
Schewtschuk würdigt Solidarität europäischer Kirchen mit Ukrainern
Der ukrainische Großerzbischof Swjatoslaw Schewtschuk hat den europäischen Kirchen für ihre Solidarität mit der ukrainischen Bevölkerung im russischen Angriffskrieg gedankt. Die Unterstützung sei für die Menschen in der Ukraine von großer Bedeutung, sagte das Oberhaupt der Ukrainischen Griechisch-Katholischen Kirche am Mittwoch im Interview mit Kathpress und anderen Medien in Salzburg. "Wir brauchen nicht eure Dinge, wir brauchen euch", sagte Schewtschuk. Die Ukraine brauche Aufmerksamkeit, Liebe, Solidarität und Gebet. Daraus würden auch konkrete gute Taten und humanitäre Hilfe folgen.
Mit Blick auf die nächsten Monate warnte Schewtschuk vor einer besonders schwierigen Situation. "Der kommende Winter könnte der schwierigste seit Jahrzehnten werden", sagte er. Russland zerstöre systematisch die lebenswichtige Infrastruktur ukrainischer Städte und Dörfer. Die Kirche versuche deshalb, den Menschen beizustehen und ihnen Schutz zu bieten. Pfarrgemeinden und Klöster sollten offene Orte sein, an denen Menschen zusammenkommen und bleiben könnten. Die Kirche werde so zu einem Ort der Widerstandskraft, der Liebe und der Solidarität.
Aufnahme Geflüchteter in Österreich
Auch die Kirchen in den europäischen Aufnahmeländern spielten eine wichtige Rolle für die zahlreichen Ukrainerinnen und Ukrainer, die infolge des Krieges ihre Heimat verlassen hätten. Schewtschuk dankte insbesondere den römisch-katholischen Bischöfen, die ukrainischen griechisch-katholischen Gemeinden Kirchen und andere Räumlichkeiten zur Verfügung stellten. In Österreich gebe es mit einem eigenen Ordinariat für die katholischen Ostkirchen eine Struktur, die die Aufnahme und Betreuung ukrainischer Priester und Gemeinden erleichtere. Die kirchliche Verbundenheit zeige sich nicht nur in gemeinsamen Überzeugungen, sondern auch in konkretem Handeln, betonte der Großerzbischof.
Als Beispiel nannte Schewtschuk die ukrainische Pfarrgemeinde in Salzburg, die rund 4.000 Menschen umfasse. Die Mitglieder seien sehr aktiv und vermittelten der Stadtgesellschaft die ukrainische Kultur, Traditionen und Anliegen. Zugleich sollten Ukrainer in Europa nicht ausschließlich als Menschen wahrgenommen werden, die Hilfe benötigten. "Die Ukrainer sind Teil eurer Gesellschaft", sagte Schewtschuk. Sie seien nicht nur hier, um Unterstützung zu erhalten, sondern wollten selbst etwas beitragen und Vorschläge sowie Lösungen einbringen.
Junge Frauen mit Kindern
Besonders verwies er auf junge Ukrainerinnen, die in Österreich studierten und künftig das Bild der ukrainischen Gemeinschaft mitprägen dürften. Das derzeitige Bild ukrainischer Migranten in Europa sei häufig von jungen Frauen mit Kindern geprägt, darunter gut ausgebildete Frauen, deren Männer an der Front in der Ukraine kämpften. Dieses Bild werde sich verändern, sagte Schewtschuk. Die ukrainische Gemeinschaft könne zugleich "ein Keim der Hoffnung für die Zukunft Europas" sein.
Schewtschuk erinnerte zudem an die seelsorgliche Aufgabe seiner Kirche gegenüber Menschen, die durch Krieg und Flucht belastet sind. Die Ukrainische Griechisch-Katholische Kirche sei keine lokale, sondern eine weltweite Kirche. Durch die kriegsbedingte Migration hätten sich ukrainische Gemeinden in zahlreichen Ländern etabliert oder seien gewachsen. Die wichtigste Aufgabe eines Kirchenoberhaupts sei es, für die Menschen da zu sein und ihnen "Freude und Hoffnung" zu vermitteln.
Schewtschuk nahm an der Vollversammlung des Rates der Europäischen Bischofskonferenzen (CCEE) teil, die von 27. bis 30. Oktober in Salzburg stattfand. In einer Ansprache vor den Bischöfen appellierte er, die Unterstützung für die Ukraine angesichts des anhaltenden Krieges nicht nachlassen zu lassen. Russlands Krieg gegen die Ukraine sei "ein Krieg gegen ganz Europa"; durch die gezielte Zerstörung lebensnotwendiger Infrastruktur drohe die winterliche Kälte zu einer Waffe gegen die Bevölkerung zu werden.
Quelle: kathpress