Finanzen: Konflikt um Bischofsmitsprache
In der Ostschweiz eskaliert der seit langem schwelende Konflikt um den staatskirchenrechtlich geregelten Vergabemodus der Kirchenfinanzen. So will die Leitung der Diözese Chur zwar die kirchliche Finanzierung einer Familienberatungsstelle beendet wissen, kann sich aber gegenüber den Gremien nicht durchsetzen.
Seine Verärgerung darüber hat der Churer Bischof Vitus Huonder am Freitag in einer Aussendung Ausdruck gegeben. "Ist es in der Schweiz zulässig, dass eine staatskirchenrechtliche Körperschaft entgegen ihrer eigenen Zwecksetzung eine Organisation unterstützt, die in mehreren Tätigkeitsfeldern im offenen Widerspruch zur kirchlichen Lehre handelt?", so Huonder. Die Leitung der Diözese werde dies durch Generalvikar Martin Grichting rechtlich klären lassen.
Huonder wirft der Churer "Familienberatungsstelle Adebar" vor, Beratungen zu Abtreibungsmethoden anzubieten, die Durchführung von Abtreibungen zu begleiten und die sogenannte Pille danach zu propagieren. Am Mittwoch hatte das Parlament der katholischen Landeskirche Graubünden mit großer Mehrheit einen Antrag der Diözesanleitung abgelehnt, wonach "Adebar" von der Landeskirche nicht mehr finanziell unterstützt werden soll.
Die Verwaltung der Finanzen der katholischen Ortskirchen funktioniert in der Schweiz grundsätzlich anders als in anderen westeuropäischen Staaten. Sie ist an das protestantische Modell angelehnt.
Das Recht, Kirchensteuern zu erheben, wird vom Staat den demokratisch organisierten Kirchengemeinden übertragen. Wie die politischen Gemeinden setzen diese den Steuersatz fest und genehmigen das Jahresbudget.
Verwaltet werden die Gelder von einer gewählten Behörde, nicht von den Bischöfen oder Diözesanleitungen. Lediglich rund fünf bis zehn Prozent der Steuermittel gehen an die nach Kantonen, nicht nach Diözesen, gegliederten übergeordneten Organisationen, zumeist Landeskirchen.
Das Churer Kirchenparlament verpflichtete die Beratungsstelle allerdings dazu, die Fördergelder von 15.000 Franken (Tageskurs 12.400 Euro) explizit nicht für die Schwangerenkonfliktberatung zu verwenden. Stattdessen solle es anderen Tätigkeitsfeldern zugutekommen.
Dazu heißt es jedoch in der Mitteilung der Diözese: "Auch wenn ab 2013 die Gelder nicht mehr dafür ausgegeben werden sollten, ist für die katholische Kirche diese Unterstützung unzumutbar."
Die Kirche bleibe über die Landeskirche und deren Vertretung im Vorstand von Adebar "verflochten mit einer Institution, die Abtreibung für eine legitime Option hält und danach handelt". Auch weitere Standbeine der Beratungsstelle - wie Präventionsarbeit oder Sexualpädagogik - widersprächen der kirchlichen Lehre.
Diözesansprecher Giuseppe Gracia beklagte, die Landeskirche mute "der katholischen Kirche zu, mit einer Beratungsstelle verbunden zu sein, die Tötungslizenzen für Ungeborene ausstellt". Das sei "so absurd, als würde man die katholische Kirche zur Verbindung mit einem Pharmaunternehmen zwingen, das Giftspritzen herstellt und bezüglich Todesstrafe berät - mit dem Argument, das Unternehmen stelle ja auch unproblematische Medikamente her".
Quelle:Kathpress