 bis 18 Uhr ein Trauercafé statt, und zwar am 18. November, 16. Dezember und 20. Jänner. Für beide Angebote ist keine Anmeldung erforderlich.
Eine besondere Erinnerungsfeier findet zu Allerseelen an der Medizinischen Universität Innsbruck statt. Am 2. November gedenkt die Medizinuni mit einer Messfeier im Hörsaal Anatomie (Müllerstraße 59) der Körperspenden an das Institut für Klinisch-Funktionelle Anatomie.
Friedhöfe als Orte der Begegnung
Der Linzer Barbara-Friedhof lädt unter dem Titel "Leben und Tod auf der Spur" zu einem Stationenweg für Kinder am Friedhof ein (2. November). Ergänzend zum Stationenweg für Kinder wird am 28. Oktober (15 Uhr) eine Gesprächsrunde für Eltern und Begleitpersonen zum Thema Trauer bei Kindern angeboten. Eltern erhalten dabei Anregungen für einen unterstützenden Umgang und die Möglichkeit zum Austausch, während die Kinder fachkundig betreut werden, hieß es.
Weiters stehen auf dem zentral gelegenen Linzer Friedhof von 29. bis 31. Oktober jeweils von 13 bis 16 Uhr Seelsorgerinnen und Seelsorger für Gespräche bereit. Am 31. Oktober findet eine Trostfeier mit Musik, Texten und Kerzenritual statt. Am 1. November sind die katholische Allerheiligen-Andacht mit Gräbersegnung und Diözesanbischof Manfred Scheuer (14.30 Uhr) sowie ein evangelisches Totengedenken (14 Uhr) geplant. Zudem wird am 2. November (10 Uhr) bei den Weltkriegsgedenkstätten der gefallenen Soldaten und der im Dienst verunglückten Einsatzkräfte gedacht.
"Für mich ist der Friedhof jener Ort, wo sich die schmerzliche akute Trauer im Laufe der Zeit in gute Erinnerung an einen Verstorbenen verwandeln darf und kann", sagt Clemens Frauscher, Leiter des St. Barbara Friedhofs. Ein Grab könne helfen, Verbundenheit zu erfahren und sich an das Leben eines verstorbenen Menschen zu erinnern. "Der Friedhof ist ein Ort der Kommunikation - mit anderen Menschen, mit den Verstorbenen und mit Gott."
Quelle: kathpress