"Kaddish-Gebet erinnerte an Johannes XXIII."
Zeithistorikerin Erika Weinzierl zum bevorstehenden "1938"-Gedenken der Schüleraktion "A Letter To The Stars"
Das Gedenken und Kaddish-Gebet am Shoah-Mahnmal auf dem Judenplatz mit Papst Benedikt XVI. und Oberrabbiner Paul Chaim Eisenberg hat an die Haltung des großen Konzilspapstes Johannes XXIII. erinnert: Das sagte die Wiener katholische Zeithistorikerin em.Prof. Erika Weinzierl am Montag im "Kathpress"-Gespräch. Weinzierl äußerte sich am Rande einer Pressekonferenz in Wien, die das bevorstehende "1938"-Gedenken der Schüleraktion "A Letter To The Stars" zum Thema hatte; die Doyenne der kirchlichen Zeitgeschichte in Österreich ist Ehrenpräsidentin der "Letter To The Stars"-Aktion.
"Für mich war die Station auf dem Judenplatz das Beeindruckendste am Papstbesuch", so Erika Weinzierl. Für das Verhältnis von Judentum und Christentum sei das schlichte Shoah-Gedenken in Wien wahrscheinlich "das Positivste" im bisherigen Pontifikat Benedikts XVI. gewesen.
Schüler stellen Gedenkkunstwerke her
Bei der diesjährigen Aktion des Zeitgeschichte-Projekts "A Letter To The Stars", die am Montag bei der Pressekonferenz mit Prof. Weinzierl vorgestellt wurde, sollen österreichische Schülerinnen und Schüler jeweils einem der mehr als 80.000 von den Nazis ermordeten Österreicher ein Kunstwerk widmen - von Bildern über Texte bis zu T-Shirts. Bei einer weiteren Aktion werden 250 Holocaust-Überlebende von 1. bis 8. Mai kommenden Jahres nach Österreich eingeladen.
Ehrenpräsidentin Weinzierl machte den Sinn der geplanten Aktionen klar: "Verbrecher erinnern sich nicht gerne, und auch Völker erinnern sich nicht gerne an dunkle Epochen ihrer Geschichte. Dennoch müssen sie es tun". Es gehe darum, zu lernen, wozu "Österreicher auch fähig waren", und was es zu tun gelte, damit nie wieder Ähnliches passiere.
Erstmals von sich reden gemacht hatte "A Letter To The Stars" 2003. Heuer hatten interessierte Schüler per E-Mail, Brief oder Telefon Kontakt zu österreichischen NS-Überlebenden im Ausland aufgenommen und diese Zeitzeugen in New York besucht.
Die Einladung der Holocaust-Überlebenden verfolgt auch einen weiteres Ziel: Deren geplante Zeitzeugenberichte, die in den Schulklassen erfolgen sollen, werden auf Video gebannt und für den Zeitgeschichteunterricht genutzt. (Informationen: Internet: http://www.lettertothestars.at/).