
Salzburg: Gedenktafel beim Dom erinnert an Protestantenvertreibung
Eine neue Gedenktafel in der Stadt Salzburg erinnert an die Protestantenvertreibung von 1731/32, wie der evangelische Pressedienst epd am Mittwoch berichtet. Die offizielle Enthüllung fand demnach schon am Reformationstag (31. Oktober) im Dombogen zur Franziskanergasse im Zentrum Salzburgs statt. Initiiert wurde die Tafel vom "Salzbund", einem Verein zur Pflege evangelischen Lebens im Land Salzburg. An der Feierstunde nahmen unter anderem Salzburgs Bürgermeister Bernhard Auinger, Superintendent Olivier Dantine, die Pfarrerin der Christuskirche Margit Geley und Salzbund-Obfrau Ingrid Eckerl teil.
Ausgelöst wurde die "Große Emigration" vor knapp 300 Jahren durch den Salzburger Fürsterzbischof Leopold Anton Firmian: "Am 31. Oktober 1731 befahl er, dass alle Menschen protestantischen Glaubens das Land verlassen müssen", schilderte Salzbund-Obfrau Ingrid Eckerl die historischen Ereignisse gegenüber dem epd: "Die Bauern hatten drei Monate zur Verfügung, Besitzlose - also Knechte und Mägde - mussten innerhalb von acht Tagen die Heimat verlassen." Der Pongau und Pinzgau seien damals besonders betroffen gewesen, 1.700 Höfe standen plötzlich leer.
Eckerl: "Für das Land war dies ein schmerzlicher Verlust. Es war immerhin ein Sechstel der Bevölkerung." Der Großteil der rund 20.000 Evangelischen machte sich auf den Weg nach Ostpreußen, ein Teil wanderte nach Holland und einige sogar in den US-Bundesstaat Georgia aus.
Superintendent Olivier Dantine dankte dem "Salzbund" für die Initiative zur Gedenktafel. Beim Festakt betonte er, dass das Gedenken heute in anderer Weise als in früheren Jahrhunderten geschehe. In Anlehnung an Verse aus dem 1. Johannesbrief, wo von Gottes Liebe die Rede ist, meinte er: "Das Gebot der Liebe, von dem wir gerade gehört haben, hat dazu den Weg gewiesen." Wenn man es ernst nähme, führe es "zu einer Haltung des gegenseitigen Respekts, über Konfessionsgrenzen und über historische Wunden hinweg". Vergebungsbitten, Akte der Versöhnung und Gedenkinitiativen an einigen Orten im Land Salzburg hätten dazu geführt, dass die Erinnerung bleibt, "aber im Geist der Liebe und der Versöhnung geschieht".
"Schließlich bleibt es unsere gemeinsame und bleibende Aufgabe, über Konfessions- und Religionsgrenzen hinweg, für Religions- und Gewissensfreiheit einzutreten", bekräftigte Dantine. Diese Grundpfeiler eines demokratischen Rechtsstaates seien nichts Selbstverständliches. Der Superintendent weiter: "Möge diese Gedenktafel zur Stärkung von Religions- und Gewissensfreiheit und zu einem guten, respektvollen Miteinander der Konfessionen und Religionen führen."
Quelle: kathpress