
Große Mariapocs-Feierlichkeiten im Wiener Stephansdom
Die griechisch-katholische Basilika von Mariapocs ist einer der wichtigsten Wallfahrtsorte in Ungarn. Am 4. November 1696 sollen während eines Gottesdienstes Tränen aus den Augen einer Ikone der Gottesmutter geflossen sein. Nach Untersuchungen ließ Kaiser Leopold I. die Ikone nach Wien bringen - gegen den Widerstand der örtlichen Bevölkerung. Seit 1697 befindet sich die Ikone von Mariapocs im Stephansdom. In Ungarn wird seither eine Kopie verehrt, von der später ebenfalls Tränenwunder berichtet wurden. Das 330-Jahr Jubiläum des Tränenwunders wird heuer nicht nur in Ungarn, sondern auch in Wien festlich begangen: mit Gottesdiensten am 7. und 8. November im Stephansdom.
Am Samstag, 7. November, beginnt um 19.30 Uhr ein Friedensgebet mit dem byzantinischen marianischen Hymnus Akathistos und anschließender Lichterprozession um den Dom. Der Wiener Erzbischof Josef Grünwidl und Kardinal Christoph Schönborn werden mitfeiern, teilte die Erzdiözese Wien mit.
Am Sonntag, 8. November, wird im Dom um 10.15 Uhr eine festliche byzantinische Göttliche Liturgie gefeiert, der der ungarische griechisch-katholische Metropolit Fülöp Kocsis und weitere griechisch-katholische Bischöfe vorstehen werden. Die Liturgie wird vorwiegend auf Deutsch gefeiert. Im Anschluss an den Gottesdienst lädt das Wiener Domkapitel zur Agape in den Hof des Erzbischöflichen Palais.
Im April 2026 reisten Vertreter des Wiener Domkapitels sowie Mitarbeitende des Doms und der Erzdiözese Wien nach Mariapocs, um den Ursprungsort des vertrauten Marienbildes zu besuchen. "Begegnungen, gemeinsames Gebet und der Eindruck vom Engagement der Menschen vor Ort prägten die Reise", so der Leiter des Pastoralamts der Erzdiözese Wien und Domkapitular Markus Beranek. Als Zeichen der Verbundenheit habe man Reliquien der heiligen Leopold und Klemens Maria Hofbauer überbracht.
In Mariapocs sei auch die Idee entstanden, das Jubiläum in Wien groß zu feiern, so Beranek. Was ihn dabei besonders bewege, sei die Möglichkeit, durch die Ikone Brücken zwischen unterschiedlich geprägten kirchlichen Kulturen zu bauen: "Begegnung, Austausch, Miteinander - auch das ist ein sehr konkretes und ich meine auch wirkungsvolles Stück Synodalität", betonte Beranek.
Mariapocs ist das spirituelle Zentrum der griechisch-katholischen "unierten" Kirche im östlichen Ungarn und in der Karpato-Ukraine. Die Ikone war 1676 vom ungarischen Ikonenmaler Stefan Pap angefertigt worden. Das Bildnis schmückte die Ikonostase der byzantinischen Pfarrkirche von Mariapocs, das damals noch Pocs hieß.
Sofort nach der Überführung der Ikone nach Wien wurde das Marienbildnis zu einem Ort der Verehrung der Gläubigen; dies war auch den Bemühungen des friulanischen Kapuziners Marco d'Aviano zu verdanken. Bis heute ist die Ikone auf dem Mariapocs-Altar im Stephansdom ein zentraler Glaubensort. Wer im Stephansdom vor der Ikone eine Kerze entzündet, bringt oft ein ganz persönliches Anliegen mit.
Wie es vonseiten der Erzdiözese Wien heißt, gehöre zur gemeinsamen Geschichte von Mariapocs und Wien auch die Erfahrung eines Verlustes. Umso bedeutsamer sei die Begegnung in der Gegenwart: "Menschen aus beiden Orten kommen zusammen, hören einander zu und feiern miteinander", so Beranek. Das Jubiläum biete Gelegenheit, die Geschichte auch aus der Perspektive jener Gemeinde wahrzunehmen, aus deren Mitte die Ikone stammt.
(Die beiden Gottesdienste werden auf dem Youtube-Kanal der Erzdiözese Wien via Livestream übertragen: https://www.youtube.com/channel/UCMXAO-jAgtnfoSw7EZpRtHg)
Quelle: kathpress