Konzilstexte sind Kompass für die Kirche
Die Texte des Zweiten Vatikanischen Konzils (1962-1965) sind nach den Worten von Papst Benedikt XVI. auch heute ein Kompass für die Kirche. Sie erlaubten es ihr, auch in Wellen und Stürmen sicher zu fahren und an das Ziel zu gelangen, sagte der Papst bei der Generalaudienz am Mittwoch auf dem Petersplatz. Gleichzeitig riet er davon ab, sich von den zahlreichen Kommentaren zu der historischen Bischofsversammlung beeinflussen zu lassen und rief zum eigenständigen Lesen der Konzilstexte auf. Die Konzilsdokumente müssten "von der Masse der Veröffentlichungen befreit werden, die sie häufig verdunkeln statt sie zu erhellen", sagte er. Als Orientierungstexte nannte er die vier damals verabschiedeten Konstitutionen.
Am Donnerstag sei der 50. Jahrestag der Eröffnung des großen Kirchenereignisses, erinnerte Benedikt XVI. Für ihn sei es eine "einzigartige Erfahrung" gewesen, nach einer begeisterten Vorbereitung bei dem Konzil selbst eine "lebendige Kirche" mit knapp 3.000 Konzilsvätern zu sehen. Er erinnere sich gut an die Zeit, als der Kölner Erzbischof Josef Frings ihm, dem jungen Bonner Fundamentaltheologie-Professor, die Teilnahme ermöglicht habe.
Die Gefühle damals bei der Eröffnung seien "Freude und Hoffnung" gewesen, sagte der Papst. Er wünsche, dass diese auch bei den Menschen von heute aufkämen, wenn sie in diesen Tagen historische Fernsehbilder von dem Ereignis betrachteten.
Erstmals Begrüßung auch auf Arabisch
Erstmals sprach der Papst bei der Audienz zu den Gläubigen auch auf Arabisch. "Der Papst betet für alle arabischsprachigen Menschen. Gott segne euch alle", sagte er auf dem Petersplatz.
Zuvor hatte ein Prälat auf Arabisch eine Zusammenfassung der Katechese des Papstes über das Konzil vorgelesen. Mit der Einführung der Sprache in die Generalaudienz möchte Benedikt XVI. nach Worten von Vatikansprecher Federico Lombardi den Christen des Nahen Ostens sein Interesse und seine Unterstützung zeigen.
Auf Deutsch verwies der Papst auf das "Jahr des Glaubens", das am Donnerstag beginnt und bis zum 24. November 2013 dauert. Es sei dafür da, um das zu tun, was das Konzil und was Gott gewollt habe: Glauben zu lernen und aus dem Glauben zu leben, so Benedikt XVI. Damit diene man "der Erneuerung der Welt".
Papst Johannes XXIII. habe die Bischofsversammlung einberufen, weil das Christentum "müde geworden" sei und "in Sprache und Formen der Vergangenheit zugehörig schien". Mit dem Stichwort "Aggiornamento" ("es wieder auf den Tag bringen") habe er kein "äußerliches neu Anstreichen des Glaubens" gewollt, sondern die Entdeckung der eigenen inneren Gegenwart des Glaubens. Sein Vorgänger wünschte, dass der Glaube wieder sichtbar werde "und die Welt und die Menschen von heute formt", sagte Benedikt XVI.
Quelle: Kathpress