Schönborn warnt vor Verzweckung
Mit scharfer Kritik hat Kardinal Christoph Schönborn auf die Veröffentlichung der Stellungnahme der Bioethikkommission und das darin enthaltene Mehrheitsvotum für eine gesetzliche Zulassung der Präimplantationsdiagnostik (PID) reagiert. Das Kindeswohl und das "Prinzip, dass Menschenleben nicht verzweckt werden dürfen", müsse bei allen Überlegungen im Bereich der Bioethik an erster Stelle stehen, so Schönborn in einer Stellungnahme am Freitag. Beherzige man diese beiden Prinzipien, so folge daraus auch das Recht des Kindes auf Vater und Mutter - und zugleich eine Ablehnung der Eizell- und Samenspende sowie der In-vitro-Fertilisation für gleichgeschlechtliche Paare und alleinstehende Frauen.
Es habe schließlich einen Grund, so Schönborn, dass der Gesetzgeber "nicht alles Machbare in der Fortpflanzungsmedizin" zugelassen hat - "und an diesen Bedenken hat sich nichts geändert". Die Politik tue daher gut daran, "diese Bedenken auch künftig ernst zu nehmen" und den "bestehenden gesetzlichen Schutz des Kindeswohls und der Menschenwürde aufrecht zu erhalten".
Schließlich zeige sich auch in der Uneinigkeit der Bioethikkommission in diesen heiklen Fragen, "wie tief die hier behandelten Fragen gehen". In Fragen der Menschenwürde sei es daher "ein guter Weg, sich an den Schwächsten zu orientieren."
"PID hat nur einen Zweck: Selektion"
Ähnlich kritisch hatte sich Kardinal Schönborn bereits vor Veröffentlichung der Stellungnahme der Bioethikkommission am Freitag in der Wiener Gratiszeitung "Heute" zu dem Thema geäußert: "Die PID hat nur einen Zweck: Selektion, das heißt Tötung, von angeblich 'lebensunwertem Leben'". Daher müsse man die Frage stellen: "Gehen wir auf eine Gesellschaft zu, die nur mehr 'fehlerlose' Menschen erträgt, die Behinderte ausgrenzt, sie gar nicht erst leben lässt, von Anfang an? Wohin geht die Fahrt in unserem Land?"
PID bedeute, dass alle Embryonen, die durch künstliche Zeugung ("In-Vitro-Fertilisation"/IVF) entstehen, künftig auf mögliche Schäden untersucht werden sollen, bevor sie in die Gebärmutter der Frau eingesetzt werden. Ziel sei, sie gegebenenfalls auszusondern. Das sei nichts anderes als "pränatale Rasterfahndung" nach behindertem Leben, zitiert der Wiener Erzbischof und Vorsitzende der Österreichischen Bischofskonferenz den Behindertensprecher der ÖVP, Franz-Josef Huainigg, der selber schwer behindert ist.
Huainigg sei ein "außergewöhnlicher Mensch", und es gebe kaum jemand Glaubwürdigeren, der zu diesem Thema sprechen kann. Zudem verfüge er trotz seiner Behinderung über einen "unbesiegbaren Humor" und "ungebrochene Fröhlichkeit". Und Schönborn zitiert eine weitere Aussage von Huainigg gegen die PID: "Es gibt viele behinderte Menschen, die ein glückliches, zufriedenes Leben haben. Lebensglück kann man nicht durch das Mikroskop feststellen."
Quelle:Kathpress