Ökumene ist Papst Benedikt ein großes Anliegen
Kardinal Schönborn: Starker Konnex zwischen Papstbesuch und Dritter Europäischer Ökumenischer Versammlung in Sibiu
Der Besuch von Papst Benedikt XVI. in Österreich ist in erster Linie eine Pilgerfahrt (zum 850-Jahr-Jubiläum von Mariazell) und keine Pastoralreise im klassischen Sinn. Das betonte Kardinal Christoph Schönborn am Mittwoch im Rahmen einer Pressekonferenz in Wien. Deshalb seien auch nicht die sonst üblichen ökumenischen und interreligiösen Begegnungen vorgesehen, sagte der Wiener Erzbischof. Trotzdem wird es auch einen deutlichen ökumenischen Impuls geben: Der Papst wird eine Botschaft an die Dritte Europäische Ökumenische Versammlung (EÖV3) im rumänischen Sibiu richten.
Die EÖV3 findet von 4. bis 9. September in der geschichtsträchtigen siebenbürgischen Stadt statt. Das Motto der Versammlung lautet: "Das Licht Christi scheint auf alle. Hoffnung für Erneuerung und Einheit in Europa". Eröffnet wird die EÖV3 vom Ökumenischen Patriarchen von Konstantinopel, Bartholomaios I.
Wörtlich sagte Kardinal Schönborn: "Als ich gemeinsam mit Bischof Kapellari am 18. August bei Papst Benedikt in Castel Gandolfo zu Gast war, hat er uns mit den Worten empfangen, soeben seine Botschaft an die Dritte Europäische Ökumenische Versammlung in Sibiu fertig gestellt zu haben". Es bestehe also auch ein starker Konnex zwischen dem Papstbesuch in Österreich und dem für Europa so wichtigen ökumenischen Ereignis in Sibiu.
Kardinal Schönborn ging im Zusammenhang mit der Ökumene auch auf die im Juli veröffentlichte Stellungnahme der vatikanischen Glaubenskongregation zum katholischen Kirchenverständnis ein und bedauerte in diesem Zusammenhang, dass es bei der Rezeption dieses Dokuments Missverständnisse gegeben habe. Die von vielen kritisierte Formulierung, dass die evangelischen Kirche "keine Kirchen im eigentlichen Sinn" seien, stehe so überhaupt nicht im Dokument. Aussageabsicht der Glaubenskongregation sei es vielmehr gewesen, die rund um das Dokument "Dominus Iesus" im Jahr 2000 aufgetretenen Fragen auf der Linie des Zweiten Vatikanischen Konzils zu beantworten. Die Konzilsväter wollten damals ausdrücklich nicht die Kirche Jesu Christi in einer ausschließlichen Weise mit der katholischen Kirche gleichsetzen, wohl aber stellten sie fest, dass den reformatorischen Kirchen einige Elemente fehlen, die nach katholischer Auffassung zum vollenVerständnis von Kirche gehören. Das bedeute aber nicht ein Absprechen der Kirchlichkeit, so Schönborn.
Besondere Zeichenhaftigkeit
Der Wiener Erzbischof nahm auf Anfrage auch zum Gedenken von Papst Benedikt XVI. mit Oberrabbiner Paul Chaim Eisenberg vor dem Shoah-Mahnmal auf dem Judenplatz Stellung. Dieser Programmpunkt sei nahe liegend gewesen, da ja die erste Station des Papstes auf dem Platz Am Hof gleich nebenan liege. Papst Benedikt XVI. sei auch sofort mit diesem Vorschlag einverstanden gewesen, berichtete Schönborn: "Nach dem Besuch des Papstes in Auschwitz ist gerade diese Geste hier in Wien von besonderer Zeichenhaftigkeit. Denn Wien ist die Stadt, in der Theodor Herzl sein Buch 'Der Judenstaat' schrieb, in der aber auch ein Adolf Hitler einen Großteil seiner antisemitischen Fantasien aufnahm".