Fischer unterstreicht Bedeutung des Papstbesuchs
Wien, 10.10.06 (KAP) Der Papstbesuch im September 2007 in Österreich wird nicht für die Christen in Österreich große Bedeutung haben, sondern auch für den Staat. Das betonte Bundespräsident Heinz Fischer in einem Interview für die TV-Sendereihe "Orientierung". In dem Interview unterstrich der Bundespräsident die guten Beziehungen zwischen Österreich und dem Vatikan. Der Papst verkörpere eine spirituelle, aber auch eine "gesellschaftliche, politische Kraft von heute", die man hoch schätzen sollte, so Fischer.
Er habe als Bundespräsident in der Vorwoche zum ersten Mal den Vatikan besucht. Und es sei "sehr eindrucksvoll" gewesen, berichtete der Bundespräsident. Der Papst habe es verstanden, von Anfang an eine "sehr freundliche, vertrauensvolle und entspannte" Atmosphäre zu schaffen.
Auf die Frage nach den Spannungen zwischen dem Islam und der westlichen Welt meinte Fischer, diese seien u.a. auf die ungelösten Probleme zwischen Israelis und Palästinensern sowie auf den "unseligen und nicht gut genug überlegten Krieg im Irak" zurückzuführen. Man müsse dennoch bemüht sein, "dialogbereit" zu sein und jene Kräfte zu stärken, die auf beiden Seiten zum Gespräch und zum Dialog fähig sind. Entscheidend sei es, in Zeiten heutiger Wanderungsbewegungen das Prinzip der Gleichwertigkeit und Gleichberechtigung der Menschen "mit Leben zu erfüllen". Er sei daher besorgt, so der Bundespräsident, wenn er bemerke, dass "Emotionen geschürt" und Fremdenfeindlichkeit in ihrer Problematik nicht erkannt, ja sogar "instrumentalisiert" werde.
Das Zusammenleben verschiedener religiöser Gruppen habe in Österreich in den vergangenen 20 Jahren alles in allem funktioniert. Das sei kein Anlass, sich zufrieden zurück zu lehnen. Denn es gebe immer wieder Entwicklungen oder Ereignisse, wo man versuchen müsse, die "gelbe Karte" und im Wiederholungsfall die "rote Karte" zu zeigen.
Befragt nach seinem persönlichen Glauben schloss sich Bundespräsident Fischer der Aussage des einstigen Bundeskanzlers Bruno Kreisky an, der als Agnostiker gemeint hatte, er könne eine göttliche Existenz weder beweisen noch nicht beweisen. Diese Einstellung Kreiskys - so Fischer - entspreche auch seiner Gefühls- und Wissenslage und seiner Lebenssituation. Er habe aber "großen Respekt" vor den Weltreligionen und religiösen Menschen. (ende)