Emmaus-Notschlafstellen: Aufnahmen steigen
Die Zahl der Menschen, die in der niederösterreichischen Landeshauptstadt St. Pölten in Armut geraten steigt stetig, gleichzeitig greifen die örtlichen Hilfsangebote. Auf diese Entwicklung hat der Leiter der Emmaus-Nothilfeeinrichtungen, Walter Steindl, bei der Eröffnung eines Lehrpfads zum Thema "Obdachlosigkeit" am Freitag in St. Pölten hingewiesen.
Die Emmausgemeinschaft führt in der Landeshauptstadt drei Notschlafstellen für Männer, Frauen und Jugendliche. In vergangenen fünf Jahren nächtigten dort 1.036 Männer, Frauen und Jugendliche; insgesamt gab es 42.845 Nächtigungen. Die Anzahl der Personen, die aufgenommen wurden, ist dabei von 155 im Jahr 2007 auf 255 im Jahr 2011 gestiegen. Heuer waren es bis 24. Oktober 208 Personen. Gleichzeitig hat die Verweildauer der Menschen in der von der Emmausgemeinschaft angebotenen Grundversorgung abgenommen. Während Männer etwa 2008 im Durchschnitt noch 55 Tage in der Notschlafstelle verbrachten, waren es zwei Jahre später nur mehr 36 Tage.
Ein Trend der nach Angaben Walter Steindls bis heute anhält. "Betroffenen gelingt es heute schneller, in passende Wohnformen zu wechseln", erklärte er die Entwicklung. "Der freie Wohnungsmarkt mit seinen ständig steigenden Preisen ist dabei allerdings nicht hilfreich." Positiv wirke sich hingegen der vom Land Niederösterreich geförderte Ausbau von Plätzen im betreuten Wohnen aus.
Im neuen Lehrpfad der Emmausgemeinschaft durch den Kaiserwald in St. Pölten wird auf neun Schautafeln die Situation von Menschen dargestellt, die den Notschlafstellen Zuflucht finden. "Jeder, der ein Dach über dem Kopf hat, kann sich nicht ansatzweise vorstellen, was das bedeutet, obdachlos zu sein", sagte der St. Pöltner Bürgermeister Matthias Stadler bei der Eröffnung.
Emmausgemeinschaft hilft seit 30 Jahren
Die Emmausgemeinschaft gedenkt heuer ihrer Gründung vor 30 Jahren. 1982 als Initiative ins Leben gerufen, die sich vorwiegend um Haftentlassene kümmerte, wuchs die Gemeinschaft zu einer innovativen Hilfsorganisation heran, die mittlerweile rund 5.000 Unterstützer und Spender zählt und so bereits über 5.000 Menschen durch Wohnung und soziale Unterstützung helfen konnte. Heute kümmert sich die Gemeinschaft ebenso um Obdachlose, minderjährige Flüchtlinge, psychisch labile sowie am Arbeitsmarkt schwer vermittelbare Menschen.
Höhepunkte des Jubiläumsjahrs sind ein Benefizkonzert am 17. November sowie ein Festgottesdienst unter der Leitung von Weihbischof Anton Leichtfried am 18. November in der St. Pöltner Pfarre Maria Lourdes. Informationen: www.emmaus.at
Quelle: Kathpress