Orthodoxie will Jugendarbeit verstärkten
Die orthodoxe Kirche in Österreich verstärkt ihre Bemühungen um die Jugend. Startschuss dazu war am Samstag das erste panorthodoxe Jugendtreffen in Wien-Strebersdorf. Knapp 500 orthodoxe Jugendliche aus ganz Österreich und den Nachbarländern waren am Campus der Kirchlichen Pädagogischen Hochschule Wien/Krems zusammengetroffen.
Eröffnet wurde das Jugendtreffen mit einem Gottesdienst, dem der orthodoxe Metropolit von Austria, Arsenios (Kardamakis), vorstand. Er rief die Jugendlichen auf, sich mutig zu ihrem Glauben und ihrer orthodoxen Tradition wie auch zu Österreich zu bekennen: "Wir alle leben in Österreich, das uns eine gastfreundliche Heimat geworden ist und uns alle hier aufgenommen hat. Das Land, das es uns ermöglicht, unseren Glauben zu leben und zu entfalten und uns unterstützt, dass wir näher zusammen kommen."
Der Metropolit kündigte an, dass es im kommenden Jahr ein weiteres derartiges Treffen geben wird. Weiters soll auch eine orthodoxe Jugendorganisation in Österreich gegründet werden.
Mit dem orthodoxen Metropoliten feierten u.a. auch der rumänisch-orthodoxe Bischofsvikar Nicolae Dura und der orthodoxe Militärseelsorger Alexander Lapin. Beide waren für die Organisation der Veranstaltung hauptverantwortlich. Bischofsvikar Dura zeigte sich im Anschluss an das Treffen im "Kathpress"-Gespräch sehr zufrieden. Das Zusammengehörigkeitsgefühl unter den Jugendlichen unterschiedlichster Nationalitäten sei deutlich gestärkt worden.
Kardinal Christoph Schönborn bekundete in einem Grußwort die Verbundenheit der Katholischen Kirche mit der Orthodoxie in Österreich. Wörtlich schrieb der Kardinal: "Durch Ihre Gegenwart zeigen Sie jenes Gesicht Ihrer Kirche, unserer hoch geschätzten Schwesterkirche, das sie in Österreich tatsächlich hat: Es ist ein junges Gesicht, das eine lebendige Zukunft Ihrer Kirche abbildet. Ich wünsche Ihnen, dass dieser heutige Tag für Sie und für die gesamte Orthodoxie Bedeutung hat."
Auch die Wiener Schulamtsleiterin Christine Mann würdigte in ihren Ausführungen die Orthodoxie in Österreich. Die Orthodoxe Kirche habe schon vor Jahrhunderten begonnen, sich in Österreich zu etablieren, in kleinen und mühsamen Anfängen. Heute sei sie in ihrer Vielfalt aus Österreich nicht mehr wegzudenken und sie sei die zweitgrößte Glaubensgemeinschaft in Österreich, so Mann.
Indem die orthodoxen Jugendlichen "in der Gegenwart ein Miteinander und Zusammengehörigkeit erleben, wächst ihre Zukunft und die Zukunft auch ihrer Kirche". Zugleich würden aber dadurch auch "wichtige Überzeugungen von einem guten Leben und menschenfreundliche Werte in Staat und Gesellschaft eingebracht, die diese auch dringend brauchen".
Fremd sein - zu Hause sein"
Am Samstagnachmittag konnten die Jugendlichen aus zahlreichen Workshops wählen. Zwei Workshops hatten kreativ-künstlerischen Charakter: "Ikonenmalerei mit erläuternden Beispielen" und "Beseelte Klänge. Orthodoxer Kirchengesang". Weitere Workshops behandelten Fragen der Liturgie, der Beichte oder von Liebe, Partnerschaft und Ehe. "Fremd sein - zu Hause sein" lautete der Titel eines weiteren Workshops.
Im Workshop "Die Welt ist in der Krise" setzten sich die jungen Orthodoxen kritische mit dem zunehmenden Materialismus und Werten wie Solidarität und Barmherzigkeit auseinander. Im Workshop "Orthodoxie und Ökumene" ging es um jene Realität, die viele junge orthodoxe Christen in Österreich betrifft: Viele ihrer Freunde, nicht wenige Verwandte und nicht selten auch die Lebenspartner gehören anderen christlichen Kirchen an. Im Alltag würden diese jungen Christen oft merken, wie schmerzlich die Trennung der Kirchen ist.
Das Motto des Jugendtreffens war dem Lukasevangelium entnommen: "Ich sage dir, steh auf!" Die Veranstaltung in Wien-Strebersdorf ging auf einen Beschluss der Orthodoxen Bischofskonferenz von Österreich zurück. Im vergangenen Frühjahr hatten die für Österreich zuständigen Bischöfe sich für verstärkte kirchliche Bemühungen um die Jugend ausgesprochen. Zu dem Treffen waren auch Jugendliche aus Deutschland und Tschechien angereist.
Beim Jugendtreffen sollte laut Veranstaltern auch öffentlich sichtbar werden, wie sehr das orthodoxe Christentum zu Österreich gehört; mit rund 500.000 Gläubigen stellen die orthodoxen Kirchen (einschließlich der orientalisch-orthodoxen Kirchen) die zweitgrößte Glaubensgemeinschaft im Land.
Quelle: Kathpress