33.000 Pilger in Mariazell
Trotz niedriger Temperaturen und Nässe stimmen sich zehntausende Pilger auf den Papstgottesdienst ein
Ganz Mariazell ist ein einziges Festgelände in diesen Minuten. Trotz niedriger Temperaturen und anhaltender Nässe stimmen sich zehntausende Pilger mit Gesängen und Gebeten auf den gemeinsamen Gottesdienst mit Papst Benedikt XVI. ein.
Gegen 9 Uhr waren nach Angaben von Andrea Geiger, der Leiterin des Papstbüros, bereits fast alle der 33.000 angemeldeten Pilger eingetroffen. Es wurden insgesamt 480 Busse gezählt, in denen Pilger nach Mariazell gelangten. Hunderte Pilger hatten sich außerdem mit der Mariazeller Bahn auf den Weg gemacht. Die Stimmung unter den Gläubigen sei gut, so Geiger; sie freuten sich auf die Feier mit dem Papst. Es erinnere an die Situation beim Mitteleuropäischen Katholikentag 2004, als die Teilnehmerinnen und Teilnehmer an der "Wallfahrt der Völker" bewiesen, dass sie "wetterfeste Christen" sind.
Bereits in den frühen Morgenstunden waren tausende Pilger entlang der Zufahrtsstraßen und Pilgerwege nach Mariazell unterwegs. Zahlreiche Pilger harrten bereits seit Mitternacht auf dem Festgelände aus. Kleinere Gruppen wuchsen schnell zu einem durchgehenden Pilgerstrom an. Ein Verkehrschaos blieb am Morgen aufgrund der straffen Organisation der Verkehrsflüsse aus. Auch sind die Pegelstände der Flüsse entlang der Zufahrtsstraßen im Lauf der Nacht um 35 bis 40 Zentimeter gesunken.
Wie am Morgen bekannt wurde, mußte der geplante Hubschrauberflug, mit dem der Papst um 9.15 Uhr auf dem Mariazeller Flugfeld ankommen sollte, abgesagt werden. Statt dessen reisen Papst Benedikt XVI. sowie Bundespräsident Heinz Fischer im Autokonvoi nach Mariazell. Der Gottesdienst wird jedoch planmäßig stattfinden, heißt es von Seiten der Bischofskonferenz.
Pilgern ist nie ein "Spaziergang"
Der Grazer Altbischof Johann Weber sagte im ORF-Papststudio, es sei beeindruckend, welche Strapazen die Pilger auf sich genommen hätten, um mit dem Papst Gottesdienst zu feiern und so die Gemeinschaft mit Christus zu erfahren. Pilgern sei nie ein "Spaziergang" gewesen. Das Wallfahren habe in den vergangenen Jahren wieder einen starken Aufschwung genommen, weil es auch der Aufforderung Jesu entspreche "Folgt mir nach, gehen wir miteinander den Weg durchs Leben". Als Diözesanbischof habe er mehr als 30 Jahre das Unterwegssein mit den Menschen erfahren. In Anspielung auf das Wetter sagte der Bischof, es gebe keinen "wolkenlosen" Weg durch das Leben, weder für den einzelnen Gläubigen und auch nicht für die Kirche als ganze.
Annemarie Fenzl, die langjährige Leiterin des Sekretariats von Kardinal Franz König, betonte im ORF-Papststudio, die Haltung des "Pilgers" sei auch die Grundhaltung des Wiener Alterzbischofs gewesen; er habe immer an die Grundfragen des Menschen - "woher komme ich, wohin gehe ich, wozu ist mein Leben" - erinnert. Mariazell habe er deswegen hoch geschätzt und geliebt, weil er mit seiner Mutter schon als Kind die bunte Vielfalt der Pilger in dem steirischen Wallfahrtsort erleben konnte. Der Wiener Pastoraltheologe Prof. Paul Zulehner meinte, gerade viele Zeitgenossen hätten wieder einen neuen Zugang zum Pilgern: Sie verstünden sich als Suchende, als Menschen unterwegs.