Plattform "Wir sind Kirche" möchte Direktgespräch mit dem Papst
Aktion "Was möchten Sie Papst Benedikt XVI. sagen?" mit 20.000 Antwort-Postkarten für Anliegen an Papst Benedikt XVI.
Vertreter der Plattform "Wir sind Kirche" haben sich am Donnerstag neuerlich enttäuscht gezeigt, dass es beim Besuch Benedikts XVI. keinen direkten Dialog mit dem Papst geben wird. Bei einer Pressekonferenz in Wien kritisierte der Vorsitzende der "Plattform", Hans Peter Hurka, dass es nicht möglich sei, mit den eigenen Anliegen direkt bei Papst Benedikt XVI. vorzusprechen. Die Situation der Kirche "schreit förmlich nach Lösungen", so Hurka, der davor warnte, "dass die Kirche gerade dabei ist, die unter 50-jährigen ganz zu verlieren". Fehlende Mitbestimmung und der Priestermangel in der Kirche seien nur zwei dringliche Probleme, die man ansprechen wolle.
Das Motto des Papstbesuchs - "Auf Christus schauen" - ist der "Plattform" zu wenig konkret. Hurka: "Wenn damit gemeint ist, wie Jesus zu leben, dann sollte das auch gesagt und getan werden. Vorbeten allein ist zu wenig, es geht um das Vorleben". Wallfahrten und Gebet seien gut, ohne Gespräch aber nur eine halbe Sache.
Einen kleinen Lichtblick sieht Hurka in einem Gespräch, das Vertreter der "Plattform" vor einigen Wochen mit Nuntius Erzbischof Edmond Farhat führen konnten. Der Nuntius habe seine Unterstützung versichert, damit es zu einem substanziellen Gespräch kommt, berichtete Hurka: "Das ist zumindest ein kleiner Schritt nach vorne".
Martha Heizer kritisierte die ihrer Ansicht nach "totalitären Strukturen in der Kirche". Wörtlich sagte Heizer: "Die Kirchenleitung hat keine Strukturen dafür vorgesehen, dass in ihre Entscheidungen die jeweils Betroffenen einbezogen werden". Als konkrete Kritikpunkte nannte Heizer weiters auch den Pflichtzölibat und die Nichtzulassung von Frauen zur Diakonen- und Priesterweihe. Den Hinweis, dass diese Anliegen Sache der Weltkirche seien, wollten Heizer und Hurka nicht gelten lassen. Das sei lediglich ein Scheinargument.
Nicht jede Frage müsse gesamtkirchlich gelöst und geregelt werden, meinte der geistliche Assistent des Katholischen Akademikerverbands, Peter Paul Kaspar. Es könne durchaus auch Teillösungen geben, wie dies ja beispielsweise bei den katholischen Ostkirchen der Fall sei, wo es einen verheirateten Pfarrklerus gibt.
Kritik an der im Kirchenrecht begründeten "Allmacht des Papstes" übte der katholische Publizist und langjährige frühere Vorsitzende der "Plattform", Hubert Feichtlbauer. Diese Allmacht sei sowohl innerkirchlich als auch in den Beziehungen mit den anderen christlichen Kirchen ein Ärgernis. Feichtlbauer räumte zwar ein, dass die Päpste diese einzigartige Machtfülle nur sehr zurückhaltend ausüben. Trotzdem sei in diesem Punkt die Verfasstheit der Kirche eines Papstes unwürdig. Er erhoffe sich von Papst Benedikt eine Perspektive, wie das Papstamt neu gedacht werde könne, damit es endlich auch wieder Fortschritte in der Ökumene gibt, so Feichtlbauer.
Im Rahmen des Papstbesuchs startet die Plattform "Wir sind Kirche" auch die Aktion "Was möchten Sie Papst Benedikt XVI. sagen?". 20.000 Antwort-Postkarten wurden gedruckt, auf denen Anliegen an den Papst festgehalten werden sollen. Anonymisiert und gesammelt wollen die Initiatoren diese Anliegen dann dem Papst, Kardinal Schönborn, Nuntius Farhat und der Öffentlichkeit mitteilen.