Benedikt XVI.: "Mit Maria auf Christus schauen"
Mehr als 10.000 Gläubige bereiteten Papst Benedikt XVI. auf dem Platz Am Hof einen begeisterten Empfang
Mehr als 10.000 Gläubige bereiteten Papst Benedikt XVI. auf dem Platz Am Hof in der Wiener Innenstadt einen begeisterten Empfang. Viele der Anwesenden, unter ihnen zahlreiche Jugendliche, hatten mehrere Stunden im strömenden Regen ausgeharrt. Als Benedikt XVI. im "Papamobil" eintraf, wurde er mit stürmischem Applaus empfangen.
Der Papst wies in seiner Rede auf Maria als Vorbild und Hilfe im Glauben auch in der heutigen Welt hin. Unter Hinweis auf das Motto seines Besuchs sagte Benedikt XVI., es gehe darum, in diesen Tagen "mit Maria auf Christus zu schauen". In ihrer Mütterlichkeit nehme Maria auch heute Menschen aus allen Sprachen und Kulturen unter ihren Schutz, um sie in vereinter Vielfalt miteinander zu Christus zu führen.
Wörtlich sagte der Papst: "An sie können wir uns wenden in unseren Sorgen und Nöten. Von ihr sollen wir aber auch lernen, einander so liebevoll anzunehmen wie sie uns alle annimmt: einen jeden in seiner Eigenart, von Gott gewollt und geliebt. In der weltweiten Familie Gottes, in der für jeden Menschen ein Platz vorgesehen ist, soll jeder seine persönlichen Gaben zum Wohle aller entfalten".
Benedikt XVI. ging in seiner Ansprache auch auf die Mariensäule auf dem Platz Am Hof ein. Vor 360 Jahren habe sie Kaiser Ferdinand III. zum Dank für die Befreiung Wiens aus großer Gefahr (während des Dreißigjährigen Krieges) errichten lassen. Auch heute solle diese Säule ein Zeichen der Hoffnung sein.
Der Papst bedankte sich auch für den herzlichen Willkomm von Kardinal Christoph Schönborn und grüßte in besonderer Weise auch die Tausenden Jugendlichen, die zu dieser ersten Station seines Besuchs gekommen waren, sowie die Vertreter der anderssprachigen katholischen Gemeinden in der Erzdiözese Wien.
Der Platz Am Hof ist nicht nur einer der historisch bedeutendsten Plätze der Wiener Innenstadt. Auf diesem Platz wandelte der Papst auch in den Spuren mehrerer seiner Vorgänger. Von 1630 bis 1913 befand sich dort die Apostolische Nuntiatur, in der von 1668 bis 1671 Antonio Pignatelli wirkte, der spätere Papst Innozenz XII. Im Jahr
1782 stattete Papst Pius VI. Wien einen mehrwöchigen Besuch ab. Am Ostersonntag jenes Jahres erteilte er vom Balkon der Kirche aus tausenden Gläubigen den Ostersegen. Am 12. September 1983 traf Papst Johannes Paul II. hier mit österreichischen Arbeitnehmern und Gastarbeitern zusammen.
Die Mariensäule in der Mitte des Platzes besteht seit 1645. Die Bronzefigur der Maria Immaculata erhebt sich über einem quadratischen Sockel. Die vier gewappneten Putti (Knabenfiguren) unter der Marienfigur fechten siegreich gegen den Drachen (Hunger), den Löwen (Krieg), die Schlange (Unglauben) und den Basilisken (Pest). In ihrer jetzigen Form existiert die Säule seit 1667.
Zur Begrüßung des Papstes hatten tausende Menschen teils mehrere Stunden im strömenden Regen ausgeharrt. "Ich kann es nur bewundern und 'Vergelt's Gott' sagen", sagte der Papst, als er auf dem Platz eintraf. Wegen eines Stromausfalls musste Benedikt XVI. seine Ansprache abbrechen. Als die "Benedetto"-Sprechchöre verhallten, stimmte Kardinal Schönborn ein Vaterunser mit den Gläubigen auf dem Platz an.
Eintragung ins "Goldene Buch"
Unter dem Gesang "Tu es Petrus" war der Papst in die Kirche Am Hof eingezogen und hatte die Altane betreten, von wo aus er die ´Gläubigen begrüßte. Acht Paare, die verschiedene Generationen und Lebensformen repräsentierten, formulierten Gebetsanliegen. Eine Bitte wurde auch in Gebärdensprache übermittelt.
Nach dem Vaterunser zog Benedikt XVI. in das Innere der Kirche Am Hof ein, wo er vor dem Allerheiligsten zum Gebet niederkniete, um gemeinsam mit den Gläubigen "auf Christus" zu schauen. Die liturgische Feier in der Kirche wurde von den anderssprachigen katholischen Gemeinden gestaltet. Vertreter der einzelnen Gemeinden brachten in bunten traditionellen Gewändern ihre Gaben zum Altar. In der Kirche waren rund 1.000 Repräsentantinnen und Repräsentanten der anderssprachigen Gemeinden anwesend.
Zum Schluss der Feier trug sich Benedikt XVI. in Anwesenheit von Bürgermeister Michael Häupl ins Goldene Buch der Stadt Wien ein, bevor er sich im "Papamobil" auf den Weg zum Judenplatz machte.
In der Kirche Am Hof wurde nach der Eröffnung des eucharistischen Gebets durch den Papst die Anbetung fast 20 Stunden hindurch fortgeführt. Stundenweise waren einzelne Gemeinschaften für die Gestaltung der Anbetung in der Kirche zuständig. Am Samstagmorgen wird der Hochmeister des Deutschen Ordens, Bruno Platter, um 8.30 Uhr das "Allerheiligste" wieder in den Tabernakel der Kirche Am Hof übertragen.