Plädoyer für alternativen Ethikunterricht
Eine Lanze für den konfessionellen Religionsunterricht und einen verpflichtenden Ethikunterricht für alle Schüler, die nicht den Religionsunterricht besuchen, bricht der Grazer Religionspädagoge Prof. Wolfgang Weirer. Mehr als 220 entsprechende Schulversuche in ganz Österreich hätten positive Erfahrungen mit sich gebracht. Dadurch werde auch gewährleistet, dass die österreichische Schule ihrem Bildungsauftrag, einen Beitrag zur Werterziehung aller Kinder und Jugendlicher zu leisten, nachkommen kann, so Weirer in einer "Kathpress" vorliegenden Stellungnahme.
Sollte hingegen ein Ethikunterricht für alle Schüler eingeführt werden, würde dies den konfessionellen Religionsunterricht strukturell schwächen, da die Schüler "Religion" zusätzlich besuchen müssten.
Religion sei in vielfältiger Weise in der Öffentlichkeit präsent und gehört zum Menschsein. Insofern sei die Schule in ihrem Bildungsauftrag gefordert, die Auseinandersetzung mit Religion bewusst in den Blick zu nehmen und zu gestalten. Weirer: "Schulischer Religionsunterricht befähigt Kinder und Jugendliche, sich in der Vielzahl von Werten und religiösen Strömungen zu orientieren und begleitet sie beim Prozess der Entscheidung zur eigenen Gestaltung der Lebens- und Glaubensgeschichte."
Das in manchen Diskussionen kolportierte Bild von einem Religionsunterricht, der manipulativ indoktriniert oder auf "Nachwuchssicherung" hin ausgelegt ist, entspreche hingegen weder der gelebten Realität noch den einschlägigen staatlichen und kirchlichen Dokumenten zum Religionsunterricht. Vielmehr befähige der Religionsunterricht Schülerinnen und Schüler, "eine dialogische Grundhaltung einzunehmen, auf Grund derer sie in der Lage sind, in der pluralen Gesellschaft mit Angehörigen anderer Kulturen, Konfessionen und Religionen respektvoll zu kommunizieren".
Werde Religion aus Gründen der "Neutralität" oder der Annahme, dass Religion als Privatsache anzusehen sei, in der Schule ausgespart oder marginalisiert, komme ein wesentlicher Aspekt gesellschaftlichen und kulturellen Lebens, der für viele Menschen Beheimatung und Sinnfindung bedeutet, nicht mehr in den Blick.
Während Ausrichtung und inhaltliches Konzept des konfessionellen Religionsunterrichtes deutlich am Tisch liegen, sei selbiges bei einem Ethikunterricht noch nicht der Fall, hält der Religionspädagoge weiters fest.
Quelle: Kathpress