Angelus: Mehr als 30.000 feierten mit
Papst appellierte beim Angelusgebet nach dem Gottesdienst im Stephansdom zum Zeugnisgeben für den Glauben
Auch beim Angelusgebet auf dem Stephansplatz unterstrich Papst Benedikt XVI. die Bedeutung der sonntäglichen Messfeier. Jesus solle zu den Menschen getragen werden, "wie Maria ihn zu Elisabeth getragen und dort Jubel und Freude ausgelöst hat". Die Eucharistiefeier müsse "mit der gebührenden Würde" gehalten werden, betonte der Papst: "Darum danke ich allen, die durch ihren aktiven Beitrag zur Vorbereitung und Gestaltung der Liturgie beigetragen haben, und allen, die einfach durch ihr andächtiges Miterleben der heiligen Geheimnisse die Atmosphäre geschaffen haben, in der Gottes Gegenwart wahrhaft spürbar gewesen ist".
Mehr als 20.000 Gläubige nahmen an dem Gebet teil, darunter auch Mitglieder der Bundesregierung mit Vizekanzler Wilhelm Molterer an der Spitze. "Der Wind spricht sein Wort mit", kommentierte der Papst eine Bö, die seine Kopfbedeckung, den Pileolus, fortblies. "Aber wir freuen uns, dass ein bisschen Sonne ist", fügte er unter dem Applaus der Menge hinzu.
Abweichend vom Programm sprach Benedikt XVI. das Mariengebet, das er ursprünglich bei seinem Empfang am Freitag vor der Mariensäule auf dem Platz Am Hof beten wollte. Ein Stromausfall hatte jedoch seinen Vortrag unterbrochen.
Das Angelusgebet stimmte der Papst nach einem Kirchenlied an: "Liebe Freunde, jetzt singen wir alle auf österreichische Weise den 'Engel des Herrn'".
Briefe und Bilder von Kindern
Nach dem Angelus-Gebet auf dem Stephansplatz überreichten der Nationaldirektor der Päpstlichen Missionswerke in Österreich, Leo Maasburg, und fünf ausgeloste Kinder dem Papst ein Buch mit Bilder und Briefen von Altersgenossen zum Motto des Papstbesuches "Auf Christus schauen". Mehr als 500 Kinder waren der Einladung der Päpstlichen Missionswerke gefolgt und hatten dem Papst Briefe geschrieben und Bilder gemalt. In einem Dankschreiben an die Kinder, das der Papst auf der Bühne den Kindern übergab, würdigte Benedikt XVI. die Bilder und Briefe, in denen "jener Glaube und jene Liebe zum Ausdruck kommen, um derentwillen Jesus die Kleinsten so besonders liebte, sie mit offenen Armen empfing und sie seinen Jüngern als Beispiel vor Augen stellte". "Ich sehe in Euch kleine Mitarbeiter an dem Dienst, den der Papst der Kirche und der Welt erweist", so der Papst in seinem Dankschreiben.
Die Kinder unterstützten mit ihrem Gebet und ihrem Einsatz seine Aufgabe zur Verbreitung des Evangeliums. Es gebe nämlich viele Kinder, "die Jesus noch nicht kennen". Viele könnten nicht im Frieden und in Unbeschwertheit leben. Die Kirche schenke diesen Kindern ihre besondere Zuwendung, so der Papst.
Die Freundschaft mit Jesus sei ein so schönes Geschenk, das man nicht für sich allein behalten könne. Wer diese Gabe empfange, habe das Bedürfnis, sie anderen weiterzugeben. "Und das geteilte Geschenk wird auf diese Weise nicht kleiner, sondern es vervielfältigt sich", so der Papst in seinem Dankschreiben an die Kinder.
"Evangeliar der Jugend" überreicht
Außerdem erhielt Benedikt XVI. ein von Wiener Jugendlichen illustriertes Evangelienbuch als Geschenk überreicht. Zwei Jugendliche - Bettina Ott, ein Firmling aus der Pfarre St. Elisabeth, und Beni Metz, Vorsitzender der Katholischen Jugend Wien - überbrachten das Geschenk stellvertretend für die kirchlichen Jugendgruppen in der Bundeshauptstadt.
Das "Evangeliar der Jugend" hat eine spannende Entstehungsgeschichte. Der heuer im Jänner verstorbene Pfarrer von St. Elisabeth, Hugo Unterberger (ein Schüler des Papstes), hatte den Impuls zum Symposion "Großstadtseelsorge" im Oktober 2001 gegeben. Als Dank für ihre Mitarbeit bei diesem "Großstadt-Symposion" überreichte Kardinal Christoph Schönborn beim Abschlussgottesdienst im Stephansdom den Repräsentanten verschiedener kirchlicher Gruppen wertvolle Evangeliare. Dem Vertreter der Katholischen Jugend hingegen übergab er einen schmucklosen Karton. Er enthielt die ungebundenen Druckbögen eines Evangeliars. "Unser Erzbischof brachte damit sein besonderes Zutrauen zum Ausdruck, dass die Jugend das Evangelium ausdeutet, ins Heute überträgt, illustriert und so ein einzigartiges 'Evangeliar der Jugend' daraus macht", so Stephan Bazalka von der Katholischen Jugend: "Damit haben wir auch ein nicht alltägliches Geschenk für den Papst".
Hunderte Jugendliche haben in den vergangenen Monaten auf unterschiedlichste Weise Bibelstellen für dieses Evangeliar illustriert. Das Titelbild des Evangeliars - zusammengesetzt aus den Einzelbildern, die dafür eingereicht wurden - zeigt eine Läuferin am Start. Es steht symbolisch für die Katholische Jugend, die ständig in Bewegung und aktiv ist.
"Weg des Brotes"
Außerdem wurde dem Papst die Aktion "Weg des Brotes" präsentiert, die der Wiener Diözesandirektor der Päpstlichen Missionswerke, Franz Ferstl, im Vorjahr mit der Don Bosco-Hilfsorganisation "Jugend Eine Welt" ins Leben gerufen hat: An der Aktion hatten sich mehr als 350 Bäcker beteiligt, um für ein Bäckereiprojekt in Kinshasa zu sammeln, das hunderte Kinder mit Brot versorgt und zahlreichen Familien eine Möglichkeit bietet, ihren Lebensunterhalt selbst zu verdienen.
Musik, Tanz und Präsentation sozialer Projekte
Noch Stunden nach dem Papstgottesdienst und dem Angelus-Gebet herrschte auf dem Stephansplatz Feststimmung. Die "Find-Fight-Follow"-Band - bekannt von den Wiener Jugendgottesdiensten neuen Typs - brachte auf dem Platz vor dem Dom die Menge zum Tanzen. Teenager wie Ordensfrauen klatschten und hüpften im Takt der Musik.
In die Feststimmung mischten sich auch ernstere Themen. Jugendliche stellten das Projekt "72 Stunden ohne Kompromiss" vor, bei dem alljährlich in ganz Österreich tausende Jugendliche sozial helfend unterwegs sind. Kolping-Österreich bot ein Programm von "Integra Musica", einem Ensemble des Kolping-Wohnhauses für Behinderte."Oral History" präsentierte ein Projekt für generationenübergreifendes Arbeiten. Dazwischen sorgten "Acts" wie Feuerjongleure, Gospel Music und ein Auftritt der Newcomer-Band "Cardiac Move" für fröhliche und ausgelassene Stimmung. Der Wiener Dompfarrer Anton Faber, der die Volksfeststimmung auf dem Platz sichtlich genoss, äußerte sich zufrieden: "Es läuft wunderbar", so Faber.
Von den Stationen Papst Benedikts XVI. in Heiligenkreuz, im Wiener Konzerthaus und von der Verabschiedung auf dem Flughafen Wien-Schwechat erfolgten Übertragungen auf die Videowalls. Nach 20 Uhr mischten sich auch die Bischöfe unter die Feiernden.
"Find-Fight-Follow"
Während Papst Benedikt XVI. vom Wiener Konzerthaus zum Flughafen Schwechat fuhr, sorgte "The Longfield Gospel Choir" trotz wieder einsetzenden Regens für Stimmung auf dem nach wie vor voll besetzten Stephansplatz. Der 90-köpfige Chor - gegründet im Herbst 1998 - trat außer bei diversen Events auf dem Stephansplatz auch schon im Rahmen der Wiener Festwochen und beim Wiener Donauinselfest auf.
In den vergangenen fünf Jahren war der Chor bei mehreren Fernseh- und Radiosendungen zu Gast und wurde im Rahmen der "Internationalen Chor-Olympiade 2000" in Linz mit einem "Bronzenem Diplom" ausgezeichnet. Die erste CD "Let Us Live In Peace" (2001) wurde auf der grössten deutschen Internet-Gospel-Plattform "www.gospelszene.de" zur "Internationalen CD des Monats" gewählt.
Nach einer Live-Schaltung via Videowall zur Abschiedszermonie auf dem Flughafen Wien-Schwechat, wo der Papst seinen dreitägigen Österreich-Besuch beendete, sorgte nochmals die "Find-Fight-Follow-Band" bis 22 Uhr für Stimmung auf dem Stephansplatz.