Synode: Anglikanischer Primas setzt Zeichen
Als "ökumenischer Höhepunkt der Bischofssynode", die bis 28. Oktober im Vatikan stattfindet, ist die Ansprache des Primas der anglikanischen Weltgemeinschaft, Erzbischof Rowan Williams, bezeichnet worden. Der Erzbischof von Canterbury wandte sich dabei am Mittwochabend an den Papst und die versammelten Bischöfe.
In seinem Vortrag würdigte er das Zweite Vatikanische Konzil vor allem dafür, dass es "das christliche Menschenbild erneuert" habe. Gläubige müssten der Welt heute das "Gesicht einer Menschlichkeit, in der es endlos wachsende Liebe gibt", zeigen.
Christen könnten einer "unwirklich und verrückt gewordenen Welt", an der mitzuwirken Finanzsysteme und Werbung die Menschen anstifteten, deutlich entgegentreten, sagte der anglikanische Primas. Frei von reiner Orientierung auf das eigene Ego, bilde die "von Gottes Weisheit" geprägte christliche Kontemplation eine Antwort.
Um den christlichen Glauben in der westlichen Gesellschaft wieder zu beleben, verwies Williams auf ökumenische geistliche Gemeinschaften, die über konfessionelle Grenzen hinaus Begeisterung ausstrahlten. Ausdrücklich erwähnte er Taizé in Frankreich und Sant'Egidio in Italien. Je mehr die christlichen Konfessionen hingegen zueinander Distanz hielten oder den anderen gegenüber Überlegenheitsdünkel an den Tag legten, umso unglaubwürdiger werde ihre Botschaft.
Der Erzbischof trat für eine "spirituelle Ökumene" und Netzwerke wie die benediktinisch inspirierte "World Community for Christian Meditation" ein. Im Anschluss an die Rede vor den Synodalen traf Williams mit dem Papst zusammen.
Konzil brachte "ungeahnte Transparenz"
Im Gespräch mit "Radio Vatikan" bekräftigte der anglikanische Primas, wie bedeutsam das Konzil weit über die Grenzen der katholischen Kirche hinaus gewesen sei: "Es war ungeheuer wichtig. Ich war ein Teenager, als das Konzil begann, und ein praktizierender Anglikaner, und was zunächst als interessante, aber irgendwie exotische und weit entfernte Veranstaltung erschien, wurde auf einmal verstehbar und wirkte nicht mehr auf sich selbst bezogen. Das beeindruckte mich und andere. Wir entdeckten in den Vorgängen beim Konzil eine ungeahnte Transparenz der katholischen Kirche, wir erlebten Papst Johannes XXIII. als ein Geschenk an die ganze Christenheit."
Die Gläubigen seiner Kirche hätten festgestellt, dass "auf einmal auch andere christliche Kirchen überlegten, wie sie bestimmte Dinge besser machen könnten". So habe die katholische Liturgiereform beispielsweise den Anstoß zu einer ganzen Reihe von Liturgiereformen auch in anderen Kirchen gegeben.
Steiniger Weg zur Einheit
Allerdings sei der Weg der christlichen Kirchen zur Einheit und zu einem gemeinsamen kraftvollen Zeugnis "steiniger, als man sich das damals gedacht habe", so Williams. er verhehlte nicht, dass er "da manchmal enttäuscht" sei. Er erinnere sich, dass "wir damals in der Kirche wie in der Politik schlechthin alles für möglich gehalten haben, da war schon eine Menge Übereile und Naivität mit im Spiel".
"Nie mehr zurückgehen" werde man aber hinter "die ganz neue Art des gemeinsamen Betens", sagte der Primas: "In den 1950er-Jahren, als ich ein Kind war, wäre es ziemlich undenkbar gewesen, mit römischen Katholiken zusammen zu beten. Noch nicht einmal das Vaterunser betete man gemeinsam."
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Quelle: Kathpress