Guatemaltekischer Bischof kritisiert Agrarkonzerne
Wien, 10.5.06 (KAP) Der Vorsitzende der Bischofskonferenz von Guatemala, Bischof Alvaro Ramazzini Imeri, hat am Mittwoch in Wien scharfe Kritik am Wirtschaftsmodell des "Agroexports" geübt, das sich auf die Umwelt und die Kleinbauern negativ auswirke. Eine Lobby aus Großgrundbesitzern und Freihandelsproponenten in seinem Land vertrete diese Richtung. Er persönlich sei nach seiner Auszeichnung mit dem österreichischen "Konrad Lorenz-Preis 2005" für den Kampf gegen Umweltzerstörung in seiner Heimat scharf attackiert worden, so Ramazzini bei einem Pressegespräch aus Anlass des Lateinamerika-"Alternativengipfels".
Das Pressegespräch wurde von der "Koordinierungsstelle der Österreichischen Bischofskonferenz für internationale Entwicklung und Mission" (KOO) organisiert; unter dem Dach des "Alternativengipfels" (www.alternativas.at) finden zahlreiche kirchlich mitgetragene Veranstaltungen statt. Ramazzini spricht am Freitag um 16 Uhr bei einer Guatemala-Veranstaltung in der Stadthalle (Raum E-5). Ebenfalls am Freitag feiert er um 19.15 Uhr in der Franz-von-Assisi-Kirche auf dem Mexikoplatz eine "Misa der America Latina" unter dem Motto "Cristo es nuestro camino - Christus ist unser Weg".
Ramazzini hatte den "Konrad-Lorenz-Preis" auch für sein Engagement gegen die geplanten Umweltzerstörungen durch ein Gold- und Nickelminenprojekt erhalten. Wie er am Mittwoch betonte, hätten die verheerenden Naturkatastrophen in Form von Tropenstürmen, Überschwemmungen und Erdrutschen im Vorjahr die Richtigkeit des Kampfes für die Umwelterhaltung gezeigt. Die Kirche werde der neu gebildeten "Frente Nacional contra la Mineria" (Nationale Front gegen Bergbauunternehmen) weiter ihre Unterstützung angedeihen lassen. Eine weitere Abholzung der Schutzwälder sei inakzeptabel und hätte bei ähnliche Katastrophen wie 2005 massive Landvernichtung zur Folge.
Zur Lage der Kleinbauern sagte der Bischof, der Export von Bananen und Plantagenprodukten sei früher ganz in der Hand der US-Gesellschaft "United Fruit Company" gelegen. Dies habe sich geändert - allerdings nicht unbedingt zum Besseren: "Heute sind nationale Konzerne des Agroexport-Business an ihre Stelle getreten. Sie arbeiten eng mit den Multis aus den USA zusammen. Sie sind die größten Arbeitgeber im Land. Wir mussten aber feststellen, dass dies die Armut im Land insgesamt nicht verringert hat. Es ist im Gegenteil nicht weniger, sondern mehr Armut da."
Befragt zur Aktualität der Befreiungstheologie sagte Ramazzini, es sei richtig, dass die Zahl der Dokumente und Bücher, in der sich diese Theologie aktualisiere, zurückgegangen sei. Die Praxis der Befreiungstheologie werde aber in den Diözesen angewandt. Wenn man das Engagement der Diözesen analysiere, zeige sich, dass "überall Befreiungsprozesse ablaufen".
Ramazzini wurde im Februar zum neuen Vorsitzenden der Bischofskonferenz seines Landes gewählt. Er leitet seit 1989 die Diözese San Marcos in Guatemala und ist seit vielen Jahren Projektpartner der österreichischen katholischen Entwicklungsorganisationen "Horizont 3000", "Welthaus"-Graz und "Dreikönigsaktion". Wegen seines konsequenten Einsatzes für die Armen war Ramazzini immer wieder Morddrohungen ausgesetzt. Im Jänner 2005 konnte die Ausführung eines Mordplans verhindert werden, seither steht er unter staatlichem Personenschutz.