Kirche muss zur Integration beitragen
Integration von Migranten ist eine wichtige gesellschaftliche Aufgabe, an der sich die Kirche beteiligen muss: Das betonte Bischof Joseph Kalathiparambil, Sekretär des "Päpstlichen Rates der Seelsorge für die Migranten und Menschen unterwegs", am Montag in Wien. Der Kurienmitarbeiter gab in einem Pressegespräch, das gemeinsam mit Weihbischof Franz Scharl stattfand, Einblicke in derzeitige Arbeitsschwerpunkte des Migrantenrates. Anlass für seinen Besuch war das 30-Jahr-Jubiläum der Arbeitsgemeinschaft der katholischen Gemeinden aus Afrika, Asien und Lateinamerika (ARGE AAG).
Migration war wichtiges Anliegen aller Päpste des 20. Jahrhunderts und bleibt es auch für Papst Benedikt XVI., legte Kalathiparambil dar. "Der Rat soll dem Papst dabei helfen, jenen nahe zu sein, die sich ständig auf Wanderschaft befinden." Entsprechend obliegt der 1988 gegründeten Behörde die Seelsorge nicht nur von Migranten, Flüchtlingen und inländischen Vertriebenen, sondern auch von ausländischen Studierenden, Touristen und Pilgern, Seeleuten, Angehörigen der zivilen Luftfahrt, der Nomadenvölker, des Zirkus und Theaters sowie auch der Transport- und Verkehrsberufe.
Neben aktuellen Krisenherden wie etwa Syrien oder Somalia beschäftigt den vatikanischen "Migrationsminister" besonders die weltweite Situation der Straßenkinder. "Die Menschenwürde wird ruiniert, wenn Kinder auf die Straße fliehen müssen und dort oft sexuell ausgebeutet, geschlagen und zur Sklavenarbeit genötigt werden", so der Kurienbischof. In ganz anderen Nöten seien die Besatzungsmitglieder von Schiffen, für die Ende November in Rom der 23. Weltkongress des Meeresapostolates tagt. "Sie sehen oft acht Monate lang ihre Familien nicht und haben kaum Möglichkeiten, mit ihnen in Kontakt zu bleiben."
Auf die Situation in mittel- und westeuropäischen Ländern angesprochen, zeigte sich Kalathiparambil besonders über die Tendenz besorgt, Migranten zu diskriminieren und "von oben herab" zu sehen. Menschenhandel gebe es weithin in versteckter Form, zudem blieben Angehörigen der Roma, Sinti und verwandter Volksgruppen oft Grundfreiheiten verwehrt. "Damit Integration gelingt, ist ein Mentalitätswandel wichtig", appelliert der aus Indien stammende Kurienbischof. Kurz nach seinem Amtsantritt im Vorjahr hat Kalathiparambil bereits vor einer "zunehmenden Gleichgültigkeit der Gesellschaft gegenüber Flüchtlingen und Migranten" gewarnt, die leicht in Feindseligkeit umschlagen könne.
Erstes Schutzhaus für Menschenhandel-Opfer
Der Wiener Weihbischof Franz Scharl, Bischofsvikar für kategoriale Seelsorge und fremdsprachige Gemeinden, bezeichnete den Besuch seines Bischofskollegen als "Zeichen großer Wertschätzung durch den Vatikan".
Als Vorsitzender des "Runden Tisches gegen Menschenhandel" wies Scharl hin auf die bevorstehende Eröffnung eines ersten Schutzhauses in Wien für Frauen, die Opfer von Menschenhandel und sexueller Ausbeutung geworden sind. Acht Frauen in Notsituation sollen hier fortan anonyme Unterkunft, Sicherheit und Begleitung erhalten, um dadurch den Übergang in geregelte Lebensverhältnisse zu erleichtern. Die Initiative geht vom Verein Solwodi Österreich ("Solidarity with women in distress") aus, an dem sich sechs Frauenorden beteiligen.
Zum besonderen Schwerpunkt macht die katholische Kirche in Österreich die Migration im Jänner 2013 bei ihrer Pastoraltagung in Salzburg. Bei der Veranstaltung, die unter dem Thema "Migration und Integration. Pastorale Herausforderungen und Chancen" steht, wird Kalathiparambils langjähriger Vorgänger, Kurienerzbischof Agostino Marchetto, erwartet, zudem unter anderem auch Integrationsstaatssekretär Sebastian Kurz, der Wiener Caritasdirektor Michael Landau sowie Vertreter der Bischofskonferenz, des Instituts für Praktische Theologie in Wien und der Ökumene.
Quelle:Kathpress