Kapelle im Bischofspalais als Sakristei für den Papst
Andreaskapelle im Wiener Erzbischöflichen Palais wurde in den ursprünglichen Zustand zurück versetzt
In einer festlichen Prozession wird Papst Benedikt XVI. am Sonntag, 9. September, vom Erzbischöflichen Palais über den Stephansplatz in den Stephansdom einziehen, um dort den Sonntagsgottesdienst zu feiern. Zuvor wird er sich in der Andreaskapelle des Erzbischöflichen Palais auf das Hochamt vorbereiten. Die frisch renovierte Kapelle wird dem Papst als Sakristei dienen, wo er die Messgewänder anlegt.
Die aus dem 17. Jahrhundert stammende Kapelle wurde anlässlich des Papstbesuchs aber nicht nur renoviert, sondern auch in der Farbgebung in ihren ursprünglichen Zustand versetzt, so die Diözesankonservatorin der Erzdiözese Wien, Hiltigund Schreiber, im Gespräch mit "Kathpress".
Die Arbeiten hatten erst Mitte Juli begonnen, sie sind inzwischen aber abgeschlossen. Kardinal Christoph Schönborn hat sich bereits ein Bild der neu gestalteten Kapelle gemacht und war "sehr erfreut und überrascht", so Hiltigund Schreiber.
Die Kapelle an der Südseite des Erzbischöflichen Palais wurde 1267 erstmals erwähnt. Im Zuge der frühbarocken Neugestaltung der bischöflichen Residenz in der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts wurde an der Stelle eines alten Vorgängerbaus die Andreaskapelle in ihrem heutigen Erscheinungsbild errichtet, wobei aber der gotische Chor der alten Kapelle erhalten blieb. Besonders bemerkenswert sind der kunstvoll gestaltete Stuck sowie der Annenaltar aus dem Jahr 1512, der erst in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts in der Gruft der Augustinerkirche wiederentdeckt wurde.
Unter Kardinal Franz König wurde 1974 die Farbgebung des Innenraumes auf den Zustand der Kapelle im 18. Jahrhundert zurückgeführt und Kardinal Hans Hermann Groer ließ 1990 im bis dahin instrumentenfreien Raum die sogenannte "Schwalbennest-Orgel" installieren.
Vor wenigen Jahren wurde schließlich im Auftrag von Kardinal Schönborn eine Bronzestatue der Märtyrerin Sr. Restituta Kafka aufgestellt, die von Prof. Oskar Höfinger angefertigt wurde. Der Bildhauer hat auch den neuen Volksaltar für die Kirche Am Hof geschaffen - die erste Station des Österreich-Besuchs von Papst Benedikt XVI.
"Papst liebt Frühbarock"
Der schwierigste Teil der Renovierungsarbeiten war die Reinigung der Stukkaturen, so Hiltigund Schreiber. Die ursprüngliche Farbe, ein "Graublau", lässt den Raum größer und heller aussehen. Im Zuge der Renovierungsarbeiten wurde auch ein zugemauertes Fenster zu den Arbeitsräumen von Kardinal Schönborn wieder geöffnet.
Die Wiener Diözesankonservatorin ist sich sicher, dass Papst Benedikt XVI. in der Andreaskapelle den idealen Raum finden wird, um sich auf die Messe vorzubereiten: "Ich weiß, wie der Papst das frühe Barock liebt, weil es davon in Bayern so viel gegeben hat. Er wird sich hier zuhause fühlen und an seine Heimat denken".
Größer wurde die Kapelle durch die Renovierung aber nicht. Die rund 40 Bischöfe, die gemeinsam mit dem Papst in den Stephansdom einziehen, werden deshalb in den Festräumen des Palais die Messkleider anlegen.