Papstbesuch endete mit Zeremonie am Flughafen
Papst Benedikt betont in seinen Abschiedsworten die besondere Rolle Österreichs im Zentrum Europas
Die besondere Aufgabe und Rolle Österreichs in der Mitte Europas hat Papst Benedikt XVI. bei der Verabschiedungszeremonie auf dem Flughafen Wien-Schwechat unterstrichen. Die nationale und die internationale Politik Österreichs möge vom Bemühen um gegenseitiges Verständnis und von der "kreativen Gestaltung immer neuer Wege zur Schaffung von Vertrauen unter den Menschen und Völkern inspiriert sein", sagte der Papst. Das Land könne im Geiste seiner historischen Erfahrung die europäischen, vom christlichen Glauben geprägten Werte konsequent in den europäischen Institutionen und im Rahmen der Pflege der internationalen, interkulturellen und interreligiösen Beziehungen einbringen.
Er blicke am Ende seiner Pilgerreise anlässlich des 850-Jahr-Jubiläums des Nationalheiligtums von Mariazell dankbar auf diese "reich gefüllten Tage" zurück. "Ich spüre, dass mir dieses schöne Land und seine Menschen noch vertrauter geworden sind", so der Papst wörtlich. Er dankte seinen "Mitbrüdern im Bischofsamt", der Regierung, allen Verantwortlichen des öffentlichen Lebens und nicht zuletzt den Organisatoren und den vielen Helfern, die zum Gelingen dieses Besuchs beigetragen haben. Sein aufrichtiger Dank gelte auch Bundespräsident Heinz Fischer für die Begleitung auf dieser Pilgerreise.
Wie der Papst betonte, habe er Mariazell erneut als "besonderen Ort der Gnade" erfahren dürfen. Die große Zahl der Mitfeiernden um die Basilika und in ganz Österreich möge gegenseitig ermutigen, "mit Maria auf Christus zu schauen und uns als liebevoll von Gott Angesehene in die Zukunft dieses Landes, dieses Kontinents und der ganzen Welt zu wagen".
"Gastfreundliche Offenheit Österreichs"
Schon der Beginn seiner Pilgerreise mit dem gemeinsamen Gebet auf dem Platz am Hof habe über die nationalen Grenzen hinaus verbunden und die "gastfreundliche Offenheit Österreichs vor Augen geführt", die - so der Papst - "zu den großen Qualitäten dieses Landes gehört". Er habe im Stift Heiligenkreuz innegehalten; die dort von den Zisterziensern gepflegte Tradition zeige "Wurzeln, deren Kraft und Schönheit letztlich von Gott selber stammt".
Der Papst erinnerte auch nochmals an den Gottesdienst im Stephansdom, den stellvertretend für alle Pfarren Österreichs in der Hauptkirche Wiens gefeiert habe. Somit sei er mit den Gläubigen in allen Pfarrgemeinden Österreichs in besonderer Weise verbunden.
Als "bewegend" bezeichnete der Papst die Begegnung mit freiwilligen Helfern der in Österreich so zahlreichen und vielgestaltigen Hilfsorganisationen. "Die Tausenden, die ich sehen konnte, stehen für Abertausende im ganzen Land, die in ihrer Hilfsbereitschaft die nobelsten Züge des Menschen zu einem alltäglichen Bild werden lassen, in dem die Gläubigen die Liebe Christi erkennen können", so Papst Benedikt XVI. wörtlich.
Es erfüllten ihn "Dankbarkeit und Freude" in diesem Augenblick des Abschieds, so der Papst. Er vertraute die Gegenwart und Zukunft Österreichs "der Fürsprache der Gnadenmutter von Mariazell, der Magna Mater Austriae, und allen Heiligen und Seligen Österreichs an". Der Papst wörtlich: "Mit ihnen wollen wir auf Christus schauen, der unser Leben und unsere Hoffnung ist. Ihnen und Euch allen sage ich ein aufrichtiges, herzliches 'Vergelt's Gott'."
Fischer: Besuch von ganz besonderem Charakter
Bundespräsident Fischer sagte in seiner Abschiedsrede, man habe die große Verbundenheit Benedikts XVI. mit Österreich gespürt. Die Pilgerreise sei habe starke Eindrücke und einprägsame Bilder hinterlassen. Der Papst habe "Anliegen von grundsätzlicher Bedeutung formuliert", bei denen es ein hohes Maß an Übereinstimmung mit Anliegen und Zielen der österreichischen Politik gebe. Als Beispiele nannte Fischer das ständige Bemühen in Politik und Gesellschaft um Frieden und Verständigung, um soziale Gerechtigkeit, Solidarität und Mitmenschlichkeit sowie um den Dialog mit anderen Kulturen, Religionen und Zivilisationen.
Fischer dankte dem Papst weiters für seine Aussagen zum europäischen Gesellschaftsmodell und zur Zukunft Europas. Der Weg dorthin sei nicht leicht, aber wir beschreiten ihn mit Zuversicht. Der Besuch habe einen "ganz besonderen Charakter" gehabt; Wind und Wetter hätten ihn nicht beeinträchtigen können.
Papst dankt per Telegram für "herzliche Aufnahme"
Per Telegramm meldete sich Papst Benedikt XVI. noch einmal aus der Luft. In einer Kurzbotschaft hat sich Papst Benedikt an Bundespräsident Fischer gewendet. Seine Gedanken kehrten zu den Stationen seines Besuche in Österreich zurück, so der Papst: "In Erinnerung an die schönen Tage entbiete ich Ihnen und Ihren Mitbürgerinnen und Mitbürgern für die herzliche Aufnahme meinen herzlichen Dank." Er begleite alle Menschen in Österreich mit seinem Gebet und erbitte für sie "vom Herzen Gottes reichen Segen".