Papstbesuch: Christus wird im Mittelpunkt stehen
Wien, 16.4.07 (KAP) "Auf Christus schauen" lautet das Motto des Papstbesuches im kommenden September aus Anlass des 850-Jahr-Jubiläums von Mariazell. Bischof Egon Kapellari erläuterte am Montag in Wien bei einer Pressekonferenz die Bedeutung dieses Mottos. Erst vor zwei Wochen habe sich der Papst ihm gegenüber sehr positiv zu dem Motto geäußert, berichtete der steirische Bischof: Jesus Christus sei Sinn und Fundament des christlichen Glaubens. "Auf Christus schauen" sei auch inspiriert vom gleichnamigen Buch, das vor einigen Jahren von Kardinal Ratzinger veröffentlicht wurde.
Auch die Gnadenstatue von Mariazell müsse im Licht des Mottos zum Papstbesuch interpretiert werden. Ohne Prachtkleid werde deutlich, dass Maria Jesus im Arm hält und mit der anderen Hand auf ihn zeigt. "Maria zeigt den Millionen Pilgern seit Jahrhunderten Christus: Das ist die Botschaft von Mariazell", so der Bischof wörtlich. Zugleich heiße "Auf Christus schauen" auch, auf den Menschen zu schauen, "in aller Gebrochenheit und Herrlichkeit". Diese christologische Kernbotschaft werde der Papst bei seinem Österreich-Besuch entfalten, so Bischof Kapellari.
Wie der Bischof weiter ausführte, sei er davon überzeugt, dass bei der Papstwahl auch die Sorge um Europa eine wesentliche Rolle gespielt habe. Kapellari: "Ich denke schon, dass dieser Papst auch mit dem Auftrag gewählt wurde, Europa neue Hoffnung zu geben. Insofern komme Mariazell als großer mitteleuropäischer und gesamteuropäischer Adresse eine besondere Symbolkraft zu.
Der steirische Diözesanbischof erinnerte in diesem Zusammenhang auch an den Mitteleuropäischen Katholikentag 2004, als 100.0000 Pilger aus acht Ländern zur "Wallfahrt der Völker" nach Mariazell gekommen waren. Die Bischöfe Mitteleuropas hatten damals in einer gemeinsamen Botschaft sieben Antworten auf die Herausforderungen für die Christen in Europa aufgezeigt und auch damals sei der erste und fundamentalste Auftrag an alle Gläubigen gewesen, den Menschen von heute Christus zu zeigen.
Zugleich verwies Bischof Kapellari auf das soeben erschienene neue Buch des Papstes "Jesus von Nazareth". Auch hier rücke der Papst die Kernbotschaft des christlichen Glaubens in den Mittelpunkt; das Buch sei sowohl zur geistlichen Vorbereitung auf den Papstbesuch als auch ganz grundsätzlich eine inspirierende Quelle.
Eckpunkte des Programms
Der Generalsekretär der Österreichischen Bischofskonferenz, Msgr. Ägidius Zsifkovits, präsentierte bei der Pressekonferenz die Eckpunkte des Papstbesuchs im September: Papst Benedikt XVI. wird am Freitag, 7. September, gegen Mittag in Wien-Schwechat landen und mit dem üblichen Zeremoniell eines Staatsbesuchs begrüßt werden. Im Anschluss wird er mit den Gläubigen in der Wiener Innenstadt zu einem Gebet zusammentreffen. Für den Nachmittag steht eine Begegnung mit Vertretern des öffentlichen Lebens und des diplomatischen Corps in der Hofburg auf dem Programm.
Der Samstag, 8. September, gehört dann ganz Mariazell - das an diesem Tag gefeierte Fest Maria Geburt ist das Patronatsfest des steirischen Marienortes. Der Papst wird mit dem Hubschrauber nach Mariazell reisen und dort am Vorplatz der Basilika mit den Pilgern den Festgottesdienst feiern. Nach einer Begegnung mit den österreichischen Bischöfen und vielen Gästen im Superiorat von Mariazell steht am Nachmittag eine Vesper mit Priestern, Diakonen, Ordensleuten und Seminaristen in der Wallfahrtsbasilika auf dem Programm.
Am Sonntag, 9. September, feiert Papst Benedikt XVI. am Vormittag im Wiener Stephansdom die Heilige Messe und wird um 12 Uhr auf dem Stephansplatz das Angelus-Gebet sprechen. Danach stehen ein Besuch des Stiftes Heiligenkreuz und eine Begegnung mit Ehrenamtlichen aus Kirche und Gesellschaft in Wien auf dem Programm. Gegen Abend wird Papst Benedikt XVI. von Wien-Schwechat aus wieder die Heimreise antreten.
Wie Bischof Kapellari und Msgr. Zsifkovits übereinstimmend betonten, stünden die großen Eckpunkte des Programms zwar fest, es gelte aber, noch viele Detailfragen zu klären. Auch sei das Programm nur als vorläufig zu sehen, da der Vatikan gewöhnlich erst rund zwei Monate vor Beginn einer Papstreise das entsprechende Programm endgültig bestätige.
Der Generalsekretär der österreichischen Bischofskonferenz bekräftigte einmal mehr, welch große Auszeichnung es für Österreich bedeute, dass sich der Papst Zeit für eine dreitägige Reise nimmt. Österreich werde 2007 überhaupt das einzige europäische Land sein, in das der Papst reisen wird. Und auch für das viel größere Brasilien im Frühjahr seien nur fünf Tage anberaumt.
Mariazell: "Liebe auf den ersten Blick"
Höhepunkt und Anlass des Papstbesuchs in Österreich ist die Pilgerreise von Benedikt XVI. nach Mariazell. Auch P. Karl Schauer OSB, Superior von Mariazell, unterstrich bei der Pressekonferenz, dass der steirische Wallfahrtort eine "christologische Adresse" sei, wo Maria auf Christus verweist.
Mit dem Mitteleuropäischen Katholikentag 2004, aber etwa auch mit einem ökumenischen "marianischen" Symposion unter Beteiligung von Repräsentanten der reformatorischen Kirchen und dem Besuch von Patriarch Bartholomaios I. vor wenigen Wochen habe man auch in jüngster Vergangenheit in Mariazell einige wegweisende Akzente gesetzt, so P. Schauer.
Er erinnerte auch an den Besuch von Kardinal Ratzinger 2004 in Mariazell bei der Wallfahrt der europäischen Notare, als der damalige Präfekt der Glaubenskongregation spätabends unmittelbar nach seiner Ankunft noch in die Basilika ging und sich von ihrer Strahlkraft sehr bewegt zeigte. "Es war sozusagen Liebe auf den ersten Blick", sagte P. Schauer. So wie Papst Benedikt würden sich auch viele Millionen Menschen von Polen bis Kroatien in Mariazell "zu Hause" fühlen.
Der Superior betonte, dass Mariazell am 8. September allen Pilgern Platz bieten kann. Man werde "erfinderisch und fantasievoll genug sein", solche Räume zu schaffen, um möglichst viele Menschen unterzubringen, so P. Schauer. (ende)