
Sexualaufklärung - wertorientiert
Eine wertorientierte, "lebensfreundliche" Sexualaufklärung hat die Leiterin des Interdiözesanen Amts für Unterricht und Erziehung, Christine Mann, im Blick auf die Sexualbroschüre "Ganz schön intim" eingemahnt. Dort werde "sexuelles Alleinunterhaltertum, gleichgeschlechtliche und heterosexuelle Aktivitäten" als gleich bedeutsam und daher gesellschaftlich gleich wünschenswert dargestellt. Mann kritisierte dies in ihrer Stellungnahme gegenüber "Kathpress" als "ideologisch schon ziemlich belastet". Das "bunt lieben" der Broschüre sei nicht alles, "es braucht auch ein 'treu lieben'".
Die katholische Schulverantwortliche äußerte sich im Anschluss an die jüngste Tagung der österreichischen Schulamtsleiterkonferenz, die sich mit der Aufklärungsbroschüre des Unterrichtsministeriums für Sechs- bis Zwölfjährige beschäftigte. Mann - sie ist langjährige Leiterin des Erzbischöflichen Schulamtes in Wien - wies auf die zahlreichen Kritikpunkte an der Broschüre hin: Widersprüche zur Rechtslage, Unkorrektheiten, "Ideologisierungen durch mangelnden Wertepluralismus" und Nichteinbeziehung der Elternvertretungen.
Dass all dies den Widerstand von Eltern hervorrufe, "darf nicht verwundern", bemerkte die kirchliche Bildungsexpertin. Sie geht von einer grundlegenden Überarbeitung der Publikation aus, die vom Ministerium auch bereits zugesagt sei.
Polemik gegen Vorbehalte aus dem kirchlichen Bereich wies die Schulamtsleiterin zurück: Als Kirche "müssen wir uns in dieser Sache nicht den Mund verbieten lassen". Jeder Verdacht, die Kirche sei grundsätzlich gegen Aufklärung, gehe ins Leere: Die "ersten und vielfach einzigen Lehrkräfte", die seit Jahrzehnten Sexualität thematisieren, seien Religionslehrer, betonte Mann.
"Sexualität ist werte- und normenorientiert"
Die Leiterin des Interdiözesanen Amts für Unterricht und Erziehung gab Grundsätzliches zu bedenken: Der Bereich der Sexualität sei werte- und normenorientiert. Es gehe in doppelter Hinsicht um "schützenswerte Freiheitsrechte in diesem höchstpersönlichen Bereich", nämlich um Freiheit von Zwang jeder Art und zugleich um "Freiheit zu verantwortlicher Gestaltung".
Zu Ersterem hätte sich Mann eine deutlichere Gewichtung der "höchst unterstützenswerten" Zielsetzung gewünscht, Kinder zum Einspruch bei sexueller Belästigung zu befähigen. Hinsichtlich der Missbrauchsprävention biete die Broschüre nur "spärlich eingestreute prophylaktische Akzente".
Im Blick auf die persönliche Gestaltungsverantwortung will Christine Mann "nicht nur Werte wie Erfüllung durch maximalen Lustgewinn" berücksichtigt wissen, sondern auch klassische asketische Werte wie Zurückhaltung und Verzicht.
Familie wertschätzen
Der vielfach geäußerten Kritik an der Hintanstellung der "traditionellen" Familienform in der Aufklärungsbroschüre schloss sich auch die Schulamtsleiterin an. Wir lebten in einer Gesellschaft, der Demographen ein "sukzessives Aussterben prognostizieren". Es sei deshalb unverständlich, warum die Broschüre gerade die Familienform mit dem statistisch gesehen meisten Mut zu Kindern als etwas darstellt, was sich "leider hartnäckig hält". Im Gegenzug dazu würden bi- und homosexuelle sowie "Transgender"-Identitäten und Lebensweisen als gleichrangig mit heterosexuellen dargestellt.
Gesellschaftsmodelle, die "möglichst weit weg von der verpönten Vater-Mutter-Kind-Familie" seien, würden "als selbstverständlich gültig vermittelt", so Mann. Sie sprach in diesem Zusammenhang von "Instrumentalisierung von zweifellos wichtiger Sexualaufklärung".
Die Liebe kommt zu kurz
Die katholische Bildungsfachfrau vermisst in der Broschüre die Thematisierung von Liebe als wesentlich "lebensfreundlichem" Aspekt von Sexualität und des Zusammenhangs von Sexualität und neuem Leben. Kinder sollten vom "unbezahlbaren Lebensglück, ein Kind zu bekommen", erfahren. Das wäre laut Mann auch ein schöner Baustein zur Persönlichkeitsbildung der Kinder in einer sensiblen Altersphase, "nämlich zu hören, dass sie das Glück ihrer Eltern sind".
Schon zu Zeiten des "Sexkoffers" habe sie nachdenklich gemacht, dass Sexualaufklärung an Ganzheitlichkeit verloren habe. Kinder würden angeleitet, sexualisierte Schimpfwörter zu sammeln, Geschlechtsorgane zu basteln, sie würden mit Pornographie und Prostitution vertraut gemacht. Mann wörtlich: "Wenn ich überlege, was uns Generationen vor uns über die weltbewegende und auch zerstörerische Kraft von Liebe, Eros und Sexualität hinterlassen haben, und wenn ich es mit dem vergleiche, was wir unseren Kindern vermitteln, dann fällt mir vor allem das Stichwort 'Armseligkeit' ein."
Quelle: Kathpress