Papstbesuch: Frieden und internationale Gerechtigkeit
Innsbrucker Diözesanbischof Manfred Scheuer: "Benedikt XVI. betont deutlich die Frohe Botschaft"
Papst Benedikt XVI. wird in Mariazell und in Wien auf Frieden und internationale Gerechtigkeit verweisen. Diese Erwartung hat der Innsbrucker Bischof Manfred Scheuer in einem Interview für das Tiroler Internet-Magazin "tirol.com" betont. Papst Benedikt XVI. wirke recht gelöst. Die Aufgabe habe ihn "jünger gemacht". Der Papst betone "deutlich" die Frohe Botschaft: "Gott ist die Liebe". Benedikt XVI. sei weniger moralisierend, als viele erwartet hätten. Scheuer: "Theologisch war er nie ein Moralist".
In dem Interview warnte der Innsbrucker Bischof - der auch Präsident der österreichischen Sektion der internationalen katholischen Friedensbewegung "Pax Christi" ist - vor dem leichtfertigen Umgang mit Begriffen wie "Krieg der Kulturen". Er sei sich auch nicht sicher, ob der viel zitierte "Zusammenprall der Kulturen" (clash of civilizations) zwischen muslimischer und westlicher Welt stattfinden müsse. Die stärkere Herausforderung sei seiner Ansicht nach China. Aber natürlich bleibe auch der Nahe Osten ein "neuralgischer Punkt für den Weltfrieden". In jedem Fall sei die Begegnung mit anderen Religionen eine große Herausforderung für die Christen, "den eigenen Glauben zu vertiefen".
Für eine "Abrüstung der Worte"
Grundsätzlich nahm Bischof Scheuer auch zur Positionierung der Kirche in der politischen Diskussion Stellung. Die Tage der "politisierenden Kirche" seien vorbei. Die Kirche äußere sich aber in Grundsatzfragen in demokratischer Weise, "denn wir sind nicht die einzige Stimme". Aber diese Stimme sei klar. Scheuer - der auch "Caritas-Bischof" ist - verwies etwa auf die Standpunkte der Caritas in Flüchtlingsfragen. Wörtlich stellte der Bischof in diesem Zusammenhang fest: "Meine Position zu polarisierenden Tönen gegenüber Ausländern und Asylwerbern ist klar. Es ist wichtig, andere nicht verbal niederzumachen - gerade auch was Muslime betrifft". Es brauche eine "Abrüstung der Worte", eine "Entgiftung der Sprache".
Zur Frage der Sonntagsöffnung - die in Tirol im Hinblick auf ein neues "Outlet Center" am Brenner kontrovers diskutiert wird - sagte der Innsbrucker Bischof, es stehe außer Diskussion, dass manche am Sonntag arbeiten müssen. Allerdings müsse man sich fragen, wo das hinführen soll: "So viel mehr kann ja nicht verkauft werden, schließlich kann man ja nicht noch viel mehr essen oder verbrauchen als bisher". Der Verlust des Sonntags würde bedeuten, dass eine "Kulturerrungenschaft" verloren geht.
Grundsätzlich plädierte Scheuer in allen Bereichen des politischen Lebens für Behutsamkeit in der Sprache: "Die handelnden Personen sollten sich nicht gegenseitig schlecht machen". Es gebe wichtige, drängende Fragen genug, die man gemeinsam angehen muss: den Umweltschutz, das Problem, welche Chancen der Jugend geboten werden, die Fragen der Gerechtigkeit zwischen den Generationen wie etwa die Pflege, das Verhältnis zwischen Einheimischen und Zuwanderern.
Zölibatsdiskussion: "Zuweilen einseitig"
Auf den Zölibat angesprochen, sagte der Bischof, dass darüber diskutiert werden dürfe und solle. Allerdings zweifle er daran, ob es sinnvoll sei, Bereiche der Intimität öffentlich zu plakatieren. Der Priester gebe das Zölibatsversprechen freiwillig ab, es ist eine Grundsatzentscheidung für das Leben, so Scheuer. Er sehe allerdings auch die Nöte, die damit verbunden sind. Die aktuelle Zölibatsdiskussion bezeichnete Scheuer als "zuweilen einseitig". Man sollte nicht vergessen, auch die positive Seite des Zölibats hervorkehren. Zumeist kämen nur die Gegner zu Wort, kritisierte der Bischof.
Wörtlich sagte der Bischof: "Ehelosigkeit der Weltpriester müsste dogmatisch nicht unbedingt sein, es gibt ja verheiratete Weltpriester, etwa in der Ostkirche oder katholische Priester, die aus der evangelischen Kirche kamen. Bei Ordenspriestern kann das selbstverständlich nicht sein". Er habe das Thema der Entkoppelung von Priesteramt und Zölibat auch bei der Bischofssynode 2005 zur Sprache gebracht, mehrheitsfähig sei das allerdings nicht. Scheuer: "Ich erwarte nicht, dass sich in absehbarer Zeit etwas ändert. Etwas anderes steht auch fest: Eine Änderung des Zölibatsgesetzes würde andere Fragen der Kirche auch nicht lösen".