Ökumene: Junge Theologen werden ungeduldig
"Ökumenische Ungeduld verbreiten": Das möchten die Mitglieder der vor Jahresfrist begründeten "Pro Oriente"-Kommission junger orthodoxer und katholischer Theologinnen und Theologen, die in den letzten Tagen in Wien zu ihrer ersten Arbeitssitzung zusammengekommen sind. Die Theologinnen und Theologen aus dem deutschsprachigen Raum hatten sich intensiv mit dem "Ravenna-Dokument" auseinandergesetzt und dabei dafür plädiert, dass die Katholiken das "synodale Prinzip" und die Orthodoxen die "Interdependenz zwischen Synode und Primat auf universaler Ebene" wieder entdecken - alles im Sinn des von Kardinal Franz König formulierten Ausgleichs zwischen "möglicher Vielfalt und notwendiger Einheit".
Das Ravenna-Dokument war bei der 10. Vollversammlung der internationalen Kommission für den theologischen Dialog zwischen römisch-katholischer Kirche und orthodoxer Kirche vor fünf Jahren - im Oktober 2007 - in Ravenna erarbeitet und verabschiedet worden. Im Abschlusskommunique der "Pro Oriente"-Kommission heißt es wörtlich: "Durch die gemeinsame intensive 'Relecture' des Dokuments von Ravenna haben wir die Herausforderungen erkannt, die sich beiden Kirchen stellen: Die Wiederentdeckung der regionalen Ebene für die römisch-katholische Kirche auf der einen Seite und auf der anderen Seite die Wiederentdeckung der universalen Ebene für die orthodoxe Kirche". Fortschritte im ökumenischen Dialog könne es nur geben, "wenn Wege wirklich gegangen und nicht nur wohlwollend zur Kenntnis genommen werden".
Wichtige Gesprächspartnerin bei der Tagung der jungen Theologen war die Frankfurter Theologin Theresia Hainthaler, Mitglied der internationalen Kommission für den theologischen Dialog zwischen römisch-katholischer Kirche und orthodoxer Kirche.
Der Wiener orthodoxe Metropolit, Erzbischof Arsenios (Kardamakis), plädierte im Gespräch mit den Theologen für "mehr Vertrauen, mehr Respekt und mehr Mut". Zugleich ermutigte er die theologische Nachwuchsgeneration, "geduldig" auf dem Weg des Miteinanders weiterzugehen.
Als "bahnbrechend" hatten die jungen Theologinnen und Theologen den in den historischen Quellen bislang vernachlässigten "Apostolischen Kanon 34" aus dem 4. Jahrhundert - der vermutlich aus dem syrischen Raum stammt - entdeckt: "Die Bischöfe jeder Provinz müssen den anerkennen, der unter ihnen der erste ist, und ihn als ihr Haupt betrachten und nichts Wichtiges ohne seine Zustimmung tun; jeder Bischof soll nur das tun, was seine eigene Diözese und die von ihr abhängigen Gebiete betrifft. Aber der erste kann nichts tun ohne die Zustimmung aller."
Von der Provinz- auf die Weltebene interpoliert bedeute das für die römisch-katholische Kirche eine Rückbesinnung und zugleich einen mutigen Schritt nach vorn hin zur "Synodalität" und für die orthodoxe Kirche eine Rückbesinnung auf den "Primat" auf universaler Ebene, hielten die Theologen fest. Für die römisch-katholische Kirche müsse es jetzt schon möglich sein, durch eine reale Stärkung der Bischofskonferenzen auf regionaler Ebene und der Bischofssynoden auf universaler Ebene den Apostolischen Kanon 34 in die Praxis umzusetzen.
Für die orthodoxe Kirche wiederum wäre es möglich ("und für ihre Handlungsfähigkeit auf der Weltebene - nicht nur im Hinblick auf den ökumenischen Dialog - förderlich"), die Bedeutung des "primus inter pares" (des Ersten unter Gleichen) innerhalb einer ständigen panorthodoxen Synode auf der universalen Ebene zu erkennen und mit Inhalt zu füllen, so die jungen Theologen.
Bei der Tagung in Wien wurde als Thema für 2013 der Text der Nordamerikanischen orthodox-katholischen theologischen Konsultation "Schritte zu einer wiedervereinten Kirche" gewählt. Das Dokument aus dem Jahr 2010 nimmt zur Frage des Primats des Bischofs von Rom Stellung.
Quelle: Kathpress