
Kirchenreform: Fürnsinn fordert "mutige Schritte"
In der Kirche in Österreich müssten "mutigere Schritte gesetzt werden, um eine andere Entwicklung herbeizuführen". Das betont Propst Maximilian Fürnsinn, Vorsitzender der Superiorenkonferenz der männlichen Ordensgemeinschaften, in der Novemberausgabe des Magazins "inpuncto", das den österreichischen Kirchenzeitungen beigelegt ist. In der Kirche seien manche Reformen überfällig, dazu brauche es aber den Dialog, so Fürnsinn: "Aber der findet kaum statt, nicht zwischen den unterschiedlichen Positionen und nicht zwischen 'oben' und 'unten'."
Er halte es für falsch, so Fürnsinn, wenn manche in der Kirche auf eine "kleine Herde" der Hundertprozentigen setzen, für die man dann auch weniger Priester brauche. Fürnsinn: "Wir dürfen die Mehrheit der Katholiken nicht allein lassen. Das Evangelium ist allen zu verkünden und nicht bloß einem 'heiligen Rest'".
Auch in den Klöstern gebe es eine Hierarchie, gleichzeitig aber auch eine seit 1.500 Jahren starke demokratische Tradition. Fürnsinn: "Alle wesentlichen Entscheidungen werden im Hinhören auf das Wort Gottes, aber eben auch im Hinhören aufeinander und im Ringen miteinander getroffen". Das sei nicht immer einfach, "aber es ist ein guter Weg".
Konkrete Nöte im Blick
Die innerkirchliche und gesellschaftliche Vorreiterrolle der Orden betont die Vorsitzende der Vereinigung der Frauenorden, Sr. Kunigunde Fürst, in der aktuellen "inpuncto"-Ausgabe. Orden seien immer auf ganz konkrete Nöte oder ausgeprägte soziale oder spirituelle Bedürfnisse hin gegründet worden, so Fürst: "Und es ging immer auch um einen Schritt der radikalen Christusnachfolge - bei allen menschlichen Schwächen. Beides müssen wir wachhalten."
Sr. Kunigunde Fürst war bis vor kurzem Generaloberin der Franziskanerinnen von Vöcklabruck. Als Beispiele, wie ihre Ordensgemeinschaft sich um aktuelle Nöte annimmt, nannte sie den Bereich des Flüchtlingshilfe und den Einsatz für alleinerziehende Mütter.
Klostermauern lieferten durch ihre Abgeschiedenheit nicht Weltfremdheit oder Flucht, sondern eine Kraftquelle und "Hilfe dabei, wachsamer zu sein", so Fürst weiter: "Ich hab mich bewusst manchmal zurückgezogen, um klarer zu sehen, was Gott mir im Heute sagen möchte."
Sensorik für Not schärfen
Ein "Offenhalten von Augen und Ohren wie in der Wirtschaft" fordert der Jesuit Georg Sporschill, der für seinen Einsatz für Jugendliche in Rumänien und Moldawien bekannt geworden ist, für die gesamte Kirche. Sie müsse wahrnehmen, "wer uns zuerst braucht und wo die Not am größten ist", sagt der Gründer und langjährige Leiter des Concordia-Hilfswerkes im "inpuncto-Interview.
Wer diese Aufgabe ernst nimmt, werde dadurch selbst bereichert, betont Sporschill. "Ich habe die Erfahrung gemacht: Wenn man den ersten Schritt tut und dort hingeht, wo die Not ist, wo sie groß ist, dann dient das nicht nur andere, sondern auch mir." Es setze "viel Kraft und Fantasie frei" und schenke "Erfüllung statt Ratlosigkeit", während das bloße Erleben von Leid am TV-Bildschirm deprimiert oder ratlos mache.
Quelle: Kathpress