"Die jüdischen Wurzeln niemals vergessen"
Wiener Erzbischof erinnerte Am Hof an "notvolle, schmerzliche Zeiten" der katholischen Kirche in Österreich
Die Bedeutung des Petrusdienstes für die Kirche hat Kardinal Christoph Schönborn bei der offiziellen kirchlichen Begrüßung des Papstes auf dem Wiener Platz Am Hof betont. Wörtlich sagte der Kardinal: "Wir freuen uns, dass der Nachfolger des Apostels Petrus bei uns ist. Zu ihm hat Christus das Wort gesagt, das wie ein Felsen die Kirche durch die Jahrhunderte trägt: Du bist Petrus, und auf diesen Felsen werde ich meine Kirche bauen". Die Kirche sei nicht "bloßes Menschenwerk", obwohl so viel Menschliches an ihr ist, "an Großem und an Schwachem".
Die Kirche in Österreich sei durch notvolle, schmerzliche Zeiten gegangen, erinnerte der Wiener Erzbischof im Hinblick auf die "Turbulenzen" seit Mitte der achtziger Jahre. Es gebe die Gefahr der Mutlosigkeit, der Resignation, der Hoffnungslosigkeit. Wörtlich sagte Kardinal Schönborn: "Stärken Sie unseren Glauben, Heiliger Vater! Lenken Sie unseren Blick neu auf Christus! Denn Er ist unsere Zuversicht und unsere Hoffnung".
Auf Christus zu schauen, bedeute auch, auf die Wurzeln des Christentums zu schauen, sagte der Wiener Erzbischof. Der Kardinal erinnerte an die jüdischen Wurzeln des Christentums: "Petrus war Jude. Die Apostel waren Juden. Maria ist Jüdin, und Jesus, ihr Sohn, unser Herr, ist es durch sie. Nie dürfen wir den Wurzelstamm vergessen, der uns trägt". Es gehöre zur Tragik Wiens, dass gerade hier diese Wurzel vergessen und verleugnet wurde, "bis hin zum gottlosen Willen, das Volk zu vernichten, dem Gottes erste Liebe gilt". Schönborn nahm damit Bezug auf das Gedenken des Papstes an die österreichischen Opfer der Shoah, das unmittelbar nach der Begegnung auf dem Platz Am Hof auf dem nahe gelegenen Judenplatz vorgesehen war.
Vor der Kirche Am Hof, dem Zentrum der kroatischen Katholiken in Wien, betonte Kardinal Schönborn die Bedeutung der anderssprachigen Gemeinden. Er erinnerte daran, dass in Wien mehr als 200.000 anderssprachige Katholiken leben: "Sie sind Weltkirche in Wien".
Ebenso präsentierte der Wiener Erzbischof dem Papst die vielen Jugendlichen aus Wien und den benachbarten Bundesländern - vor allem Schülerinnen und Schüler katholischer Schulen -, die sich auf dem Platz mit der historischen Mariensäule versammelt hatten.