Kritik an Ausbeutung indischer Leihmütter
Auf die negativen Folgen der boomenden "Leihmutter-Industrie" in Indien macht das Wiener "Institut für Medizinische Anthropologie und Bioethik" (Imabe) aufmerksam. Immer mehr westliche Paare übten ihre angeblichen "reproduktiven Rechte" auf Kosten indischer Frauen in Not aus, kritisiert die stellvertretende Geschäftsführerin des katholischen Instituts, Susanne Kummer: "Am Beispiel Indien zeigt sich deutlich, wie Leihmutterschaft sich zu einer neuen Spielart kolonialistischer Ausbeutung entwickelt."
Die Situation in Indien widerlege Argumente, wonach man etwa in Österreich im Bereich der reproduktiven Medizin alles erlauben müsse, um einen "Fortpflanzungstourismus" zu verhindern, so Kummer: "Diesen 'Tourismus' wird man nie verhindern können: Amerikanische und kanadische Paare geben Kinder in Indien in Auftrag, nicht weil es im eigenen Land verboten ist. Es ist viel simpler: Es kostet einfach viel weniger." Leihmutterschaft sei in Österreich verboten, erinnert die Ethikerin, "und das ist gut so".
Hintergrund der Kritik sind Berichte über die zahlreichen Leihmutterschaften, die in Indien seit 2002 erlaubt sind. Laut der britischen Zeitung "The Guardian" geht die indische Industriellenvereinigung CII in diesem Bereich für 2012 von einem Umsatz in der Höhe von 2,3 Milliarden Dollar (1,8 Milliarden Euro) aus. Zwar kostet die Leihmutterschaft in Indien nur ein Zehntel im Vergleich zu westlichen Anbietern, für die Frauen entspricht der "Lohn" in der Höhe von 6.500 bis 7.500 Dollar aber mehreren Jahresgehältern.
Der Blick hinter die Kulissen zeige die Tragik der Situation, so Imabe. Frauen stellten ihren Körper als "lebenden Brutkasten" gegen Bezahlung zur Verfügung, um ihrer Familie aus der Armutsfalle zu helfen. "Von Freiwilligkeit zu sprechen, wenn Frauen sich wie in den überwiegenden Fällen aus Armutsgründen als Leihmütter zur Verfügung stellen, ist ein Hohn", betont Kummer. "Die Bedingungen, unter denen mehrere Leihmütter in kleinen, neben dem Spital angemieteten Behausungen während der Schwangerschaft quasi 'gehalten' werden, sind menschenunwürdig, ebenso wie die Tatsache, dass hier westliche Paare Kinder wie eine Ware zu Dumpingpreisen bestellen."
Quelle: Kathpress