
Kardinal Schönborn: "Sterben ist wie übersiedeln"
Über den Tod, den Himmel und die Hölle auf Erden hat der Wiener Kardinal Christoph Schönborn in einem Interview mit der "Kronen Zeitung" (Ausgabe 1. November) zu Allerheiligen und Allerseelen gesprochen. Es gebe zwei Fixpunkte im menschlichen Leben: die Geburt durch eine Frau und den Tod - zwischen diesen beiden Polen "spielt sich alles ab", sagte Schönborn. Nicht nur in Krankheit würden die Menschen an ihre eigene Endlichkeit erinnert, auch "mitten in dem Leben sind wir vom Tod umgeben", zitierte der Kardinal aus einem von Martin Luther ins Deutsche übertragenen christlichen Gesang. "Sterben ist wie übersiedeln, hoffentlich schon in das ewige Leben", so der Kardinal über seinen Glauben an die Auferstehung. Möglicherweise brauche es davor aber noch einen Weg der Läuterung.
"Wenn man halbwegs vernünftig ist, muss man sagen: Jeder Tag ist ein Risiko", erzählte der emeritierte Wiener Erzbischof über einen "Arbeitsunfall" vor einigen Jahren, bei dem ihm eine lange Schraube von einer Baustelle am Dach des Stephansdoms eine stark blutende Wunde am Kopf zufügte. Er lebe aber im Wissen, "dass uns unser Leben geschenkt und anvertraut ist und dass es auf dieser Erde zu Ende geht", so der Kardinal.
"Glücklich ist, wer glauben darf, dass das Wort Jesu stimmt", sagte Schönborn mit Blick auf die Verheißung einer Wohnung im Himmel. Jesus habe gesagt: "Ich gehe euch eine Wohnung bereiten, und wenn ich sie bereitet habe, dann werde ich kommen und euch holen, damit ihr dort seid, wo ich bin."
Im "endgültigen" Zuhause gebe es keine Gekränktheit, keine Feindlichkeit, Eifersucht oder Streit. Dennoch werde zu Allerseelen für die Toten gebetet, "weil es auch das Fegefeuer gibt, die Läuterung, die man schon in den alten Mythen findet", erklärte der Kardinal. Und weiter: "Oft geht man unversöhnt hinüber und muss noch ein Stück Heilung gehen. Das Gebet für die Verstorbenen hat den Sinn, sie auf diesem letzten Wegstück zu begleiten."
Die Hölle gebe es sicher auf Erden, so Schönborn. Als Beispiel nannte er das Sednaya-Gefängnis während der Zeit der Assad-Herrschaft in Syrien. Es müsse eines der schlimmsten Gefängnisse der Welt gewesen sein, mit Folter und allem Unvorstellbaren. Auch die "Abgründe an Bosheit, Gewalt und Verbrechen" in der Nazi-Zeit oder unter der Herrschaft von Stalin in der Sowjetunion gäben "eine Ahnung von dem, was Hölle ist". Zugleich betonte Schönborn: "Ich glaube, wir dürfen für jeden Menschen hoffen, dass er nicht verloren geht."
Quelle: Kathpress