Wien: Caritas gegen Abschiebung iranischer Christen
Wien, 3.8.06 (KAP) Kritik an der geplanten Abschiebung einer christlichen Familie aus dem Iran hat die Caritas der Erzdiözese Wien geübt. Vater Seraj Yousefian sitzt seit 20. Juli in Schubhaft. Seit die Familie im Jahr 2002 in Österreich um Asyl angesucht hat, wird von den österreichischen Funktionären ein angeblicher früherer Visumsantrag für Frankreich negativ ins Treffen geführt. 2003 stellten die österreichischen Asylbehörden in erster Instanz fest, dass laut dem EU-internen Dublin-Abkommen Frankreich für die Familie zuständig sei. In der Folge kämpften die Yousefians gegen diesen Spruch an: "Sie hatten von dem Visumsantrag nichts gewusst", so Caritas-Rechtsberaterin Susanne Bisko in der Donnerstag-Ausgabe der Tageszeitung "Der Standard".
Der Fall ging bis zum Verwaltungsgerichtshof. Dieser bestätigte, dass die Ausweisung rechtmäßig sei. Das sage nichts über die menschliche Dimension aus, so Tanja Kraushofer von der Caritas-Ausländerhilfe. Im konkreten Fall habe "eine rechtlich konforme Entscheidung extreme soziale Härte zur Folge".
Auch der Leiter des Caritas-Wohnhauses für Flüchtlinge in der Wiener Bernardgasse, Mike Berger, versteht das Vorgehen der Behörden nicht: "Wird die Familie, wie es für die kommenden Tage geplant ist, nach Frankreich abgeschoben, war ein vier Jahre langer, vorbildhafter Einfindungsprozess ohne jeden Sinn". Dann hätte etwa Sohn Narbe umsonst in der HTL Wien-Ottakring ein Jahr lang Maschinenbau studiert. Mutter Violet hätte umsonst einen sechsmonatigen First-Aid-Integrationskurs besucht. Vater, Mutter und die beiden Söhne müssten in Frankreich mit ihren Integrationsbemühungen wieder ganz von vorn anfangen, so Berger. Für die Familie Yousefian sei Humanität nun aber nur noch durch Eingreifen des Innenministeriums zu erwirken.