
Warnung vor "oberflächlichem Weihnachtsfest"
Vor der "Oberflächlichkeit", mit der die Gesellschaft das Weihnachtsfest begeht, hat Bischof Egon Kapellari gewarnt. Im "Kurier"-Interview (Montag-Ausgabe) ruft er dazu auf, sich auf das Kind von Bethlehem zu besinnen. Zugleich zeigt sich der steirische Bischof überzeugt, dass die wirtschaftliche und gesellschaftliche Krise in Europa nur durch die Eindämmung von Egoismus und Gier bewältigt werden könne. Den Anliegen der Pfarrerinitiative erteilt er eine Absage: "Mit mir gibt es keinen Weg am Papst vorbei."
Das Kind von Bethlehem sei "eine Einladung an starr oder böse gewordene Erwachsene, zum Kind umzukehren, das sie selbst einmal gewesen sind", so der Bischof wörtlich.
Das lahmende Friedensprojekt Europa bewertet Kapellari vorsichtig optimistisch: "Das sogenannte Friedensprojekt Europa ist nach Zeiten der Euphorie labil geworden. Lange Hebel zur Verbesserung haben die meisten Europäer und auch die Kirchen nicht. Aber der große Friede braucht auch die kleinen Hebel, die dem Einzelnen und ihren kleinen oder größeren Gemeinschaften erreichbar sind." Die Bischöfe würden das "Projekt Europa" in kritischer Solidarität begleiten.
Phänomene wie zunehmende Armut, Arbeitslosigkeit, Politikverdrossenheit und Korruption bereiten dem Bischof Sorgen, wenn sie sich auch in Österreich weniger dramatisch darstellen würden als in manch anderem Land Europas: "Eine Eindämmung von Egoismus und Gier auf vielen Ebenen ist zur Stabilisierung und Heilung des Ganzen unerlässlich. Das gilt bei Einzelinteressen ebenso wie auch bei Gruppeninteressen." Die Kirche verweise dabei, oft überhört, auf die Prinzipien ihrer Soziallehre. Kapellari: "Unzählige Christen wirken auch heute wie Frischzellen im oft müden oder kranken Leib der Zivilgesellschaft. Freilich gibt es auch unter den Christen oft Müdigkeit und Lauheit."
Auf die innerkirchliche Reformdebatte und den Konflikt mit der Pfarrerinitiative angesprochen, meint Kapellari wörtlich: "Ich verstehe die Wünsche vieler Katholiken nach Veränderungen. Widerstand - auch gegen Plausibles - kann aber manchmal auch prophetisch sein. Mit mir gibt es keinen Weg am Papst vorbei."
Er wolle bestehende Probleme nicht kleinreden, sondern stelle sich ihnen. "Wir müssen die Mitte und die Tiefe der Kirche suchen und stärken, wenn wir wirklich weiterkommen wollen. Diese Mitte ist kein Ort des bequemen Ausgleichs, sondern ist Christus selber. Er ist es, der nach beiden Seiten hin einladend die Arme ausbreitet", betont der Bischof.
Zum Dialog der Religionen unterstreicht Kapellari, dass es für die Kirchen keine Alternative zum ständigen Versuch gebe, mit anderen Religionen zu reden und zu kooperieren, "auch wenn man dabei oft enttäuscht wird". Dieses Reden dürfe freilich nicht blauäugig sein. Kapellari: "Es muss dabei auch deutlich gesagt werden, dass Toleranz keine Einbahnstraße ist, die nur Christen verpflichtet." Gegen die Verfolgung von Christen und anderen Minderheiten zum Beispiel in islamisch dominierten Ländern müssten nicht nur Christen, sondern Politik, Medien und die ganze westliche Zivilgesellschaft entschlossener auftreten. Sie müssen dies auch im eigenen Interesse tun, so der Bischof.
Auf das "Jahr des Glaubens" und das 50-Jahr-Jubiläum des Zweiten Vatikanischen Konzils (1962-65) angesprochen, betont der Bischof "die Frage nach dem Glauben von uns Christen, besonders auch hier in Europa". Das Konzil sei dynamisches Erbe und Quelle zugleich. "Ohne tiefer nach dieser Quelle zu graben, würden uns sowohl der Geist als auch das Wasser ausgehen", so Kapellari wörtlich.
Quelle: Kathpress