Erziehungszeiten mehr berücksichtigen
Der Handel soll nach dem Willen des Katholischen Familienverbandes (KFÖ) eine Vorreiterrolle dabei spielen, die finanzielle Ungleichbehandlung von Eltern in der Arbeitswelt zu beenden. Zum Beginn der Kollektivvertragsverhandlungen im Handel hat KFÖ-Präsident Alfred Trendl an die Sozialpartner appelliert, Erziehungszeiten im Handels-Kollektivvertrag ausreichend anzurechnen.
Derzeit gebe es durch die "minimale Anrechnung" von nur 10 Monaten nur für das erste Kind eine klare Benachteiligung gerade von Frauen gegenüber ihren kinderlosen Kollegen, kritisierte Trendl in einer Aussendung. Diese Diskriminierung werde an anderer Stelle im Kollektivvertrag ausdrücklich verboten - bisher freilich ohne entsprechende Regelungen.
Ärgerlich sei auch, dass im Handel lediglich Erziehungszeiten für das erste Kind berücksichtigt werden, monierte Trendl. Die vielen Eltern, die bereits ein Kind hätten, könnten nie mehr von einer Gleichstellung, falls sie erfolgen sollte, profitieren.
Für die betroffenen Familien im Handel forderte Trendl eine nachträgliche Anerkennung von Erziehungszeiten. Sonst wirke der Einkommensnachteil über das gesamte Berufsleben und über geringere Versicherungsbeiträge auch in einer späteren Pension nach.
Laut KFÖ entstehen bei Inanspruchnahme der Elternkarenz Gehalts-Nachteile bei Vorrückungen. "Biennalsprünge" erfolgten nämlich aufgrund der Dauer der Betriebszugehörigkeit, ungeachtet jeglicher Leistung. Nach der Rückkehr aus der Karenzzeit können Eltern den Verdienstnachteil nie mehr ausgleichen, so Trendl. Das sei Experten zufolge gleichheits- und EU-rechtswidrig.
Der KFÖ-Präsident forderte die Sozialpartner auf, sich am Beispiel der Metallindustrie, in der 16 Monate für jedes Kind für die Biennalsprünge angerechnet werden, zu orientieren. "Gerade im Bereich Handel sind überdurchschnittlich viele Frauen beschäftigt", wies Trendl hin. Hier erwarte er sich in den Kollektivvertragsverhandlungen wesentliche Verbesserungen - und zwar in einem Ausmaß, dass eine Vorbildwirkung für andere Branchen erzielt wird.
Quelle: Kathpress