Bischofssynode fasst Ergebnisse zusammen
Die im Vatikan tagende Weltbischofssynode zum Thema Neuevangelisierung tritt in ihre Schlussphase. Derzeit überarbeiten die 260 Bischöfe und 140 Berater und Beobachter in kleinen Arbeitsgruppen 57 "Propositiones" (Empfehlungen), die zum Abschluss am kommenden Wochenende dem Papst als Ergebnis der dreiwöchigen Treffens übergeben werden sollen. Die jeweils rund halbseitigen Texte wurden aus insgesamt 327 Vorschlägen herausgefiltert, die zuvor in den zwölf Sprachzirkeln der Synode erarbeitet worden waren, äußerten Teilnehmer am Dienstag gegenüber Journalisten.
Die Arbeit in den Sprachgruppen schloss sich an eine zehntägige Generaldebatte an, bei der die Synodalen unterschiedlichste Aspekte zum Thema "Die neue Evangelisierung für die Weitergabe des christlichen Glaubens" angesprochen hatten. Die 57 "Empfehlungen" sollen kommenden Samstag verabschiedet und dem Papst übergeben - und zugleich veröffentlicht werden.
Schon am Freitag, also am Tag zuvor, will sich die Synode mit einer "Botschaft der Hoffnung" an die Öffentlichkeit wenden. In dem mehr als zehnseitigen Text wollten die Synodalen die Erfahrungen aus ihren dreiwöchigen Beratungen zum Thema Neuevangelisierung insbesondere für ihre Ortskirchen zusammenfassen, hieß es. Kardinal Christoph Schönborn gehört der 12-köpfigen Kommission an, die die Schlussbotschaft vorbereitet.
Religionsfreiheit und Glaubensweitergabe
Die 57 "Propositiones" seien eine systematische Fortschreibung und Vertiefung der Vorbereitungs- und Arbeitstexte für die Synode, betonte der als Berater zur Synode berufene Bochumer Neutestamentler Thomas Söding am Dienstag vor Journalisten. Die in den ersten Papieren aufgelisteten Szenarien seien mit vielfältigen Erfahrungsberichten aus aller Welt aufgefüllt und pastoral konkretisiert worden.
Unter den "besonderen Akzenten" der Synode nannte Söding das Thema der Religionsfreiheit, die auch innerkirchlich aufgearbeitet werden müsse. Zudem sei es um die Weitergabe des Glaubens gegangen, die stets auch eine Erneuerung dieses Glaubens sein müsse.
Söding verwies auf die Predigt des Papstes, der zum 50. Jahrestag des Konzils Kontinuität in Verbindung mit Erneuerung angemahnt hatte, und er bekräftigte die zentrale Bedeutung der Bibel für die Glaubenserneuerung. Er schlug damit einen Bogen zur Weltbischofssynode von 2008, bei der die Rolle der Bibel für das Leben der Christen im Mittelpunkt stand. Daneben wurde bei der jetzigen Synode über Neuevangelisierung die Glaubensvermittlung durch den "Weltkatechismus" (1992) besonders hervorgehoben.
Religionsunterricht muss Glauben erschließen
Eine stärkere Konzentration auf die Bibel sei dringend erforderlich, betonte Söding. Neben dem Katechismus sei sie die wichtigste Säule religiöser Erziehung, so der Berater der Bischofssynode. Zwar sei ihre Bedeutung auch bei der derzeit im Vatikan tagenden Synode zum Ausdruck gekommen, allerdings bleibe "viel Luft nach oben". Die Auseinandersetzung mit der Bibel ermögliche eine tiefe und aktive Beschäftigung mit dem eigenen Glauben.
Darüber hinaus betonte Söding die Rolle des Religionsunterrichts als häufig einzigem Ort, an dem Schüler mit Glaubensinhalten in Berührung kämen. Der Unterricht dürfe jedoch nicht zur Religionskunde werden, sondern müsse das Christentum von innen heraus erschließen, so der Theologe.
Quelle: Kathpress